Anne Dederer begleitet bei Rednet seit mehr als elf Jahren Schulen und Schulträger bei der Digitalisierung. Sie fordert weitere Finanzmittel, damit Betrieb und Support der Schul-IT auch langfristig gesichert werden können.
Anne Dederer, Leiterin Bildungsmanagement bei Rednet, fordert neue Fördermittel für die Digitalsierung der Schulen, damit die Technik laufen und medienpädagogisch sinnvoll eingesetzt werden kann.
(Bild: Rednet GmbH)
Der Digitalpakt läuft 2024 aus und ein Großteil der Mittel sind ausgegeben bzw. abgerufen. Haben die Mittel alle Schulen erreicht und welches waren die größten Probleme beim Abruf der Fördergelder?
Dederer: Der Statusbericht des BMBF vom 31. Dezember 2022 zeigt auf, dass bis Ende letzten Jahres tatsächlich erst ca. ein Fünftel der fristgerecht gebundenen Mittel abgerufen wurde. Aus diesen Zahlen lässt sich jedoch schlecht der tatsächliche Stand der Dinge herauslesen, denn die Träger müssen in den meisten Ländern in Vorleistungen gehen und können die Gelder erst abrufen, wenn die Maßnahme/n in Gänze umgesetzt wurde/n. Voll ausgeschöpft und umgesetzt wurden dagegen die Sofortausstattungsprogramme für mobile Endgeräte für Lehrkräfte wie SchülerInnen.
Komplexe Antragsverfahren und die Herausforderungen für Schulämter in der Pandemie und im Ukraine-Krieg erschwerten maßgeblich die Bindung und den Abruf der Fördergelder. Hinzu kommt eine Verschiebung der Aufgaben auf Trägerseite: Ursprünglich fungierte der Schulträger hauptsächlich als Beschaffer der Hardware und die medienpädagogisch sinnvolle Auswahl oblag der Schule. Die wenigsten Träger verfügten zum Start des Digitalpakts über dedizierte Schul-IT-Abteilungen und damit über Kompetenzen und Kapazitäten, um ein technisches wie medienpädagogisches Mammut-Projekt wie den Digitalpakt umzusetzen.
Da die Sofortmaßnahmen innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden mussten, kam eine Verschiebung des Fokus hinzu: Alle Schulen erhielten eine Vielzahl an mobilen Endgeräten – jedoch oftmals ohne technisches und medienpädagogisches Zielbild. Wie soll zum Beispiel das Management der Geräte aussehen? Und wie werden sie ins Schulnetzwerk eingebunden?
Der Digitalpakt ist in erster Linie ein Infrastrukturprogramm und wir erleben zurzeit, dass ebendiese technische Basis an vielen Stellen nachgezogen werden muss. Technische Strukturen, organisatorische Prozesse und medienpädagogische Planungen müssen übereingebracht werden, um eine verlässliche Infrastruktur aufzubauen und im Anschluss auch einen professionellen Betrieb und Support ebenso wie einen sinnvollen Einsatz im Unterricht möglich zu machen.
Grundlegend kann man sagen, dass die Mittel auf die eine oder andere Art bereits jede Schule erreicht haben. Netzanbindung, Server, WLAN – all das ist bereits überall im Gange. Doch nicht in jeder Schule sind diese Arbeiten für die Lehrkräfte, Schüler und Eltern auch bereits im täglichen Unterricht spürbar. Saubere wirtschaftliche wie technische Planungen hinter den Kulissen erfordern viel Zeit. Die aktuelle Lage im Baubereich ebenso wie die Lage auf dem IT-Arbeitsmarkt erschweren die zügige Umsetzung wichtiger, grundlegender Maßnahmen.
Vor welchen Herausforderungen stehen IT-Dienstleister bei der Digitalisierung der Schule?
Dederer: Der Bedarf an professioneller Unterstützung im konzeptionellen Bereich wie auch im Betrieb und Support steigt rasant. Schul-IT ist hochkomplex und es bedarf versierter Experten, die bei der Planung mitwirken. Bei Betrieb und Support kommt es dann zudem auf Qualität und Quantität an. Qualifizierte Supporter, Ticketsystem, Service Desk – eine Herausforderung, das benötigte und qualifizierte Personal auf einem Arbeitsmarkt zu finden, der dank der technologischen Entwicklungen im IT-Bereich wie leergefegt ist.
Es soll einen neuen Digitalpakt Schule geben. Was müsste aus Ihrer Sicht dabei anders laufen?
Dederer: Das System Schule muss neu gedacht werden. Wir sprechen über Digitalisierung – doch letztlich bedeutet das "nur", dass digitale Infrastruktur geschaffen wird und Endgeräte in die Schulen kommen. Diese Technik muss laufen und medienpädagogisch sinnvoll eingesetzt werden. Der Technologieaustausch, das Support-Personal und die Befähigung der Lehrkräfte – medienpädagogisch wie ressourcenorientiert – muss künftig im Vordergrund stehen und verlässlich finanzierbar sein. Das ist allerdings "nur" der grundlegende IST-Stand.
Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Phase der exponentiellen digitalen Evolution und die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz hat einen transformativen Impakt, der unsere Gesellschaft, Welt und Arbeitswelt für immer verändern wird. Lehren und Lernen wird sich im Zuge dieser Transformation künftig ebenfalls anders gestalten (müssen).
KI könnte – clever eingesetzt und mit menschlichem Kontrollfaktor versehen – Zur Lösung aktueller wie künftiger Herausforderungen beitragen. Teure Schulbücher könnten zum Beispiel obsolet werden, wenn künftig eine KI individuelles freies Material zusammenstellen kann, welches die Lehrkraft prüft. Schon jetzt arbeiten die meisten „Zukunftsschulen“ nicht mehr mit Lehrbüchern und machen so finanzielle Mittel frei, die anderweitig sinnvoller eingesetzt werden können.
Auch mit Blick auf den Lehrermangel und knappe personelle Ressourcen könnte KI helfen: Übernimmt eine KI die Stundenplanerstellung, Verteilung der Pausenaufsichten, Erstellung der Ablaufplanung für den Fahrradführerschein, Vorschläge für individuelle Förderpläne, Klausuren und deren Korrekturen, haben Lehrkräfte wieder mehr Gestaltungsraum und Kapazitäten für die wichtigen Dinge, die nur Menschen im Unterricht und darüber hinaus leisten können: das Ausbilden kritischer, sensibilisierter wie digital versierter Schüler/innen, die in der Lage sind in den kommenden Jahren digitalkompetent unsere Welt und Gesellschaft mitzugestalten.
Stand: 08.12.2025
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Mein Wunsch wäre, dass der nächste Digitalpakt diese Entwicklungen im Blick hat und die finanziellen Mittel bereitstellt, um diese wichtige Transformation konzeptionell wie in der Umsetzung zu tragen.