Eigenfertigung in Deutschland aus Intel-Sicht Warum Assemblierer wieder auf dem Vormarsch sind

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Aktuelle Intel-Zahlen zeigen auf, dass im IT-Markt in Deutschland die Assemblierer mit Eigenfertigungden IT-Größen Marktanteile abspenstig machen. IT-BUSINESS sprach mit dem Intel-Channel-Manager Mike Cato über diesen Trend und die Zukunft des Channels.

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Mike H. Cato ist Manager Reseller Channel CER bei Intel.
Mike H. Cato ist Manager Reseller Channel CER bei Intel.
(Intel)

Der These, dass Assemblierern in Deutschland – also IT-Resellern mit Eigenfertigung – das geschäftliche Umfeld wegbricht, stimmt Mike Cato, Manager Reseller Channel CER bei Intel, nicht zu. Der Channel-Manager kennt die Argumente: Eigenfertigung rentiere sich immer weniger, IT-Konzerne mit Built-to-Order-Programmen drängen in den Markt für individualisierte PC-Produkte, und das Hauptbetätigungsfeld der Selberbauer, der Desktop-Markt, verliere an Bedeutung.

Aber Cato setzt Verkaufszahlen dagegen und hat ein paar nachvollziehbare Argumente, warum aus seiner Sicht vielmehr folgendes der Wahrheit entspricht: „Assemblierer legen in Deutschland zu, also kleinere Betriebe oder gar assemblierende Studenten, die das nebenher machen.“ Nimmt man beispielsweise die CPU-Verkäufe als aussagekräftige Maßzahl, stieg der Umsatz im Intel-Channel in Deutschland im ersten Quartal 2014, verglichen mit dem Vorjahresquartal, um 48 Prozent; und die Stückzahlen im gleichen Zeitraum um 34 Prozent. Bei den NUCs (Next Unit of Computing Kits), also kleinen Mini-PCs, explodieren die Umsätze (plus 1.187 Prozent) und das Stückzahlenwachstum (plus 1.053 Prozent) im Intel-Channel in Deutschland geradezu. Im Gegensatz zu den CPUs muss man hier realistischerweise aber von Basiseffekten sprechen, die das Wachstum erklären. Wenn neue Produkte auf dem Markt etabliert werden, ist das Wachstum zwangsläufig hoch.

Argumente

Doch warum wächst der Intel-Channel – also die Assemblierer – stärker als der Markt? Auf wessen Kosten findet dieses Wachstum statt? Wem wird etwas „weggenommen“?

Cato sagt dazu: „Meine Zahlen geben darauf keine Antwort, aber ich kann Ihnen eine Hypothese liefern: Es müssten die großen PC-Fertiger sein.“

Den Erfolg der kleinen bis mittelgroßen Eigenfertiger begründet Cato mit der Nähe zum Kunden: „Assemblierer bauen die PCs so, wie der Kunde es will, und in der Stückzahl, wie er es will.“

Das leisten im Prinzip große IT-Konzerne mit BTO-Programmen auch, aber: „Das Stichwort lautet Kundenbindung. Handwerker, Zahnärzte, Automechaniker und andere KMUs lassen ihre Rechner tendenziell gerne gleich von den Integratoren assemblieren, die sonst auch für deren IT verantwortlich sind“, so Cato.

„In Deutschland bedient der Intel-Channel – das sind die Assemblierer – etwas mehr als 30 Prozent des Marktes im Desktop-Bereich. Das ist eine hohe Zahl, die viele überrascht“, führt der Intel-Channel-Manager weiter aus. Aber die Stütze der deutschen Wirtschaft seien die KMUs und diese würden sich wegen ihrer Bindung an kleinere IT-Dienstleister und Systemhäuser wenden. Cato geht jedenfalls davon aus, dass dieser hohe Anteil weiter steigen wird, und zwar: „mit ganz viel Fantasie auf 50 oder 55 Prozent.“

Heile Welt?

