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GfK-Konsumklimastudie für Oktober 2020 Angst vor zweitem Lockdown ist spürbar

Autor: Heidemarie Schuster

Bei den deutschen Konsumenten wächst die Furcht vor einem erneuten Lockdown und lässt das Konsumklima schwächeln. Rund drei Viertel der Verbraucher gehen aktuell davon aus, dass Covid-19 eine große oder sogar sehr große Bedrohung darstellt.

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Wie sehr die Deutschen mit einem zweiten Lockdown rechnen, merkt man derzeit daran, dass unter anderem wieder Toilettenpapier gehamsert wird.
Wie sehr die Deutschen mit einem zweiten Lockdown rechnen, merkt man derzeit daran, dass unter anderem wieder Toilettenpapier gehamsert wird.
(Bild: Tom Bayer - stock.adobe.com)

Etwa die Hälfte der deutschen Verbraucher macht sich Sorgen, wenn es um die persönliche Zukunft geht. Schuld daran sind die steigenden Infektionszahlen von Covid-19 und die damit gefürchteten Eindämmungsmaßnahmen wie ein zweiter Lockdown.

Die Konjunktur- und Einkommenserwartungen sowie die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen. Folglich prognostiziert die GfK für November 2020 einen Wert von -3,1 Punkten und damit 1,4 Punkte weniger als im Oktober dieses Jahres (revidiert -1,7 Punkte), so die Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für Oktober 2020.

Die gute Stimmung geht dahin

„Die rasant steigenden Infektionszahlen führen zu Verschärfungen Pandemie-bedingter Einschränkungen. Zudem steigt die Furcht vor einem weiteren Lockdown, sollte das Infektionsgeschehen in den kommenden Wintermonaten außer Kontrolle geraten“, erklärt Rolf Bürkl, GfK-Konsumexperte. „Die zum Teil kräftige Erholung der Stimmung vom Frühsommer dieses Jahres ist damit zum Stillstand gekommen und lässt das Konsumklima wieder abrutschen. Dazu hat auch eine im Oktober steigende Sparneigung mit beigetragen.“

Das spiegeln Ergebnisse aus einer aktuellen GfK eBUS-Umfrage wider. Demnach gehen rund drei Viertel der Verbraucher in Deutschland (74 %) davon aus, dass Covid-19 eine große beziehungsweise sehr große Bedrohung darstellt. 17 Prozent sehen dies etwas gelassener, und sechs Prozent fühlen sich überhaupt nicht bedroht. Geht es um die persönliche Zukunft, die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise im Hinterkopf behaltend, so macht sich die Hälfte (51 %) große oder sehr große Sorgen. Etwa 34 Prozent geben an, sich eher weniger Gedanken zu machen, und elf Prozent sorgen sich gar nicht. Interessant an diesen Ergebnissen ist, dass sie seit Beginn der wöchentlichen Messung im April 2020 noch nie so hoch beziehungsweise negativ wie aktuell ausgefallen sind.

Ob sich das Konsumklima in den kommenden Monaten wieder stabilisiert, wird vor allem vom weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens abhängen.

Konjunkturerwartungen

Die Konjunkturerwartung der deutschen Bürger ist im Oktober der größte Verlierer unter den Stimmungsindikatoren. Nach fünf Anstiegen in Folge verliert die Konjunkturstimmung siebzehn Punkte und sinkt damit auf 7,1 Punkte. Die positive Nachricht dabei: Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres ist dies immer noch ein Plus von knapp 21 Zählern.

Die Verbraucher gehen offenbar davon aus, dass sich durch das deutlich aktivere Infektionsgeschehen in Deutschland die bislang erhoffte rasche Erholung der deutschen Wirtschaft verlangsamt. In der jüngst veröffentlichten „Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2020“ gehen auch die Wirtschaftsexperten davon aus, dass sich die Erholung aufgrund der Pandemie verlangsamen wird und erst im letzten Quartal des kommenden Jahres das Vorkrisenniveau erreicht werden kann. Sie haben deshalb ihre Prognosen für dieses und das kommende Jahr nach unten korrigiert.

Hinzu kommt, dass einige unserer wichtigsten Handelspartner, wie Frankreich, Spanien oder Großbritannien, mit noch höheren Infektionsraten zu kämpfen haben. Deshalb werden auch wichtige Impulse für unsere Exportentwicklung in den kommenden Monaten ausbleiben, erklären die Marktforscher.

Einkommensaussichten

Der schwindende Konjunkturoptimismus lässt auch die Einkommensaussichten der Verbraucher im Oktober schlechter werden. Der Indikator verliert 6,3 Zähler und sinkt auf 9,8 Punkte. Zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres fehlen damit gut 29 Punkte.

Durch die steigenden Infektionszahlen sind weitere Lockerungen in der Wirtschaft, wie in der Veranstaltungs- und Tourismusbranche, wieder in weite Ferne gerückt. Beschäftigte in diesen Bereichen werden sehr viel langsamer aus der Kurzarbeit kommen als bislang erhofft, so die GfK. Zudem drohe einer Reihe von Unternehmen gerade aus diesen und anderen Dienstleistungsbranchen in den kommenden Wochen und Monaten die Insolvenz. Dies würde zu steigender Arbeitslosigkeit führen und die Einkommensentwicklung der privaten Haushalte belasten. Mit einem umfangreichen Konjunkturpaket für Unternehmen und Haushalte versucht die Regierung, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Anschaffungsneigung

Im Sog sinkender Einkommensaussichten muss auch die Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen. Mit einem Minus von 1,4 Punkten sind die Verluste allerdings wesentlich geringer. Aktuell weist der Indikator mit 37,0 Zählern nach wie vor ein sehr zufriedenstellendes Niveau auf. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen derzeit knapp 15 Punkte.

Sollte die Angst vor Jobverlust aufgrund der Pandemie künftig weiter zunehmen, werden die Verbraucher mit ihren Anschaffungen vorsichtiger werden, was das Konsumklima belastet.

Zur Studie

Der Befragungszeitraum für die aktuelle Analyse war vom 30. September bis 13. Oktober 2020. Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte.

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