Capgemini-Studie Unternehmen sorgen sich um Halbleiterversorgung

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Mit der zunehmenden Verbreitung von KI steigt auch die Nachfrage nach Chips. Die hohe Nachfrage, geopolitische Spannungen und Handelsbeschränkungen werfen die Frage auf, ob die Halbleiterindustrie in der Lage sein wird, die Nachfrage zu befriedigen.

Die zunehmende Verbreitung von KI hat die Nachfrage nach Halbleiterlösungen erheblich gesteigert. (Bild:  Fox Ave Designs - stock.adobe.com)
Die zunehmende Verbreitung von KI hat die Nachfrage nach Halbleiterlösungen erheblich gesteigert.
(Bild: Fox Ave Designs - stock.adobe.com)

Die Nachfrage nach KI-Chips, kundenspezifischen integrierten Schaltkreisen und speicherintensiven Bauelementen wird in den kommenden zwölf Monaten deutlich zunehmen. Um das Potenzial dieses Trends voll auszuschöpfen, sollte die Halbleiterindustrie gezielt in innovative Designansätze, hochmoderne und nachhaltige Fertigungstechnologien sowie in eine stärkere lokale Beschaffung und Nearshoring investieren, um die Lieferkettenstabilität langfristig zu gewährleisten.

Nachfrage nach Halbleitern übersteigt Angebot

Die Einführung von Gen AI und Technologien wie 5G, IoT, autonomes Fahren, AR/VR und Edge Computing treiben die Nachfrage nach leistungsfähigeren, effizienteren und maßgeschneiderten Chips voran: Fast drei von fünf Halbleiterunternehmen geben an, dass Gen AI und Wireless-Technologien wie 5G ihre strategische Ausrichtung prägen. Fortschritte in der Halbleitertechnologie treiben die Innovation in nachgelagerten Industrien und ermöglichen intelligentere und effiziente Produkte. Aufgrund der enormen strategischen Bedeutung von Halbleitern glauben weniger als drei von zehn Unternehmen, dass das Chipangebot ausreichend ist.

Die Industrie muss diesen Moment nutzen und in einem ‚Chip-to-Industry‘-Ansatz schneller und effizienter werden. Investitionen in hochmoderne Designprozesse und Fertigungsmethoden, die auf KI und Gen AI basieren, werden entscheidend sein, um die speziellen Anforderungen erfüllen.

Peter Fintl, Vice President Technology & Innovation bei Capgemini Engineering in Deutschland

Peter Fintl, Vice President Technology & Innovation bei Capgemini Engineering in Deutschland(Bild:  Capgemini)
Peter Fintl, Vice President Technology & Innovation bei Capgemini Engineering in Deutschland
(Bild: Capgemini)

Steigende Nachfrage nach kundenspezifischen Chips

Der Studie zufolge gehen 39 Prozent der Halbleiterunternehmen davon aus, dass Gen AI die Nachfrage nach kundenspezifischen Chips in den nächsten zwei Jahren ankurbeln wird. Die meisten nachgelagerten Unternehmen (81 %) erwarten, dass ihre Nachfrage allein in den nächsten zwölf Monaten um 21 Prozent steigen wird.

Viele Industrie und Tech-Player haben maßgeschneiderte Halbleiterlösungen auf ihre Entwicklungsagenda gesetzt. Dies minimiere die Abhängigkeit von externen Anbietern und gewährleistet die Kontrolle über ihr geistiges Eigentum, während es gleichzeitig handfeste Wettbewerbsvorteile in Sachen einzigartiger Funktionalität, Entwicklungsgeschwindigkeit, Effizienz und Kompatibilität mit eigener Hard- und Software steigert.

Speziell leistungsintensive KI-Anwendungen verlangen nach neuartigen Chip-Technologien, um Performance, Effizienz und Kosten zu vereinen. Neuartige Chip-Architekturen, EUV-Lithografie (Extrem Ultraviolet), 3D-Packaging und die Verwendung von Chiplets sind dabei die Mittel der Wahl. Der Studie zufolge rechnet die Branche mit einem Anstieg ihrer F&E-Budgets um rund 10 Prozent in den nächsten zwei Jahren. Fast die Hälfte der Hersteller gibt ferner an, dass sie Prozesse mittels KI und maschinellem Lernen (ML) optimieren wollen.

Der zunehmende Einsatz von KI und Gen AI führt zu einem erhöhten Bedarf an spezialisierten neuronalen Recheneinheiten (NPUs) und Hochleistungs-Grafikprozessoren (GPUs), die die notwendige Rechnungsleistung stemmen und große Datensätze effizient verarbeiten können. Mehr als die Hälfte der nachgelagerten Branchen (54 %) glauben, dass Fortschritte bei der GPU-Berechnung und der Beschleunigung von KI/ML den größten Nutzen bringen können.

Weitere Ergebnisse der Studie

  • Der Studie zufolge plant mehr als die Hälfte der nachgelagerten Unternehmen, in den nächsten zwei Jahren die Nachhaltigkeit von Chips, die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und die Cybersicherheitsfunktionen zu priorisieren.
  • Nur zwei von fünf Halbleiterunternehmen sind von der Stabilität ihrer Lieferketten überzeugt. Die Halbleiterindustrie erwartet, dass sie in den nächsten zwei Jahren ihren Inlandsbezug von derzeit 40 Prozent auf 47 Prozent erhöhen wird, um die mit der internationalen Logistik verbundenen Risiken zu mindern. Um die Stabilität zu erhöhen, rechnet die Branche außerdem mit einem Anstieg des Nearshorings um 4 Prozent. 74 Prozent der Halbleiterunternehmen erwarten eine Steigerung ihrer Investitionen in den USA, während 59 Prozent ihre Investitionen in Europa erhöhen wollen.
  • Die Sicherheit von Chips bleibt ein kritischer Bereich in einer komplexen Lieferkette. Fast drei von fünf Halbleiterentwicklungsunternehmen betonen, dass sie sich auf den kryptografischen Schutz der Bauelemente konzentrieren.
  • Schließlich geben fast 60 Prozent der nachgelagerten Unternehmen an, dass die Nachhaltigkeit von Chips bei der Bauteilauswahl eine entscheidende Rolle spielen wird. Die Branche setzt daher auf umweltfreundliche Kerninitiativen: Energieeinsparung, Implementierung von Wasserrecycling- und Wiederverwendungssystemen, Verwendung umweltfreundlicherer Chemikalien und Minimierung von Abfällen.

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