Schon seit 2022 leitet KI-CEO Tang Yu den chinesischen Gaming-Konzern Netdragon Websoft. Ein Paradox dieser Zeit: Während KI bereits Unternehmen führt, beschäftigen sich parallel Führungskräfte damit, wie Mitarbeitende in Zeiten von KI geleitet werden können.
Technologien wie Künstliche Intelligenz schaffen eine neue Unternehmens-DNA.
(Bild: Mr.Spy - stock.adobe.com / KI-generiert)
Das Bewusstsein für die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz ist in der deutschen IT-Branche angekommen. 78 Prozent der KMU-Führungskräfte erkennen laut dem Asus-Bericht 2025 „Future of SMB“ den Einsatz von KI und modernen Technologien als entscheidend für die Bindung gerade jüngerer Mitarbeiter. 80 Prozent der Befragten glauben zudem, dass KI entweder eine bedeutende Weiterentwicklung (55 %) oder einen Generationswechsel (25 %) in der Geschäftspraxis bewirken wird. Auch bei den Mitarbeitenden ist das Bewusstsein in den letzten Jahren gewachsen. Der KI-Report ’25 von Factorial bestätigt ein hohes Vertrauen der Mitarbeitenden in KI von 74 Prozent in Deutschland. Gleichzeitig befürchten 32 Prozent der Befragten, ihre Arbeit zu verlieren oder durch KI ersetzt zu werden. Diesen Ängsten kann unter anderem die richtige Unternehmensführung entgegenwirken.
Psychische Sicherheit und KI: Darauf kommt es an
KI kann bei Mitarbeitenden Ängste auslösen – sei es die Sorge um den Job, vor Überwachung, Fehlern oder dem Verlust der Kontrolle über die eigene Arbeit. Deshalb sollte der Einsatz von KI frühzeitig transparent kommuniziert werden. Schulungen stärken Kompetenzen und geben den Menschen Gestaltungsspielraum, um selbst zu entscheiden, wie sie KI in ihre Arbeit einbeziehen. Ein offener Umgang mit Fehlern und regelmäßiges Feedback schaffen zusätzlich Vertrauen, während empathische Führung Stress abbaut und KI erlebbar entlastet.
Unternehmensführung mit neuen Herausforderungen
„Wir müssen prüfen, welche neuen Geschäftsmodelle KI ermöglicht und welchen Einfluss KI auf bestehende Strukturen hat“, bringen Thomas Kutzschbach und Frank Söder, Geschäftsführer von Kutzschbach, die Herausforderung auf den Punkt. Während früher KI als fernes Zukunftsthema betrachtet und die Verantwortung der IT-Abteilung überlassen wurde, ist die Technologie heute im operativen Unternehmensalltag angekommen. Diese Entwicklung bringt zwar einige Schwierigkeiten – aber auch immense Möglichkeiten. „Führungskräfte stehen vor der schwierigen Herausforderung, komplexe exponentielle technologische Innovation mit menschlichen Bedürfnissen nach einer gewissen Stabilität und Klarheit in Einklang zu bringen“, so Dr. Valentin Schellhaas, Gründer und CEO von Zentor. KI verändert nicht nur Prozesse und Strukturen, „sondern insbesondere auch die Aufgaben, Rollen und Identität der Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten“.
Unternehmen werden „technologisch, prozessual und kulturell“ gefordert, erklärt Michael Bauer, Business Development Manager KI bei TD Synnex. Sie ermöglicht aber auch völlig neue Arten der Zusammenarbeit und Wertschöpfung. „Führung bedeutet heute mehr denn je, Orientierung zu schaffen, denn KI verändert Prozesse, Rollenbilder und sogar den Unternehmenszweck“, beschreibt Bauer die neue Realität. Dabei ist KI nicht als Projekt zu betrachten, sondern als künftige Betriebsgrundlage – „ähnlich wie Strom oder das Internet früher“. Der Unterschied zu diesen Veränderungen: Während früher Effizienz im Mittelpunkt stand, ist heute Anpassungsfähigkeit der Schlüssel. „Führung ist weniger ‚Top-down‘ und mehr systemisch geworden“, stellt Bauer fest.
Bildquelle: TD Synnex
Führung bedeutet heute mehr denn je, Orientierung zu schaffen, denn KI verändert Prozesse, Rollenbilder und sogar den Unternehmenszweck.