Auf der positiven Entwicklung im Assemblierer-Segment könne man sich jedoch keineswegs ausruhen, findet Cato: „Trotz oder gerade wegen dieser Erfolgszahlen im Intel-Channel habe ich in der Keynote der Intel Channel Conference gefordert, unser Channel müsse ‚raus aus der Komfortzone‘, denn dieses Wachstum ist endlich. Das Wachstum im Desktop-Segment ist laut den Marktforschern von GfK, IDC und Gartner hierzulande zwar wieder da – und ich gehe davon aus, dass die Verkäufe nicht wegbrechen werden. Trotzdem ist jetzt genau die richtige Zeit, die Komfortzone zu verlassen und neue Geschäftsfelder jenseits des Desktops zu eröffnen.“

Neue Geschäftsfelder

Beispielsweise können Assemblierer über das Chap-Programm von Intel Hardware aus den Bereichen All-in-Ones oder Tablets beziehen. „Server sind ein weiteres Geschäftsfeld, in dem für den Channel noch ‚viel Musik‘ drin ist. Ich denke aber auch an den Bereich ‚Internet of Things‘.“ Das seien alles hervorragende Channel-Themen mit weiterem erheblichen Wachstumspotenzial, so Cato.

Internet of Things

Das Internet der Dinge als Betätigungsfeld für den Intel-Channel führt zu den oben genannten NUCs, also günstige Mini-PCs mit genug Leistung, um auch anspruchsvollere Aufgaben zu meistern. Hier kommt die Plattform „Galileo“ ins Spiel. Cato erläutert den Grundgedanken dahinter folgendermaßen:

„Galileo basiert auf unserem kleinsten SOC namens Quark und ermöglicht es unseren Channel-Partnern, Lösungen im Bereich der Maschinensteuerung oder Digital Signage zu entwickeln. Sie finden hier eine Plattform mit beispielsweise serieller Schnittstelle, die in vielen Techniksegmenten noch gebraucht wird.“

Intel Channel Conference 2014

„Die Zukunft des Channels“

Entsprechende Beispiele findet man im Intel Solution Finder – einer Plattform, auf der im Intel-Channel solche Lösungskonzepte, bestehend aus Hard- und Software gesammelt angeboten werden.

„Hier gibt es Lösungsszenarien für Kassensysteme, Geldautomaten, NUC-Konzepte für den Einbau in Segeljachten, Home-Automation-Lösungen oder Biogassteuerungskonzepte und vieles mehr. Ich würde durchaus so weit gehen, zu sagen: Hier liegt die Zukunft des Channels“, so Cato.

Branchenstimmen

Auf Nachfrage schlägt das assemblierende IT-Unternehmen ICO, das IT-BUSINESS mit den Intel-Zahlen konfrontiert hat, in der aktuellen E-Mail aus der Redaktion in dieselbe Kerbe.

Und auch beispielsweise bei Bintec Elmeg surft man auf der Welle neuartiger IT-Lösungen abseits des Desktop-Geschäftes. Man könnte sagen: Während NUCs die Rechenleistung bieten, hat sich Bintec Elmeg den passenden Themen seitens der Datenübertragung gewidmet. Bernd Büttner, Director Strategic Marketing bei Bintec Elmeg, berichtet gegenüber IT-BUSINESS von einem wachsenden Geschäft mit Komponenten für die Netzanbindung und Datenübertragung. Hier geht es beispielsweise um Landmaschinen, die via GPS für eine optimierte Routenführung fit gemacht werden. Oder um Fernreisebusse, die sukzessive mit WLAN für unterwegs und die Betriebsdatenübertragung im Depot ausgestattet werden.

So zeichnet sich ein Bild mit vielen Nischen zum „reinspezialisieren“ für den Channel ab: Logistikunternehmen, Maschinenhersteller, öffentlicher Personennahverkehr, THW, Feuerwehr, Krankenwägen, Segelboote et cetera. Die Claims werden derzeit ausgelotet und abgesteckt. □

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