Prozessorarchitektur Sandy Bridge: Intel feiert Hochzeit von CPU und Grafikchip

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Ob auf der CES in Las Vegas oder der Neujahresparty in München: Intel gibt den Gastgeber auf einem Hochzeitsfest der Familie Sandy Bridge, auf dem CPU und Grafikchip den Bund der Ehe schließen. Aber nicht alle in der IT-Branche freuen sich über die Verschmelzung der Komponenten.

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Die vielerorts zitierte „Hochzeit von CPU und Grafikchip“ bei den neuen Intel-Prozessoren unter dem Codenamen „Sandy Bridge“ ist natürlich nur eine Metapher. Bei der Frage nach Einwänden gegen die metaphorische Ehe würde jedoch sicherlich so mancher Grafikkarten-Hersteller jetzt sprechen, statt für immer zu schweigen. Das Problem: Ist die Grafik auf der CPU integriert, braucht es häufig keine Grafikkarte mehr. Intels Deutschland-Chef Hannes Schwaderer beschwichtigte aber am Rande einer Jahresauftaktparty der Deutschland-Niederlassung. „Auf Sandy-Bridge-Prozessoren werden lediglich Mainstream-Grafikkarten integriert“, so Schwaderer. Bei Highend-Anwendungen seien weiterhin zusätzliche rechenstarke Grafikkarten gefragt. Dennoch: Bei einer Livedemo wurde auf Notebooks ein aktueller Ego-Shooter zu Demozwecken angespielt. Insgesamt dürfte die Vereinigung von Chip und Grafik auf einem Prozessor im Grafikkarten-Segment durchaus für einigen Wirbel und weniger Umsatz sorgen.

CPU und GPU mit gemeinsamen L3-Cache

Aber worum geht es eigentlich bei Sandy Bridge? Unter diesem Arbeitstitel wird ein grundsätzlich andersartiger Aufbau künftiger Prozessoren aus dem Hause Intel zusammen gefasst. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die beschriebene Eingliederung des Grafikprozessors in die reguläre CPU. Das bringt beispielsweise folgenden Vorteil mit sich: Der Last Level Cache (L3) kann effizienter genutzt werden, indem er mit den einzelnen Cores, dem Speicher-Controller und der integrierten GPU-Einheit über ein prozessorinternes Ringbus-System vernetzt wird. Und warum das alles? Laut Intel seien durch die Integration sonst separat stromverbrauchender Komponenten bei gleichem Energieverbrauch merkliche Leistungszuwächse umsetzbar.

Turboboost fernab schwarzer Autos

Möglich werde dies durch Ansätze wie der so genannten „Turboboost-Technologie 2.0“. Unter diesem Schlagwort werden sich Fans der TV-Serie „Knight Rider“ sofort an springende schwarze Trans-Ams erinnern. Auch im Sandy-Brigde-Kontext geht es um kurzzeitige Leistungsschübe. Hierbei kann der integrierte System Agent die Cores einzeln aktivieren, ausschalten und sogar gezielt übertakten. Insbesondere bei Single-Core-Anwendungen sei der Leistungsschub enorm, hieß es aus dem Unternehmen. Leistungsvergleiche sind stark abhängig von den konkreten Umständen und daher solche Angaben stets mit Vorsicht zu genießen: Laut Intel könne mit Sandy-Bridge-basierten Rechnern jedenfalls im Vergleich zur Vorgänger-Generation um 42 Prozent schneller Content produziert werden, beispielsweise beim Umwandeln eines Filmformates in ein anderes. Im Gaming-Bereich habe man Geschwindigkeitssteigerungen in Höhe von 50 Prozent ausgemacht.

Produkte und Verfügbarkeit

Vermarktet werden Sandy-Bridge-CPUs als zweite Generation aus der Core-Reihe, also als Nachfolger der aktuellen i3-, i5- und i7-Prozessoren. Insgesamt wird es einen neuen Core-i7-Extreme-Edition-Prozessor geben, neben zwölf Varianten aus der regulären „Core-i7“-Reihe. Außerdem kommen zwölf Core-i5-Versionen auf den Markt, sowie vier neue Core-i3-Varianten. Daneben umfasst die Sandy-Bridge-Familie zehn neue Chipsätze und vier neue Drahtlos-Optionen.

Quad-Core-Varianten der neuen Sandy-Bridge-CPUs werden bereits an Handel und OEMs ausgeliefert. Der Rest soll im Laufe des ersten Quartals dieses Jahres folgen.

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