Michael Bauer, Business Development Manager KI bei TD Synnex
Erfolgsfaktoren des KI-Leaderships
Wie gelingt nun der Übergang zur KI-kompetenten Führung? Zunächst definiert Schellhaas: „Die zentrale Führungsaufgabe besteht darin, Orientierung zu geben, wie ein Unternehmen zukunftsfähig und innovativ bleiben kann, ohne die Menschen dabei auf der Strecke zu verlieren.“ Bauer identifiziert dafür drei Faktoren:
Zunächst ist da die „Klärung des ‚Warum‘. KI sollte fest in die Unternehmensstrategie integriert sein und ein klares Ziel verfolgen. „Nur KI zu machen, reicht nicht aus“, warnt Bauer. Sie sollte zielgerichtet eingesetzt werden und echten Mehrwert schaffen. Kutzschbach bestätigt: „Sonst wird nur viel Geld verbraucht ohne konkretes Ergebnis.“
Der zweite Punkt ist der ganzheitliche Ansatz. „Technologie, Daten, Governance, Organisation und Kultur müssen integriert gedacht werden“, erklärt Bauer. Schellhaas zufolge gehört hier die Komponente Mensch ebenso hinzu.
Den dritten Baustein bildet transparente Kommunikation. „Dazu gehört Offenheit über Ziele, Grenzen und Ethik – und die aktive Einladung, KI mitzugestalten“, betont Bauer. Doch es braucht nicht nur eine transparente Kommunikation: „Führungskräfte müssen Transparenz schaffen, Mitarbeitende früh einbeziehen und Weiterbildung gezielt fördern“, betont Schellhaas.
Ängste nehmen und Potenziale aufzeigen
Kutzschbach und Söder haben zudem erkannt, dass es darum geht, „den Mitarbeitenden ihre Ängste und Unsicherheiten zu nehmen“. Der Schlüssel liegt darin, die Potenziale von KI aufzuzeigen und gleichzeitig Unterstützung beim Umgang mit der neuen Technologie zu bieten. Zudem gilt es, zu vermitteln: „Arbeitsplätze werden nicht von KI ersetzt, sondern von Menschen, die KI einsetzen und damit effizienter werden.“ Gleichzeitig betont die Kutzschbach-Geschäftsführung, dass alle Mitarbeitenden zwar KI-Kompetenz haben sollten, die Einsatzentscheidung jedoch der Führungskräfte obliege – aufgrund der weitreichenden Auswirkungen.
Stand: 08.12.2025
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Laut einer YouGov-Umfrage fühlt sich mehr als ein Viertel der Beschäftigten vom Arbeitgeber nicht gut über KI informiert.
(Bild: YouGov/Hirschtec)
Bauer ist hingegen überzeugt, dass Mitarbeitende aktiv an der Gestaltung beteiligt werden möchten. Von der Geschäftsführung erwarten sie „Verlässlichkeit, Orientierung und Beteiligung“, fasst er zusammen. Einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Hirschtec und Powell zufolge braucht es aber wohl mehr. 42 Prozent der Beschäftigten geben an, sich bereits gut über Anwendungen mit KI informiert zu fühlen. Gleichzeitig offenbart die Studie Verbesserungspotenzial: 28 Prozent fühlen sich noch nicht ausreichend informiert – eine Lücke, die progressive Führungskräfte als Chance verstehen und ausbauen sollten. Denn Mitarbeitende „wollen verstehen, wie KI ihre Arbeit beeinflusst, und wünschen sich Qualifizierung statt Verdrängung.
KI nicht nur für GenZ?
Eine offene Kommunikation, klare Perspektiven und Möglichkeiten zum Mitgestalten sind entscheidend, um Akzeptanz und Motivation zu sichern“, weiß Schellhaas. Dabei handelt es sich nicht nur um jüngere Generationen. Mit dem Vorurteil, Künstliche Intelligenz sei primär ein Thema für Jüngere, räumt Bauer auf: „Entscheidend ist weniger das Geburtsjahr, sondern die digitale Haltung.“ Offenheit, Lernbereitschaft und der konstruktive Umgang mit Unsicherheit finden sich in jeder Altersgruppe. Auch Schellhaas bestätigt, dass „Charakterunterschiede größer als Generationenunterschiede“ sind. Ziel sei es, die Chancen und Risiken von KI allen näher zu bringen. „Gemeinsames Experimentieren statt Spaltung ist der Schlüssel“, so Schellhaas.
Bildquelle: Zentor
Führungskräfte stehen vor der schwierigen Herausforderung, komplexe exponentielle technologische Innovation mit menschlichen Bedürfnissen nach einer gewissen Stabilität und Klarheit in Einklang zu bringen.
Dr. Valentin Schellhaas, Gründer und CEO von Zentor
„Generationenunterschiede sind keine Hürde, sondern eine Chance für komplementäre Kompetenzen“, ergänzt Bauer. Erfahrung trifft auf Experimentierfreude, bewährte Praktiken auf innovative Ansätze.
