Softshell-Vorstand: „Teure Technologien werden für den Mittelstand erschwinglich“

Warum Cloud Computing die Zukunft gehört

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ITB: Und wie schätzen Sie die Chancen von Cloud- oder „As-a-Service“-Modellen im Privatkundenumfeld ein?

Hahn: Auch hier teile ich die Meinung von Herrn Dr. Aunkofer nicht. Privatkunden nutzen Cloud Computing sehr wohl und sehr intensiv – jedoch in ganz anderen Bereichen. Fast jeder private Computernutzer verwendet schon seit längerem Anwendungen aus den Public Clouds, meist ohne es sich bewusst zu machen, nämlich Web-Mail, Facebook, Twitter, Blogs, gehostete Content-Management-Systeme et cetera. Es ist zwar richtig, dass Privatkunden bislang für viele Dinge nicht zahlen, in die im Geschäftsumfeld selbstverständlich investiert wird. Doch die großen Hersteller machen bereits vor, wie erfolgreich und hochprofitabel „In the Cloud“-Anwendungen sein können – etwa Apple mit Mobile me oder Google mit Google Apps. Auch hier hat der revolutionäre Aspekt von Cloud Computing besonderes Gewicht: Welcher kleine Softwareanbieter oder Hobby-Programmierer war bisher in der Lage, seine Idee und die darauf basierende Anwendung (App), der ganzen Welt anzubieten? Und das kostengünstig, ohne weltweite Infrastruktur, Vertrieb und Marketingorganisationen? So genannte App Stores – seien sie von Apple, Google oder anderen – machen das heute möglich. An solchen Beispielen wird deutlich, dass Cloud Computing im Kern keine neue Technologie ist, sondern eine logische Weiterentwicklung des Internets. Es ist die Realisierung einer Philosophie, einer natürlichen Sozialisierung und Demokratisierung der Welt durch eine technologische Errungenschaft. Deshalb wird sich das Cloud-Konzept sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld nicht nur durchsetzen, sondern weiter wachsen.

ITB: Sicherheitsbedenken werden häufig als Hindernis für den Einsatz von Cloud-Technologien genannt. Berechtigter Einwand oder Panikmache?

Hahn: Ich bin der Überzeugung, dass nicht Sicherheitsbedenken an sich, sondern ein Informationsdefizit das eigentliche Problem ist. Und das müssen die Anbieter von „In the Cloud Computing“-Modellen gemeinsam mit privaten und offiziellen Initiativen beheben. Den Anfang dazu machten vor über zehn Jahren die Visionäre und Missionare der Application Service Provider. Nun ist es an der Zeit, diesen Stab im Staffellauf zu übernehmen und dort weiterzumachen, wo die ASPs ihrer Zeit voraus waren, aber die Grundlage legten. Wichtige Aufklärungsarbeit in Sachen Sicherheit leistet etwa heute schon die Non-Profit-Organisation „Cloud Security Alliance“. Sie wird von Praktikern aus der Industrie geführt und von mehr als 25 Mitgliedsunternehmen unterstützt.

ITB: Mit Blick auf den Channel: Für wie ausgereift halten Sie die SaaS- und Cloud-Modelle der Hersteller aktuell?

Hahn: Da trennt sich die Spreu vom Weizen: Einige Hersteller benennen ihre bereits vorhandenen Lösungen einfach um. Diese angeblich neuen Services sind indiskutabel, auch wenn nutzungsbezogen abgerechnet wird. Echte SaaS- und Cloud-Modelle hingegen definieren sich über die Technologie. Es existieren bereits sehr viele ausgereifte Angebote, die halten, was sie versprechen.

ITB: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Hersteller direkt an den Endkunden gehen?

Hahn: Die meisten Hersteller wählen bewusst einen Zwischenanbieter für ihre SaaS- und Cloud-Services, denn dies ist für sie auf Dauer profitabler. Die Erfahrung aus den letzten 15 Jahren zeigt aber, dass dies immer wieder passieren kann. Eine Möglichkeit für den Reseller, sich vor dem direkten Vorgehen der Hersteller zu schützen, besteht darin, über einen auf Cloud-Services spezialisierten Distributor wie etwa die Softshell AG zu gehen. Solche Distributoren können über die Masse Vereinbarungen mit den Herstellern aushandeln, die diesen eine direkte Adressierung der Endkunden untersagt.

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