Nach nur knapp einem Jahr an der Spitze des japanischen Traditionskonzerns ist Toshiba-CEO Satoshi Tsunakawa zusammen mit seinem Stellvertreter Mamieu Hatazawa mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Hintergrund sind die Pläne zur Aufspaltung des Unternehmens, die firmenintern und unter Anlegern für Furore sorgen.
Nach weniger als einem Jahr ist Satoshi Tsunakawa als CEO des Toshiba-Konzerns zum 1. März 2022 zurückgetreten. Tsunakawa ist seit 1979 im Unternehmen. Seite im November 2021 vorgelegten Pläne zu einer Aufspaltung des Unternehmens hatten für heftige Kontroversen und Widerstand unter den Anlegern gesorgt.
(Bild: Toshiba)
Die Kontroversen um Toshiba nehmen kein Ende, das Personalkarusell im Führungskreis dreht sich gewaltig weiter. Erst im April 2021 hatte Satoshi Tsunakawa die Position als CEO des etwa 150 Jahre bestehenden japanischen Traditionsunternehmens angetreten, nachdem sein Vorgänger Nobuaki Kurumatani nach einem Übernahmeangebot durch eine private Investmentfirma überraschend zurückgetreten war.
Sanierungspläne und Firmenaufsplittung riefen heftigen Widerstand hervor
Tsunakawa war ein Toshiba-Urgestein, das seit seinem Karrierbeginn im Jahr 1979 seine gesamte berufliche Laufbahn bei dem Elektronikriesen zugebracht hatte. Um den von einer mehrjährigen Krise und Sanierungsbemühungen gebeutelten Konzern wieder auf Kurs zu bringen, legte der 67-jährige im November 2021 Pläne zu einer Aufspaltung Toshibas in drei separate Unternehmen bis zum Jahr 2023 vor. Ziel dieser Maßnahme sollte sein, Toshiba durch die strikte Auftrennung in separate Märkte effizienter sanieren und so in seiner Gesamtheit wieder zu einem größeren Gesamtwert verhelfen zu können.
Diese Pläne waren aber nicht nur intern, sondern vor allem bei Investoren auf heftige Kritik gestoßen. Im Februar 2022 kündigte das Toshiba-Management eine Revision an, wonach der Konzern nur noch in zwei separate Unternehmen getrennt werden sollte. Große Teile der Anlegerschaft reagierten dennoch weiterhin verstimmt.
Tsunakawa zieht daraus drastische Konsequenzen und gab mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Geschäftsführer bekannt. „Einige Aktionäre haben Bedenken geäußert, dass es schwierig ist, über den Plan der Zweiteilung abzustimmen, ohne zu wissen, wer die Initiative ergreifen wird“, sagte Tsunakawa in einem kurzen Statement. „Die heutige Ankündigung ist ein Ergebnis des Ernennungsausschusses, der diesen Punkt rasch angegangen ist.“
Der abrupte Rücktritt erfolgt nur etwa drei Wochen vor der für den 24. März 2022 anberaumten Aktionärsversammlung, auf der die neu konzipierten Pläne zur Firmenaufspaltung näher vorgestellt werden sollten. Zusammen mit Tsunakawa hat auch sein Stellvertreter Mamieu Hatazawa mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Sowohl Tsunakawa als auch Hatazawa werden vorerst im Unternehmen verweilen und als Direktoren tätig sein. Tsunakawa behält zudem vorläufig seinen Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrates.
Neue Verkaufsgerüchte machen die Runde
Wie auch unmittelbar vor dem Rücktritt von Tsunakawas Vorgänger Kurumatani machen unmittelbar vor dem Rücktritt des Geschäftsführers erneut Verkaufsgerüchte um Toshiba die Runde. Mehrere Aktionäre hatten zuletzt einen Verkauf des Unternehmens an eine Investitionsgesellschaft gefordert, die den Konzern aus dem Aktienmarkt hinaus in eine außerbörsliche Unternehmensbeteiligung überführen sollte. Die Wirtschaftszeitung Nikkei Asia berichtete am 24. Februar, dass bereits ein entsprechendes Kaufangebot der Blackstone-Gruppe vorliegen sollte.
Toshiba verneint entsprechende Gerüchte mit Nachdruck: „Toshiba legt keine individuellen Gespräche mit Dritten offen, es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass Toshiba konkrete Vorschläge, einschließlich vorläufiger und erster Vorschläge, zur Privatisierung von Toshiba unterbreitet wurden, auch nicht von Blackstone,“ heißt es hierzu in einer Stellungnahme des Unternehmens. Tsunakawa selbst hatte eine mögliche Privatisierung Toshibas erst vergangene Woche noch als „zu riskant“ bezeichnet.
Nachfolger erhält gleich zwei Stellvertreter
Der Nachfolger: Taro Shimada, von 2010 bis 2016 Software-Chef bei Siemens USA und 2018 als Digitalstratege bei Toshiba eingetreten, soll als Interims-CEO die geplante Firmenaufspaltung weiter vorantreiben.
(Bild: Toshiba)
Toshiba hat unmittelbar nach dem Rücktitt Tsunakawas den bisherigen Corporate Senior Vice President Taro Shimada zum Interims-CEO und Präsidenten des Unternehmens berufen. Shimada war von 2010 bis 2015 CEO von Siemens Industry Software USA und anschließend Senior Executive Operating Officer, Siemens K.K., ehe er im Oktober 2018 als Chief Strategy Officer des Corporate Digital Geschäfts bei Toshiba einstieg. Unter seiner Aufsicht soll Toshiba den Geschäftsbereich Electronic Devices & Storage in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2023 aus dem Gesamtunternehmen ausgliedern. Nach der Ausgliederung soll Shimada vorerst die Leitung des Hauptunternehmens innehalten.
Wohl in Vorbereitung auf die geplante Ausgliederung bekommt Shimada gleich zwei Stellvertreter als Nachfolge auf Mamieu Hatazawa an die Seite gestellt. So wurde Goro Yanase, der Präsident und Chief Executive Officer der Toshiba Elevator and Building Systems Corporation, zum Representative Executive Officer, Corporate Senior Executive Vice President und Chief Operating Officer der Toshiba Corporation ernannt. Der Verwaltungsrat ernannte außerdem Hiroyuki Sato, derzeit President und Chief Executive Officer der Toshiba Electronic Devices Corporation. President und Chief Executive Officer der Toshiba Electronic Devices & Storage Corporation, zum Representative Executive Officer und Corporate Executive Vice President der Toshiba Corporation. Er soll die Verantwortung für den Geschäftsbereich Electronic Devices & Storage übernehmen und nach dessen Ausgliederung als President und Chief Executive Officer des neuen Unternehmens fungieren. Alle drei Ernennungen sind vorläufig.
Stand: 08.12.2025
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Toshiba ist damit weiterhin von Kontroversen und einem schlingernden Unternehmenskurs gebeutelt, seit das Unternehmen unter einem schlecht laufenden Atomenergiegeschäft in den USA und einem sieben Jahre währenden, schwerwiegenden Bilanzskandal wirtschaftlich stark gelitten hat. Im Zuge einer Sanierungsinitiative hatte das Unternehmen 2019 seine Speichersparte Toshiba Memory in das separate Unternehmen Kioxia ausgegliedert, an dem der Konzern derzeit noch etwa 40% der Anteile hält. Seitdem kämpft der 1875 gegründete Traditionskonzern immer noch damit, wieder einen stabilen Kurs einzuschlagen.