Die Stromausfälle in Spanien und Portugal haben vor Augen geführt, wie verwundbar unsere Infrastrukturen sind – auch für Unternehmen. Im Gespräch erklärt Benjamin Lay, wie Cloud-Lösungen nicht nur kritische Daten schützen, sondern auch Betriebsfähigkeit und Gelassenheit im Ernstfall sichern können.
Tendenziell steigt die Gefahr für große Stromausfälle. Unternehmen können mit Notstromlösungen reagieren oder ihre Daten etwa in der Cloud sichern.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Die landesweiten Stromausfälle Ende April 2025 in Spanien und Portugal haben gezeigt, wie vulnerabel die Stromversorgung ganzer Länder ist und welche Folgen ein totaler Stromausfall haben kann. Cyberangriffe, Naturkatastrophen und Unregelmäßigkeiten in der Netzauslastung lassen ähnliche Vorfälle in Zukunft noch wahrscheinlicher werden.
Für die IT- und OT-Infrastruktur von Unternehmen kann das fatale Folgen haben, bis zu Datenverlust und Betriebsstillstand. Wie Unternehmen gegen solche Szenarien vorsorgen können, erklärt Benjamin Lay, Director Transition to CloudExperts Germany von Alcatel-Lucent Enterprise.
Die Bilder aus Spanien wirkten verstörend. Ein ganzes Land stand gewissermaßen binnen Sekunden still. Man kann nur vermuten, dass nicht nur Bevölkerung und Infrastruktur, sondern auch zahlreiche Unternehmen vom Stromausfall betroffen waren …
Lay: Davon ist auszugehen. Stromausfälle können jedes Unternehmen treffen, erst recht in Zeiten von Cyberbedrohungen, geopolitischen Verwerfungen und einer immer schnelleren Abfolge von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdrutschen. Solche Ereignisse können dazu führen, dass die komplette strombasierte Infrastruktur offline geht, inklusive Produktionsstätten, deren Maschinen und Anlagen in ein OT-Netzwerk eingebunden sind.
Benjamin Lay ist Director Transition to Cloud Experts Germany von Alcatel-Lucent Enterprise.
(Bild: Alcatel-Lucent Enterprise)
Wie können sich Unternehmen dagegen wappnen?
Lay: Eine Notstromversorgung, beispielsweise mithilfe von Generatoren, kann das Schlimmste verhindern und die lokale Infrastruktur vor Ort schützen. Regelmäßige Backups von Systemen, Daten und Datenbanken gewährleisten zudem eine gewisse Grundsicherung und sichern die Fortsetzung des Betriebs.
Totale Stromausfälle wie in Spanien, die über Stunden oder gar Tage andauern, können natürlich weitreichende Folgen haben. Theoretisch kann das jederzeit wieder passieren, zumal die Ursache bisher ungeklärt ist. Unternehmen sollten deshalb geschäftsrelevante Prozesse und Anwendungen in eine sichere Umgebung verlagern.
Sie sprechen Cloud-Lösungen an. Welche Vorteile haben sie gegenüber klassischen On-Premises-Modellen?
Lay: Cloud-Lösungen sind an sich redundant ausgelegt. Sie bieten größtmögliche Ausfallsicherheit und Zuverlässigkeit. Störfälle führen nicht gleich dazu, dass alles verloren geht. Daten, Systeme und Anwendungen sind allenfalls für wenige Stunden nicht verfügbar und können wiederhergestellt werden. Bei On-Premises-Lösungen dagegen müssen Daten neu beschafft und ganze Systeme neu konfiguriert werden, was im Übrigen in eigener Verantwortung liegt. Bei Cloud-Lösungen liegen Aufwand und Verantwortung beim Dienstleister. Die Cloud bietet nicht nur mehr Sicherheit, sie sichert auch den Seelenfrieden.
Fallen Ihnen dazu Beispiele ein?
Lay: Wir hatten schon Fälle, in denen die Telefonanlage bei Starkregen unter Wasser stand, was zum Totalausfall und in der Konsequenz zur Nichterreichbarkeit führte. Für betroffene Unternehmen ist das ein Albtraum. Das kann nicht passieren, wenn die Kommunikationsinfrastruktur in ein Rechenzentrum ausgelagert ist. Die Anbieter, mit denen wir zusammenarbeiten, sind nach den aktuell geltenden Standards für Informationssicherheit und Datenschutz zertifiziert und haben auch physische Schutzmechanismen. Zudem sitzen sie in Europa, was mit Blick auf Datendiebstahl und Cyberattacken ein zusätzliches Plus an Sicherheit bringt.
Welche der verschiedenen Cloud-Dienste – von IaaS über PaaS bis SaaS – empfehlen Sie für den Krisenfall?
Lay: Infrastructure-as-a-Service (IaaS) ist ein guter Ausgangspunkt. Dabei hosten Cloud-Anbieter die komplette Infrastruktur eines Unternehmens in ihrer Cloud. Ein weitergehender Ansatz ist PaaS (Platform-as-a-Service), eine in der Cloud gehostete Plattform für die Entwicklung, den Betrieb, die Wartung und die Verwaltung aller Anwendungen.
Und bei SaaS (Software-as-a-Service) wird die Software vom Anbieter durchgängig verwaltet. Welcher Dienst auch immer zur Wahl steht: Cloud-Dienste gewährleisten einen reibungslosen und zuverlässigeren Betrieb in jeder Situation, auch im Falle von Black-outs.
Noch immer hosten viele Unternehmen sensible Daten lieber auf eigenen Servern oder bevorzugen aus Gründen der Datenhoheit hybride Lösungen. Werden die Vorkommnisse in Spanien Cloud-basierten Lösungen einen weiteren Schub geben?
Lay: Der Trend geht schon seit einiger Zeit weg davon, dass man für alles ein Backup On-Premises benötigt. Die Cloud bietet bereits eine gewisse Datensicherheit. Man kann auch Backup-Lösungen aus der Cloud beziehen, die zusätzlichen Schutz bieten. Diese Lösungen können bei Bedarf aktiviert werden, um eine unterbrechungsfreie Kommunikation zu gewährleisten und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, entwickelt Alcatel-Lucent Enterprise eine neue Backup-Kommunikationslösung, die auf unserer Flaggschiff-Cloud-Plattform Rainbow basiert. Damit wird sichergestellt, dass der Geschäftsbetrieb nicht durch einen Vorfall beeinträchtigt wird. Die offizielle Markteinführung wird im Laufe dieses Jahres erfolgen.
Was sagen Sie kleineren Unternehmen, die eine eigene Netzwerkinfrastruktur vor Ort haben und deshalb den Gang in die Cloud scheuen, auch aus Kapazitätsgründen?
Lay: Dass sie nicht alles übers Knie brechen müssen und sollen. Unternehmen müssen nicht von heute auf morgen in die Cloud wechseln, sondern können ihr Kommunikationssystem Stück für Stück weiterentwickeln.
Stand: 08.12.2025
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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS erschienen.