Sinkt oder steigt der Fachkräftebedarf? Wie sich KI wirklich auf den Personalbedarf auswirkt

Von Dipl.-Phys. Oliver Schonschek 3 min Lesedauer

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Die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in verschiedene Branchen und Arbeitsbereiche kann einen signifikanten Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels in Deutschland leisten, so der eco-Verband. Doch eine Deloitte-Umfrage sieht einen steigenden Personalbedarf durch Generative KI. Ist KI also nicht die Antwort auf den Fachkräftemangel? Wir haben uns die Untersuchungen angesehen.

In der industriellen Fertigung befürworten knapp 60 Prozent der Deutschen KI, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Doch die Nutzung von KI erfordert auch neue Fachkräfte.(Bild:  eco)
In der industriellen Fertigung befürworten knapp 60 Prozent der Deutschen KI, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Doch die Nutzung von KI erfordert auch neue Fachkräfte.
(Bild: eco)

Ob die automatisierte Bearbeitung von Standardformularen, Mitschriften von Meetings oder eine personalisierte Kundenkommunikation: Fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) ist überzeugt, dass KI die Büroarbeit so revolutionieren wird wie die Einführung des PCs, so eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom.

Die Bedeutung von KI wird dabei unterschiedlich gesehen: Zwei Drittel (67 Prozent) sagen, KI werde helfen, Beschäftigte bei Routineaufgaben in Geschäfts- und Verwaltungsprozessen zu entlasten. Ein Drittel (32 Prozent) meint, die Produktivität in Geschäfts- und Verwaltungsprozessen werde durch KI deutlich steigen. 39 Prozent denken sogar, dass der Fachkräftemangel ohne den Einsatz von KI langfristig nicht zu bewältigen ist.

Aber nicht alle Beschäftigten sehen KI als den Weg der Wahl gegen den Fachkräftemangel: So meinen immerhin 13 Prozent der Befragten, dass sie in ihrem Beruf durch eine KI künftig komplett ersetzen werden könnten. Dann wäre KI wohl eher Job-Killer als Entlastung. Doch es gibt auch andere Stimmen zur Wirkung von KI auf den Fachkräftebedarf.

KI kann nicht nur im Büro helfen

„Durch Automatisierung, beschleunigte Rekrutierung oder gezielte Weiterbildung mithilfe von KI können Unternehmen effizienter arbeiten und den vorhandenen Arbeitskräftepool optimal nutzen“, so der eco-Vorstandsvorsitzende Oliver Süme.

Laut eco-Branchenmonitor kann KI die Produktivität jährlich um 0,8 bis 1,4 Prozent steigern. Mit den LLMs (Large Language Models) wie ChatGPT könnten bereits heute 15 Prozent aller Arbeitsaufgaben schneller und bei gleicher Qualität erledigt werden, der Anteil könnte zukünftig auf 56 Prozent anwachsen, so eco.

Dabei geht es nicht nur um Büroarbeit. Besonders in der industriellen Fertigung würden es 58,7 Prozent der Deutschen gerne sehen, wenn Technologien auf Basis von Künstlicher Intelligenz Aufgaben von Fachkräften übernehmen würden, wie der eco-Verband berichtet. Auch im Transportwesen (38,5 Prozent), im Finanzsektor (24,3 Prozent) und in der Alten- und Krankenpflege (22,2 Prozent) bejahen viele Deutsche den Einsatz von KI.

Aber KI-Nutzung hat Voraussetzungen

So positiv sich die Auswirkungen von KI auf den Mangel an Fachkräften und die Entlastung des knappen Personals anhört: Laut Bitkom-Umfrage verfügt nur etwas mehr als jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) über Beschäftigte mit den nötigen Kompetenzen, um KI in seine digitalen Geschäfts- und Verwaltungsprozesse einzubinden. „Die Unternehmen brauchen nicht nur die passenden KI-Technologien, sie brauchen auch das entsprechende Umsetzungs-Know-how. Die Beschäftigten müssen durch Weiterbildungen in die neue KI-Welt mitgenommen werden“, so Daniil Heinze, Bitkom-Experte für Digitale Geschäftsprozesse.

„KI wird Fachkräfteengpässe zwar nicht im Alleingang beseitigen können“, erklärt Christoph Schmidt, Präsident des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung sowie Mitglied der Arbeit/Qualifikation, Mensch-Maschine-Interaktion der Plattform Lernende Systeme. „Der Einsatz der Technologie kann aber einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Fachkräftebasis in Wirtschaft und Verwaltung leisten, wenn wir die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Wichtig ist es jetzt, die aktuelle sowie künftige Generation der Beschäftigten auf die Zusammenarbeit mit KI vorzubereiten und den Mittelstand bei der Einführung von KI zu unterstützen.“

Für KI sind auch Fachkräfte erforderlich

Doch es gibt einen weiteren Aspekt, der nicht vergessen werden sollte: KI kann nicht nur den Fachkräftebedarf mindern und die Fachkräftebasis sichern. Eine Deloitte-Umfrage zeigt: Die Akzeptanz von Generativer KI wächst, und vor allem Unternehmen mit hoher KI-Expertise schreiten bei der Einführung der Technologie schnell voran. Dies führt aber zu einem steigenden Personalbedarf, zumindest für eine gewisse Zeit.

So erwarten mehr Unternehmen, dass die weitere Einführung von Generativer KI die Zahl ihrer Mitarbeitenden eher erhöhen (39 Prozent) als verringern wird (22 Prozent), und planen, ihren Personalbestand aufzustocken. Zu den Kompetenzen von Mitarbeitenden, die den Befragten zufolge an Wert gewinnen werden, zählen zum einen Tech-Fähigkeiten wie Datenanalyse (70 Prozent), Prompt-Engineering (60 Prozent), Informationsrecherche (59 Prozent) und Software-Engineering/Codierung (57 Prozent).

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„Alle Unternehmen lernen gerade den Umgang mit Generativer KI“, sagte Dr. Björn Bringmann, Managing Director des Deloitte AI Institute. „Dabei kommt es insbesondere auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Gefragt sind längst nicht nur die Technikexpertinnen und -experten, sondern auch kreative und kritische Köpfe, die verstehen, was sich mit der Technik gewinnbringend anfangen lässt.“

Offensichtlich wird KI also in einigen Bereichen den Personalbedarf erhöhen, in anderen dagegen senken. Wichtig ist dabei, KI nicht nur als Entlastung zu verstehen, sondern auch als Herausforderung für die Beschäftigten. Wenn also KI bei Standardaufgaben hilft, bereitet sie an anderer Stelle durchaus Arbeit.

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