Schatten-KI: Befähigen statt verbieten
Das Phänomen der Schatten-KI – die ungeregelte Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeiter – kann dabei nicht nur als Problem, sondern ebenso als Signal für den Innovationsdrang von Teams verstanden werden. „Mitarbeitende nutzen KI nicht, weil sie Regeln brechen wollen – sondern weil sie Lösungen suchen“, sagt Bauer. Statt zu verbieten, empfiehlt er, zu befähigen, sichtbar zu machen sowie Leitplanken statt Schranken zu schaffen. Vom Verbot der Tools hält Schellhaas wenig. Führungskräfte sollten klare Richtlinien und sichere Freiräume zum Testen schaffen – verbunden mit einer offenen Fehlerkultur. Transparenz und Vertrauen verhindern Schatten-IT besser als Kontrolle.
Schatten-KI: Die Risiken im Überblick
Die ungeregelte Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeitende kann ernsthafte Herausforderungen mit sich bringen. Besonders kritisch sind drei Punkte:
Compliance: Schatten-KI kann im Ernstfall gegen Datenschutzgesetze verstoßen.
Kontrollverlust: Unternehmen verlieren die Übersicht über genutzte Tools und deren Konformität mit Unternehmensrichtlinien.
Dagegen schaffen klare Regeln und gesetzte Freiheiten, geprüfte Unternehmenslösungen und gezielte Schulungen Transparenz und Vertrauen. So lassen sich Risiken verringern – und zugleich die Grundlage für eine innovationsfreundliche KI-Kultur legen.
Kutzschbach ergänzt einen proaktiven Ansatz: Allen Mitarbeitenden eine Unternehmenslösung bereitzustellen und sie umfassend zu schulen. „Aufgrund der Vielzahl an Tools und des sehr dynamischen Umfelds ist es unrealistisch, alles stets aktuell geregelt zu haben. Deshalb ist es umso wichtiger, die Mitarbeiter zu sensibilisieren.“
Kleiner Start – souveräner Umgang
Für Unternehmen, die ihre KI-Reise beginnen wollen, empfehlen Kutzschbach und Söder einen pragmatischen Ansatz: „Mit kleinen, umsetzbaren Teilprojekten starten und ebenso die Datenqualität hochhalten.“ Besonders wichtig ist dabei die Datenqualität: „Wenn die Daten nicht in einem korrekt aufbereiteten Format vorliegen, ist ein Scheitern vorprogrammiert“, warnen die Geschäftsführer. Doch allein der erste Schritt kann sich lohnen. So glauben sie, „dass der Einsatz von KI ein elementarer Erfolgsfaktor für Unternehmen in der Zukunft sein wird. Die dadurch ermöglichten Effizienzgewinne können mit über die Marktposition entscheiden“.
Bauer stellt dabei jedoch fest: „KI allein macht ein Unternehmen nicht attraktiver – aber der souveräne Umgang damit schon.“ Potenzielle Mitarbeiter suchen Tools für mehr Produktivität, sinnstiftende Arbeit und Organisationen, die zukunftsfähig aufgestellt sind. „Wer zeigt, dass er KI nicht nur ‚verordnet‘, sondern versteht, befähigt und integriert, wird im ‚War for Talents‘ erfolgreicher sein“, prognostiziert Bauer. KI wird zum „Kulturmarker für Zukunftsfähigkeit“ – einem positiven Signal am Markt, dass ein Unternehmen nicht nur technologisch, sondern auch kulturell für die Zukunft gerüstet ist.
Bildquelle: Kutzschbach
Wir müssen prüfen welche neuen Geschäftsmodelle KI ermöglicht und welchen Einfluss KI auf bestehende Strukturen hat.
Thomas Kutzschbach (l.) & Frank Söder, Kutzschbach-Geschäftsführer
Bildquelle: Martin Dark
Mehr als der Einsatz von KI
Unternehmensführung heute – in Zeiten von KI – bedeutet damit mehr als der Einsatz neuer Tools. „Der Unterschied zu früher liegt vor allem in der Notwendigkeit, Veränderung zu verwalten und aktiv zu gestalten – das erfordert neue Führungsrollen, neue Narrative und neue Lernräume“, so Bauer. Es braucht Adaptionsfähigkeit und Lernkultur.
„Führung wird, zumindest im Bereich der Wissensarbeiter immer mehr durch die Fähigkeit bestimmt, eine vertrauensvolle ‚menschliche‘ Basis im Team zu entwickeln – also psychologische Sicherheit im Inneren zu liefern als Gegenpol zur ständigen Veränderung und Unsicherheit in der Außenwelt“, weiß Schellhaas. Dennoch bleibt Fachexpertise weiterhin relevant. Denn KI halluziniert, macht Fehler und so mancher Mensch vertraut ihr blind. „KI verlangt von Führungskräften den Spagat, Coach und Lernbegleiter zu sein, und trotzdem den ‚Bullshit-Test‘ auf wachsam zu stellen.