Von IP-Lizenzierung zu eigener Fertigung Arm will künftig eigene Chips verkaufen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Arm, Anbieter der gleichnamigen Prozessor-IP, möchte offenbar künftig als Fabless-Anbieter selbst Chips produzieren und verkaufen. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezug auf interne Quellen. Mit diesem Ziel sei das britische Unternehmen derzeit dabei, innerhalb des eigenen Kundenstamms entsprechende Entwickler zu rekrutieren.

Wird Arm vom reinen Lizenznehmer zum Chip-Anbieter? Ein solcher Schritt würde in der Elektroniklandschaft den bislang neutralen Akteur zu einem Konkurrenten auf dem Prozessorenmarkt machen – mit weitreichenden Konsequenzen.(Bild:  Arm)
Wird Arm vom reinen Lizenznehmer zum Chip-Anbieter? Ein solcher Schritt würde in der Elektroniklandschaft den bislang neutralen Akteur zu einem Konkurrenten auf dem Prozessorenmarkt machen – mit weitreichenden Konsequenzen.
(Bild: Arm)

Die Arm-Prozessor-IP ist in nahezu allen Industriebereichen prominent vertreten. Spätestens mit dem Durchbruch des Smartphone-Marktes hatte die stromsparende, effiziente Prozessorentechnologie weite Verbreitung gefunden. Maßgeblicher Träger waren dabei vor allem zu Beginn große Fabless-Anbieter wie Qualcomm oder Broadcom, die frühzeitig auf die Technologie setzen. Vor allem in Embedded-Anwendungen findet die RISC-basierte weite Verbreitung. Auch führende Technologieunternehmen wie Apple oder Nvidia setzen auf die Arm-IPs.

Doch wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei namentlich nicht näher benannte, mit der Angelegenheit vertraute Quellen meldet, will sich Arm, das mittlerweile zum japanischen Softbank-Konzern gehört, nicht mehr länger nur auf das Lizenzgeschäft beschränken. Das in Großbritannien ansässige Unternehmen habe demnach versucht, Führungskräfte von Lizenznehmern zu rekrutieren. Speziell habe Arm vor, mit Qualcomm um den Verkauf von Rechenzentrums-CPUs an Meta Platforms zu konkurrieren, eine dem Meta-Konzern zugehörigen Tochterfirma, zu der auch Facebook zählt. Erst vor Kurzem war zwischen Arm und Qualcomm ein langwieriger Streit eskaliert, infolgedessen Arm angekündigt hatte, dem einst weltgrößten Fabless-Chipanbieter der Welt die IP-Lizenz für seine Prozessorarchitektur aufzukündigen. Im Dezember landete der Lizenzstreit vor Gericht, wo Arm allerdings in einigen Schlüsselaspekten des Streits den Rechtsstreit verlor.

Vom neutralen Anbieter zur Konkurrenz?

Der Schritt des Technologieanbieters, sein eigenes Chipgeschäft aufzubauen, könnte für ein Beben in der Elektroniklandschaft sorgen. Schließlich hatte gerade die Neutralität Arms als IP-Bereitsteller, dessen Lizenz sämtlichen Systementwicklern und -anbietern zugänglich ist, für die weitflächige Akzeptanz und Verbreitung der Prozessortechnologie gesorgt. Als 2022 GPU-Spezialist Nvidia dem Softbank-Konzern bis zu 80 Milliarden US-Dollar für eine mögliche Übernahme des britischen Unternehmens geboten hatte, sorgte dies für einen gewaltigen Aufschrei in der Industrie und Widerstand bei den globalen Kartellbehörden: Sollte ein einzelner Chipanbieter die Kontrolle über die damals oft als "mittlerweile unentbehrlich" eingestufte Prozessor-IP erlangen, würde das die Marktverhältnisse extrem verzerren. Nun aber könnte sich Arm selbst nicht mehr länger als neutraler Akteur, sondern selbst als Konkurrent auf dem Chipmarkt präsentieren.

In den letzten Jahren hatte die quelloffene, ebenfalls RISC-basierte Prozessorarchitektur RISC-V zunehmend Verbreitung gefunden und damit begonnen, eine attraktive Alternative als neutraler Anbieter zu werden. Sollte Arm tatsächlich dazu übergehen, selbst Chips zu verkaufen, würde das die Verbreitung von RISC-V-Prozessoren und Mikrocontrollern sicherlich weiter anfachen.

Im Zuge des Rechtsstreits mit Qualcomm hatte Arms CEO Rene Haas angegeben, dass das Unternehmen, „keine Chips baue“, als er nach den Ambitionen des Unternehmens gefragt wurde. Offenbar hatte aber der Vorstand zu diesem Zeitpunk bereits einen Plan skizziert, eben dies zu tun. Wie Reuters meldet habe der IP-Anbieter bereits im November damit begonnen, von Kunden, die Arm-Technologie in eigenen Produkten einsetzen, Führungskräfte abzuwerben. Die Nachrichtenagentur habe dazu entsprechende Dokumente einsehen können. Demnach schickte für Arm arbeitender Personalvermittler eine Nachricht an eine Führungskraft eines Arm-Kunden, wonach man eine Führungskraft einstellen wolle, die bei der „Umstellung von der reinen Entwicklung von Prozessorarchitekturen (IP) auf den Verkauf von eigenem Silizium mit Schwerpunkt auf der Förderung von KI im Rechenzentrum“ und auf anderen Geräten helfen soll. Zwei weiteren Quellen aus der Branche zufolge hätten die Personalverantwortlichen von Arm auch andere Chipdesigner im Silicon Valley kontaktiert, um Fachpersonal für den gleichen Zweck zu gewinnen.

Arm könnte auch versuchen, mit Nvidia zu konkurrieren, meldete der Analyst Harlan Sur von J.P. Morgan in einer am Donnerstag veröffentlichten Research-Note. Demnach habe Broadcom einen Auftrag für ein Projekt von Arm und der SoftBank Group erhalten, um einen speziellen Chip für das Trainieren künstlicher Intelligenz zu entwickeln, der für den Einsatz in japanischen Rechenzentren gedacht sei. Das Geschäft könnte Broadcom bis zu 30 Milliarden Dollar an Einnahmen bringen, führte Sur weiter aus.

All diese Informationen basieren auf verschiedenen anonymen Quellen aus unterschiedlichen Unternehmen, die Reuters ebenfalls nicht näher benannt hat. Weder Arm noch Qualcomm oder der Meta-Konzern haben diese Meldung bislang kommentiert.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektronikpraxis.

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