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Definition Was ist eine Stundung?

Autor / Redakteur: Laimingas / Dr. Stefan Riedl

Die Stundung ist eine Form des Zahlungsaufschubs für die Forderungen eines Gläubigers an einen Schuldner. Dabei bleibt die Forderung bestehen, es wird nur der Tilgungszeitpunkt vertraglich geändert. Eine Stundung wird lediglich auf Antrag gewährt.

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(Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

Im Wirtschaftsleben gilt die Bewilligung eines Antrags auf Stundung zwischen Geschäftspartnern, die bisher ein vertrauensvolles Verhältnis miteinander pflegten, mehr oder weniger als ein Gebot der Fairness, zumal wenn die Liquiditätsprobleme des Schuldners unverschuldet sind und ein Ende in einem überschaubaren Zeitraum zu erwarten ist.

Dabei muss es sich nicht unbedingt um Geldleistungen handeln. Auch Warenlieferungen oder die Erbringung von Dienstleistungen können in der Privatwirtschaft gestundet werden. Zunächst ist der Vorgang eine freiwillige Entscheidung des Gläubigers, bei der der Fälligkeits- beziehungsweise Zahlungszeitpunkt mittels einer beiderseitigen Vereinbarung auf einen anderen Termin verschoben wird.

Mehr als nur ein „Gnadenakt“

Haben beide Parteien die entsprechende Vereinbarung erst einmal abgeschlossen, handelt es sich bei der Stundung nicht mehr um einen "Gnadenakt" von Gläubigerseite aus. In diesem Fall verzichtet der Gläubiger bewusst auf eine Erfüllung des ursprünglichen Vertrages und kann die Stundung nicht beliebig zurücknehmen. Der Schuldner hat also einen Rechtsanspruch, auf den er sich im Zweifelsfall berufen kann. Die juristische Grundlage dafür bildet der § 311 BGB. Besondere Formvorschriften sind dabei nicht einzuhalten. Die Willenserklärungen der Geschäftspartner können mündlich, schriftlich oder durch ein schlüssiges Verhalten, beispielsweise ein Stillhalten des Gläubigers, zu Stande kommen.

Während des Stundungszeitraums entsteht kein Zahlungsverzug, es können also auch keine Verzugszinsen vom Gläubiger eingefordert werden. Allerdings darf er Stundungszinsen erheben.

Stundung zwischen einem Steuerschuldner und Finanzamt

Im Sinne des Steuerrechts bezeichnet die Stundung eine Verschiebung des Steueranspruchs auf einen anderen Tilgungstermin in der Zukunft. Dabei handelt es sich - anders als im schuldrechtlichen Gebrauch - um einen Verwaltungsakt, unabhängig davon, ob der Antrag auf Stundung vom Finanzamt bewilligt oder abgelehnt wird.

Die Behörde kann auf Basis des § 222 der Abgabenordnung ihre Ansprüche aus einem Steuerschuldverhältnis komplett oder teilweise stunden, wenn erstens die Einziehung zum Fälligkeitszeitpunkt für den Schuldner eine besondere Härte darstellen würde und gleichzeitig zweitens der Anspruch insgesamt nicht gefährdet wird.

Stundung gegen Sicherheit

In der Regel ist die Stundung nur auf besonderen Antrag und gegen die Bereitstellung einer Sicherheitsleistung durch den Schuldner, beispielsweise einer Hypothek, zu gewähren. Sie gilt als ausgeschlossen, wenn der Schuldner Steuerabzugsbeträge einbehält oder Beträge einnimmt, die eine Steuer enthalten. Das Finanzamt erhebt für die Dauer der Stundung Zinsen, die auch bei einer vorzeitigen Tilgung nicht automatisch angepasst werden müssen.

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