KI-Studie von Deloitte Unternehmen wollen GenAI-Welle reiten

Von Alexander Siegert 4 min Lesedauer

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Der Großteil der Führungskräfte erwartet durch generative Künstliche Intelligenz weitreichende Veränderungen für Unternehmen. Die GenAI-Erfolgswelle rollt, doch laut einer Studie von Deloitte sind die meisten nur unzureichend auf die Risiken vorbereitet.

Der Einsatz generativer KI ist für Unternehmen ein aufregender und riskanter Ritt zugleich.(Bild:  mr_marcom - stock.adobe.com)
Der Einsatz generativer KI ist für Unternehmen ein aufregender und riskanter Ritt zugleich.
(Bild: mr_marcom - stock.adobe.com)

Drei Viertel der befragten Führungskräfte sind davon überzeugt, dass sich durch generative Künstliche Intelligenz (GenAI) innerhalb der nächsten drei Jahre starke Veränderungen ergeben werden. Die Mehrheit zeigt sich begeistert von den geschäftlichen Vorteilen, die sich durch die Technologie ergeben. Weniger optimistisch werden jedoch die gesellschaftlichen Auswirkungen gesehen. „Die Geschwindigkeit, der Umfang und die Anwendungsfälle von GenAI sind atemberaubend. Unternehmen stehen unter einem immensen Handlungsdruck und müssen gleichzeitig sicherstellen, dass angemessene Governance- und Risikominderungsmaßnahmen vorhanden sind“, warnt Joe Ucuzoglu, Global CEO von Deloitte.

Enthusiasmus und Ängste

Das Beratungsunternehmen stellte im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos die Studie „State of AI in the Enterprise: Now decides next“ vor. 2.800 Führungskräfte wurden zu Erwartungen und Entwicklungen rund um das Thema GenAI befragt.

52 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) die Macht in der Weltwirtschaft zentralisieren und die wirtschaftliche Ungleichheit vergrößern wird. 49 Prozent der Führungskräfte befürchten, dass der KI-Boom das gesellschaftliche Vertrauen in nationale und globale Institutionen beschädigen könnte.

49 Prozent der Führungskräfte befürchten, dass der KI-Boom das gesellschaftliche Vertrauen in nationale und globale Institutionen sinken könnte. Der Ruf nach einer stärkeren Regulierung wie dem AI Act macht sich somit auch bemerkbar. Knapp drei Viertel fordern ein Regelwerk und eine gemeinsame Zusammenarbeit, um eine verantwortungsvolle Nutzung von KI sicherzustellen.

Kurzfristige Vorteile, fehlende strategische Perspektive

Mehr als drei Viertel (79 %) der Umfrageteilnehmer glauben, dass Künstliche Intelligenz innerhalb von weniger als drei Jahren erhebliche Veränderungen in ihren Unternehmen bewirken wird. Aktuell liege der Fokus jedoch hauptsächlich auf taktischen Vorteilen wie Effizienzsteigerung und Kostensenkung, während Wachstum und Innovation weniger Beachtung fänden. Die Gewinnung neuer Ideen und Erkenntnisse (19 %) werden laut Studie derzeit eher vernachlässigt.

Diese Ausrichtung hat langfristige Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung, betont Dr. Björn Bringmann, Leiter des AI Institute bei Deloitte Deutschland: „Die vordringliche Suche der Unternehmenslenkerinnen und -lenker nach taktischen Vorteilen ist durchaus nachvollziehbar. Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit spielen allerdings strategische Bereiche eine Schlüsselrolle und sollten daher stärker als bisher priorisiert werden. Nur so lässt sich auch mittel- und langfristig das immense Potenzial dieser Technologie adäquat heben und nutzen.“

Die sogenannten „frühen KI-Experten“, die etwa neun Prozent der Befragten ausmachen, zeigen das höchste Vertrauen in die Technologie und fühlen sich am besten auf die Veränderungen durch die Nutzung von KI vorbereitet. Gleichzeitig erwarten sie eine größere Disruption. Im Vergleich zu den Befragten mit einem „gewissen Maß an Fachwissen“ sind die frühen KI-Experten beispielsweise doppelt so häufig der Meinung, dass ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle durch die weit verbreitete Einführung von KI bedroht sind.

Talente mit KI-Führerschein

Die Teilnehmer der Studie äußern, dass sie sich im Allgemeinen gut vorbereitet fühlen, wenn es um die Strategie und technologische Infrastruktur für Künstliche Intelligenz geht. Allerdings zeigen sie weniger Zuversicht in Bezug auf Fachkräftemangel, unzureichende Governance bei der Einführung von KI und die damit verbundenen Risiken. Diese Aspekte werden als bedeutende Hürden für die Implementierung von KI wahrgenommen. Insbesondere der Mangel an technisch versierten Fachkräften wird in der Umfrage als größtes Hindernis betrachtet, wobei lediglich 22 Prozent glauben, dass ihre Unternehmen ausreichend auf talentbezogene Herausforderungen vorbereitet sind.

Es gibt Optimierungsmöglichkeiten, speziell im Bereich Schulung und Umschulung. Nur 47 Prozent der befragten Manager sind der Meinung, dass sie ihre Mitarbeiter ausreichend über die Fähigkeiten, den Nutzen und den Wert von KI informieren. Im Gegensatz dazu legen der Studie zufolge „frühe KI-Experten“ einen Fokus auf die Schulung und Umschulung ihrer Mitarbeiter sowie auf die gezielte Rekrutierung und Einstellung technisch versierter Talente, um KI-Initiativen voranzutreiben. „Unsere Erhebung zeigt klar, dass die Dringlichkeit der KI-Transformation bei Unternehmen grundsätzlich verstanden wird“, so Bringmann. „Wichtig ist jetzt, das Thema konkret in den Organisationen zu verankern, beispielsweise mit einem hausinternen KI-Führerschein, wie ihn bei uns bereits sehr viele Mitarbeitenden absolviert haben und dabei nicht nur die Technologie, sondern auch die Grundlagen vertrauenswürdiger KI intensiv kennengelernt haben.“

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Governance, Vertrauen und Risiken bereiten Kopfzerbrechen.

Die Implementierung von Gen AI wird durch diverse Hürden behindert. Lediglich 25 Prozent der Führungskräfte sind der Ansicht, dass ihre Unternehmen angemessen auf die Herausforderungen in Bezug auf Governance und Risiken im Zusammenhang mit der Einführung von Künstlicher Intelligenz vorbereitet sind. Die wichtigsten Bedenken der Befragten bezüglich der Unternehmensführung beziehen sich auf das fehlende Vertrauen in die erzielten Ergebnisse (36 %), Bedenken bezüglich des geistigen Eigentums (35 %), potenziellen Missbrauch von Kunden- oder Auftraggeberdaten (34 %), die Einhaltung von Vorschriften (33 %) und die unzureichende Erklärbarkeit bzw. Transparenz (31 %). „Den Mitarbeitenden sollte nicht nur der Mehrwert von GenAI vermittelt werden, sondern auch, wie sie die Technologie vertrauenswürdig einsetzen können“, ergänzt Bringmann. „Bei fehlenden Leitlinien und fahrlässiger KI-Nutzung kann deren Einsatz leicht ins Negative umschlagen, was aus unzähligen Gründen nicht wünschenswert ist. Einzig warten wäre noch verheerender.“

Über die Studie

Die Studie „State of AI in the Enterprise: Now decides next“ wurde von Deloitte beauftragt. Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter mehr als 2.800 Führungskräften aus sechs Branchen in 16 Ländern. Die Studie wird vierteljährlich aktualisiert und veröffentlicht.

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