Elektronische Bauteile sind Mangelware. Das merken insbesondere Hersteller langlebiger Geräte, wenn sie etwa für abgekündigte Bauteile Ersatz suchen müssen. Mit einer langen Durststrecke rechnet die Component Obsolescence Group Deutschland.
Bauteileverknappung: Die Ursachen sind mannigfaltig, eine Besserung nicht in Sicht.
Kurzfristig abgekündigte oder aus anderen Gründen auf dem Markt nicht mehr erhältliche Ersatzbauteile und Werkstoffe verursachen allein in Deutschland jährlich Ausfallschäden in dreistelliger Millionenhöhe. Wie extrem anfällig heutige Supply Chains für unterschiedlichste externe Störeinflüsse sind, offenbart sich in vollem Umfang allerdings erst seit Beginn der Corona-Pandemie.
Das wurde auch auf der kürzlich stattgefundenen virtuellen Mitgliederhauptversammlung der Component Obsolescence Group Deutschland (COGD) deutlich. Obwohl in der COGD vertretene Unternehmen in der Regel bestens auf mögliche Obsoleszenz-Szenarien vorbereitet sind, bewertet ein Großteil der 162 Verbandsmitglieder die aktuelle Situation auf dem Komponentenmarkt inzwischen als besorgniserregend und wachstumsgefährdend.
Teilweise 30 Monate Lieferzeiten
„Viele elektronische Komponenten einsetzende Industrieunternehmen haben in Teilbereichen jetzt schon große Probleme, sich ausreichend mit der benötigten Ware zu versorgen. Dabei könnte das erst der Anfang einer längeren Durststrecke sein. Nachdem wichtige Rohstoffe wie Kupfer immer knapper werden und die Lieferzeiten für manche Halbleiterprodukte bei Neubestellungen inzwischen auf bis zu 30 Monaten angestiegen sind, rechnen wir bei einem gleichzeitig weiteren Anziehen der Weltkonjunktur mit der möglicherweise längsten Bauteile-Allokation der letzten Jahrzehnte“, so Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender der COGD.
„Problematisch ist nicht nur die Verknappung an sich, sondern auch die damit einhergehende extreme Verteuerung mancher Komponenten, die bei manchen Produkten einige hundert Prozent betragen kann. Bedauerlicherweise scheint manchen Herstellern der schnelle Dollar in solchen Zeiten offensichtlich wichtiger als die Einhaltung langfristiger Lieferverträge. Auch das zeigt den Ernst der Lage.“
Ältere Produktlinien könnten früher abgekündigt werden
Besonders hart betroffen von der derzeitigen Entwicklung sind Hersteller aus der Automobil-, Raumfahrt-, Militär-, Bahn-, Kraftwerks-, Medizin- und Automatisierungstechnik, die für ihre Geräte und Anlagen oftmals jahrzehntelang Ersatzteile benötigen. Die Verknappung in vielen Bauteilebereichen könnte dazu führen, dass ältere Produktlinien aus wirtschaftlichen Erwägungen noch schneller als bisher abgekündigt werden. Weiteres Ungemach droht von verschärften Umweltauflagen, -verordnungen und -gesetzen wie die aufwändige Versorgung der SCIP-Datenbank mit Produktdaten. Auch sie werden die Suche nach den geeigneten Bauteilen und Komponenten nicht gerade vereinfachen.
Dr. Heinbach empfiehlt betroffenen Unternehmen deshalb künftig einen noch offensiveren Umgang mit dem Thema Obsoleszenz. „Die Summe der potenziellen Störfaktoren war leider noch nie so hoch wie heute. Insofern kann ich jedem Unternehmen nur raten, seine Lieferanten und Lieferketten noch einmal genau auf etwaige Schwachstellen zu überprüfen. Das gilt insbesondere für Firmen, die bislang glaubten, auch künftig ohne aktives Obsoleszenz-Management auskommen zu können.“
Die Component Obsolescence Group Deutschland stellt sich den aktuellen Herausforderungen
Mit allen Verbandsmitgliedern gemeinsam diesen gewaltigen Herausforderungen stellen will sich die auf der Jahreshauptversammlung für die nächsten zwei Jahre neu gewählte siebenköpfige Vorstandschaft der COGD. Neben dem bei der Wahl für weitere zwei Jahre im Amt bestätigten Dr. Wolfgang Heinbach (Geschäftsführer GMP German Machine Parts), seinem Stellvertreter Axel Wagner (Head of Consulting, Legal & Compliance Prettl Electronics) und Kassenwartin Irina Werle (Obsoleszenzmanagerin BMK Group) gehören dem Gremium Frank Mützner (Long Term Availability Manager Osram Continental), Joachim Tosberg (Life Cycle Management RAFI), Stefanie Kölbl (Geschäftsbereichsleiterin Embedded TQ-Systems) und Christin Otto (Division Managerin Produkt Management Standard & Support Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG) an.
Alle Mitglieder des neuen Führungsteams zeichnen sich durch Fachkompetenz und langjährige Erfahrung in unterschiedlichsten Bereichen des Obsoleszenz- und Beschaffungsmanagements aus. „Gerade in schwierigen Zeiten spielt Erfahrung bei der Risikobewertung eine besonders große Rolle. Unser Bestreben ist es deshalb, möglichst viele Personen und Unternehmen von unserem Erfahrungsschatz partizipieren zu lassen“, fasst Dr. Heinbach zusammen.
Stand: 08.12.2025
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