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ITB: Wie hat sich das Beratungs- und Zertifizierungsgeschäft in der Informationssicherheit seit den Enthüllungen von Snowden verändert? Sind deutsche Lösungsanbieter jetzt gefragter als vorher?
Siemens: Wir von TÜV Rheinland verzeichnen eine steigende Nachfrage nach Informationssicherheit „Made in Germany“. Ob deutsche Lösungsanbieter insgesamt gefragter sind als ausländische Dienstleister, vermag ich nicht zu beurteilen. Es lässt sich allerdings feststellen: Der Begriff „Made in Germany“, der im Bereich Produkte für hochwertige Verarbeitung und lange Lebensdauer steht, etabliert sich in der Informationssicherheit immer mehr als Synonym für durchdachte Managementsysteme und Lösungen, die konform sind mit der deutschen Datenschutzgesetzgebung. Und die gilt ja als eine der striktesten der Welt. Viele deutsche Unternehmen wollen und müssen auch auf internationalem Parkett ihre hohen Standards in Datenschutz und Datensicherheit halten, schon aus Gründen der Compliance und natürlich um ihr geistiges Eigentum vor unautorisiertem Zugriff zu schützen. Aber das ist ja kein typisch deutsches Problem, das haben ausländische Unternehmen ja auch.
ITB: Welche Garantien und Sicherheiten kann eine Zertifizierung den Unternehmen geben? Was bringt ihnen ein TÜV-Zertifikat in Bezug auf Informationssicherheit?
Siemens: Anders als ein CE-Zeichen, das auf freiwilligen Angaben des Unternehmens selbst beruht, hat ein Prüfsiegel seitens eines unabhängigen Dritten wie TÜV Rheinland eine ganz andere Aussagekraft: Es stellt Seriosität, Qualität und Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen unter Beweis, das gilt auch für die Bereiche Datenschutz und Datensicherheit. Mit einem Zertifikat von TÜV Rheinland demonstrieren Unternehmen gegenüber ihren Kunden, dass ihnen Qualität, Vertrauenswürdigkeit und Transparenz im Business und im Umgang mit den Daten ihrer Kunden wichtig sind und dass sie sehr hohe Anforderungen an Informationssicherheit erfüllen. Im Rahmen der Audits schauen wir uns gründlich um im Unternehmen. Wir prüfen Technologien, Prozesse und Compliance und identifizieren auch mögliche technische Risiken. Und welche Dinge wir jeweils geprüft und zertifiziert haben, kann jeder nachlesen: Über den Certipedia-Online-Datenbank-Service von TÜV Rheinland sind die Prüfaussagen anhand der Zertifikatsnummer transparent nachvollziehbar.
ITB: Im ersten Quartal diesen Jahres soll der Handel von IaaS-Ressourcen an der „Deutschen Börse Cloud Exchange“ (DBCE) starten. Das Zulassungsverfahren für die Anbieter konzipiert die Deutsche Börse gemeinsam mit TÜV Rheinland. Mit welchem Aufwand ist eine solche Zulassung verbunden und welche Sicherheiten für die Inanspruchnahme von Rechenleistung gibt dieses Zertifikat der Zielgruppe mittelständischer Unternehmen?
Siemens: Zunächst: Das Zulassungsverfahren für Provider bei der DBCE ist keine Zertifizierung der Provider, so wie sie TÜV Rheinland etwa mit „Certified Cloud Services“ anbietet. Dieses Zertifikat gehört zu den weltweit weitreichendsten Prüfstandards für Qualität in der Datenwolke, entwickelt auf Basis von ISO 27001, BSI-Grundschutz und ITIL und in Bezug auf die Anforderungen der Cloud auf den Punkt gebracht. Natürlich kann man nicht erwarten, dass alle Anbieter der DBCE zertifiziert sind. Aber Provider werden sich um Qualitätssicherung und deren Nachweis bemühen müssen, wenn sie dauerhaft Erfolg am Markt haben wollen. Für das Vertrauen in den Handelsplatz ist es wichtig, dass sich ein unabhängiger, sachverständiger Dritter bestimmte Schlüsselfragen der IT-Sicherheit zuvor gründlich angesehen hat. Im Standard-Verfahren werden die wichtigsten Kriterien aus allen Bereichen wie Technik, Organisation und Compliance abgeprüft. Das sind die Punkte, die wir auch im Rahmen einer Zertifizierung im Fokus haben. Wenn es um den Einsatz von Cloud Services in kritischen Enterprise-Umgebungen geht, sehen wir mit der Deutschen Börse Cloud Exchange ein detailliertes Prüfverfahren vor, das dann auch eine technische Sicherheitsanalyse sowie eine Prüfung von Architektur und Prozessdetails vorsieht. Unternehmen können auf dem Cloud Marketplace also ein hohes Maß an Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit beim jeweiligen Provider voraussetzen, wenn er das Zulassungsverfahren durchlaufen hat. Und daran haben sie schließlich auch ein berechtigtes Interesse, denn sie müssen ihren gesetzlichen Pflichten gegenüber dem Provider und ihren Kunden nachkommen, wenn sie die Cloud nutzen.
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