Datenübertragungsstandard: Bluetooth 6 Weniger Latenz, präzisere Ortung: Das bringt Bluetooth 6

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Bluetooth SIG hat die lange erwartete neue Core Specification seines weit verbreiteten Kommunikationsstandards angekündigt. Bluetooth 6 soll eine deutlich präzisere Ortung von vernetzten Geräten mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern ermöglichen.

Der kommende Bluetooth-6-Standard soll die Zentimetergenaue Ortung von Smartphones, Headsets oder Smart Tags ohne aufwändige Implementierung von Ultra-BreitbandTechnologie (UWB) ermöglichen.(Bild:  Pixabay)
Der kommende Bluetooth-6-Standard soll die Zentimetergenaue Ortung von Smartphones, Headsets oder Smart Tags ohne aufwändige Implementierung von Ultra-BreitbandTechnologie (UWB) ermöglichen.
(Bild: Pixabay)

Die Interssensgemeinschaft Bluetooth SIG hat angekündigt, demnächst Version 6 der Core Specification zum drahtlosen Bluetooth-Kommunikationsstandards zu veröffentlichen. Die Publikation des Vorgängerstandards Bluetooth 5 liegt bereits acht Jahre zurück, das Update Bluetooth 5.2 - gemeinhin auch als Bluetooth LE bekannt – wurde im Dezember 2019 vorgestellt. Seitdem haben sich Ansprüche und Technologien noch einmal deutlich verändert. Das Update 5.4, auch Bluetooth NLC genannt, brachte Anfang 2023 zwar noch einige Nachbesserungen, aber keine grundlegenden Neuerungen. Die kommende Bluetooth 6 Core Specification soll das gründlicher adressieren.

Bluetooth Channel Sounding: Präzisere Ortung, exakte Distanzbestimmung

Das wohl wichtigste neue Feature der Bluetooth 6 Core Specification nennt sich Channel Sounding. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die unter dem Namen „High Accuracy Distance Measurement“ (Hochpräzise Entfernungsmessung) bekannte Funktion, die Bluetooth-SIG-Partner wie Apple, Microsoft oder Ericsson bereits seit einigen Jahren erprobt haben – etwa zur Ortung vernetzter bzw. verlorener Geräte, oder zum Aufspüren von Smart Tags. Als Bestandteil der Spezifikation von Bluetooth 6.0 soll diese Technik künftigen Bluetooth-Geräten auch generell zur Verfügung stehen.

Channel Sounding verspricht somit eine zentimetergenaue Ortung von Bluetooth-Geräten wie schnurlosen Kopfhörern oder mittels Bluetooth-Tags versehener Gegenstände, ohne auf eine teure Ultrabreitband-Technologie (UWB) zurückgreifen zu müssen.

Auch sogenannte „Digital Keys“ würden von diesem Key Feature profitieren. Damit sind Funktionalitäten wie Fahrzeugtüren, sicherer Zugang zu Tresoren, aber auch Eintrittskontrolle für Events via Smartphones oder eigens vorgesehener Bluetooth-Dongles gemeint. Mit der genaueren Distanzmessung könne man sicherstellen, dass solche Mechanismen nicht versehentlich aus zu großer Distanz ausgelöst werden, was Man-in-the-Middle-Angriffe oder manipulierten Zutritt bei Zugangskontrollen unterbinden soll.

Weniger Latenz, bessere Übertragungsqualität

Bluetooth 6.0 verspricht auch erhebliche Verbesserungen bei der Übertragungsqualität. das „Isochronous Adaptation Layer (ISOAL) enhancehemnt“ verspricht, Latenzzeiten noch einmal merklich zu verkürzen. Dabei spricht Bluetooth SIG in seiner Pressemitteilung gezielt den Gaming-Markt und die in diesem Segment auf besonders geringe Latenzzeiten ausgelegten Headsets und Computermäuse an, ist aber generell für kritische Anwendungen interessant, in denen es auf besonders schnelle Reaktionszeiten im Millisekundenbereich ankommt.

Des weiteren stellt Bluetooth 6 für die angekündigte Bluetooth 6 Core Specification noch folgende Verbesserungen in Aussicht:

  • Bessere Energieeffizienz: Optimierte Energieverwaltung für längere Akkulaufzeiten. So soll beispielsweise bereits frühzeitig erkannt werden, ob Werbepakete bereits an ein Gerät gesendet wurden und ein neuerlicher Empfang bereits im Vorfeld angefangen werden (Monitoring Advertisers);
  • LL Extended Feature Set: Mit dieser Weiterentwicklung können Geräte Informationen über die Funktionen der Verbindungsschicht austauschen, die sie jeweils unterstützen. Diese Fähigkeit wurde verbessert, um eine größere Anzahl von Funktionen zu unterstützen, was mit der zunehmenden Komplexität und Vielseitigkeit von Bluetooth LE notwendig geworden ist;
  • Verstärkte Sicherheit: Neue Security-Funktionen für einen sichereren und gleichzeitig verbesserten Datenaustausch;
  • Update des vorgesehenen Frame Space: Frühere Versionen der Bluetooth Core Spezifikation definierten einen konstanten Wert für die Zeit, die zwischen benachbarten Übertragungen von Paketen in einem Verbindungsereignis oder einem Connected Isochronous Stream (CIS) Sub-Event liegt. Dieser Wert wird in der Spezifikation als T_IFS bezeichnet und hatte einen festen Wert von 150 µs. In Version 6.0 der Bluetooth-Kernspezifikation ist der Rahmenabstand, wie er in Verbindungen oder mit angeschlossenen isochronen Strömen verwendet wird, jetzt verhandelbar, d.h. er kann kürzer oder länger als 150 µs sein;
  • Kompatibilität und Konnektivität: Bluetooth 6.0 bietet bessere Integration mit anderen Funktechnologien

Einen genauen Zeitpunkt für den Release der Bluetooth 6 Core Specification hat Bluetooth SIG noch nicht genannt. Die Erfahrungen bei vergangenen Releases hat gezeigt, dass zum Jahresende 2024 mit dem offiziellen Release der Spezifikation zu rechnen wäre. Erste Geräte nach dem neuen Standard dürften im Laufe des Jahres 2025 auf dem Markt erscheinen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS.

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