Ein grundlegender Paradigmenwechsel hin zu Cloud-nativer Entwicklung steht noch aus, doch die Attraktivität Public-Cloud-gestützter Entwicklungs- und Betriebskonzepte nimmt zu. Das haben EuroCloud Native und ISG, die Information Services Group, im „Pulse Check Cloud Native 2022“ herausgefunden.
Die Attraktivität Public-Cloud-gestützter Development- und Operations-Strategien nimmt offensichtlich zu.
Für den ISG Pulse Check Cloud Native 2022 wurden 200 IT-Entscheiderinnen und -Entscheider aus der mittelständischen Wirtschaft befragt. Demnach setzt sich der Trend zu einem schrittweisen Umstieg auf Cloud-Native stetig fort: 27 Prozent der IT-Verantwortlichen geben an, dass ihr Unternehmen bereits Applikationen in Public-Cloud-Umgebungen erstellt hat und dort auch betreiben lässt. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten.
Die Umfrageergebnisse zeigten laut Heiko Henkes, Director und Principal Analyst bei ISG, dass die Bereitschaft zum Wechsel auf Cloud-Native gerade auch im Mittelstand signifikant gestiegen sei. Zu den wichtigsten Treibern dieser Entwicklung zähle einmal mehr der Faktor Kostendruck. Vor dem Hintergrund der sich weiter verschärfenden Inflationsentwicklung sehen neun von zehn Befragten Cloud-Native-Lösungen als wichtiges Mittel, um den Betriebsaufwand ihrer IT-Services zu senken. Diese Zustimmungsrate sei ein echter Topwert, so Henkes weiter.
Wachsenden Zuspruch erhielten aber auch die inhaltlichen Nutzen-Versprechen des Cloud-Native-Ansatzes – allen voran die Automatisierungsmöglichkeiten in der Kapazitätszuteilung und die Tempogewinne bei der Wiederherstellung und dem Neustart von Cloud-native-basierenden Lösungen. Zudem wirke sich positiv auf die Adaption von Cloud-Native-Konzepten aus, dass die regulatorischen Bedenken gegenüber Cloud-Lösungen nun auch im Mittelstand gegenüber dem Vorjahr abnähmen.
Politik der kleinen Schritte
Ungeachtet dessen gelte es festzustellen, so die Studienautoren weiter, dass der eigentliche Paradigmenwechsel in den Bereichen Entwicklung, Bereitstellung (Deployment) und Betrieb noch ausstehe. Denn: Wie bereits 2021 hat auch die diesjährige Umfrage ergeben, dass Cloud-Native-Konzepte nur selten in ihrer vollen Bandbreite genutzt werden. Stattdessen setzt die Mehrzahl der Unternehmen auch weiterhin auf eine Politik der kleinen Schritte. Dies deckt sich mit den Markterfahrungen von Felix Höger, Vorstand bei EuroCloud Deutschland: „Angesichts der aktuellen Konjunkturerwartungen fahren selbst Vorreiterunternehmen immer mehr auf Sicht und verwenden ihre Cloud-Native-Budgets eher auf kleiner gekammerte Entwicklungsvorhaben, die sich zeitnah amortisieren.“
Dass kleinere Projektgrößen derzeit überwiegen, belegen die Antworten auf die Frage, welche Art von Entwicklungsvorhaben dazu genutzt werden, um im Software-Engineering von monolithischen auf cloud-native Vorgehensweisen zu wechseln. Hier räumten 41 Prozent der befragten Personen ein, dass man sich derzeit vor allem auf Anwendungsanpassungen konzentriere. Demgegenüber gab nur ein Viertel der Befragten an, dass auch Neuentwicklungen Teil ihrer aktuellen Cloud-Native-Roadmap seien.
Zur Erklärung weisen die Studienautoren darauf hin, dass Neuentwicklungen einem erheblich höheren Risiko ausgesetzt sind, durch den Mangel an geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgehalten und gegebenenfalls sogar unterbrochen zu werden. Erschwerend komme hinzu, dass parallel zum Fachkräftemangel auch die Personalfluktuation zunähme. Letztere lasse den Onboarding-Aufwand gerade auch in der IT stark steigen. Um trotz alledem die Projektziele kontrollieren zu können, würden die meisten Cloud-Native-Teams auf kleinere und somit leichter zu überschauende Vorhaben gehen.
Wie sehr die Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt die Investitionsentscheidungen beeinflussen, bestätigen die Antworten auf die Frage, was die Umsetzung der Cloud-Strategien derzeit am stärksten aufhält. Denn obwohl der Faktor „fehlendes Fachpersonal“ bereits 2021 mit Abstand am häufigsten genannt wurde, liegen die diesjährigen Nennungen noch einmal elf Prozentpunkte höher: Die Befragung ergab damit einen Zuwachs von 37 auf 48 Prozent. Inzwischen sieht also fast jeder und jede Zweite den Fachkräftemangel als wichtigsten Hinderungsgrund, um die Roadmap des eigenen Unternehmens wie geplant umsetzen zu können.
Türöffner Nr. 1: Kostensenkung
Vor diesem Hintergrund nehmen die Marktchancen spezialisierter Cloud-Native-Dienstleister weiter zu, wie Dr. Nils Kaufmann, Leiter bei EuroCloud Native, ausführt: „Auf besonders großes Kundeninteresse stoßen Anbieter, die nicht nur ihr Fachwissen und ihre Umsetzungsstärke belegen können, sondern zusätzlich auch aufzeigen, welche Kostenersparnisse der Wechsel auf Cloud-Native bringt.“
Stand: 08.12.2025
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Wie stark sich die Mehrzahl der IT-Verantwortlichen gerade auch für das Kostenthema interessiere, zeige die Tatsache, dass 92 Prozent der Befragten die Reduzierung des Betriebsaufwands als wichtigen oder sogar sehr wichtigen Faktor sehen, wenn es um die Bewertung von Cloud-Native-Vorhaben geht. „Dies ist der höchste Wert in der Liste der abgefragten Faktoren. Unmittelbar dahinter finden sich aber auch zentrale fachliche Aspekte wieder. So zum Beispiel der Faktor automatisierte Skalierung, der eine Zustimmung von 88 Prozent erhielt, oder die schnelle Wiederherstellung von Cloud Services, die auf 87 Prozent der Nennungen kam.“