Cybersecurity hat immens an Bedeutung gewonnen. Eine CyberVadis-Studie zeigt, dass nicht zuletzt die Corona-Krise und die damit verbundene Transformation des Arbeitens hin zu mehr Digitalisierung, Cybersecurity-Schwachstellen in Unternehmen und deren Lieferketten aufgedeckt haben.
Plötzliche Veränderung der Arbeitspraktiken haben 2020 eine Umgebung geschaffen, die Cyberkriminelle nur zu gerne ausnutzen.
Die Covid-Pandemie hat im vergangenen Jahr die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Kurzfristig mussten Unternehmen Mitarbeiter*innen ins Home-Office schicken und schnell Hardware- und Software-bezogen neue Infrastrukturen schaffen bei gleichzeitiger Erhöhung der digitalen Kapazitäten. Eine aktuelle Gartner-Umfrage unter CFOs ergab, dass 74 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, einige Mitarbeiter nach COVID-19 dauerhaft auf Remote-Arbeit umzustellen.
Die Dringlichkeit, mit neuen, erweiterten Tools die digitale Zusammenarbeit und Geschäftsabläufe und damit die Geschäftskontinuität aufrecht zu erhalten, stellte nicht nur die IT-Verantwortlichen vor Herausforderungen. Insbesondere die Beschaffungsteams standen vor dem Problem, den gesteigerten internen IT-Bedarf schnellstmöglich zu beschaffen und gleichzeitig neue Produktionszulieferer zu finden, die Ausfälle auffangen könnten. Ein Dilemma, denn in der Not bleibt oft keine Zeit für ausführliche Lieferantenüberprüfungen.
Risiko Remote
Die Remote-Arbeit stellt eine einzigartige Herausforderung für die Informationssicherheit dar: die Notwendigkeit, sichere Remote-Verbindungen einzurichten, die Verwendung von persönlichen Geräten zu verwalten und das Bewusstsein der Benutzer zu schärfen, um neue Wellen von Cyberangriffen zu vermeiden. Unternehmen, die aktuell in interne Sicherheitsmaßnahmen investieren, um ihre Systeme und damit ihre Reputation und Geschäftskontinuität zu schützen, sollten daher die Risiken ihrer Drittanbieter nicht außer Acht lassen.
Die aktuelle Studie von CyberVadis, die auf der Bewertung von 680 Unternehmen in 56 Ländern aller Größenordnungen basiert, zeigt, dass eine Vielzahl der Unternehmen nicht auf die neue Normalität der Remote-Arbeit vorbereitet ist. Nur 42 Prozent der Unternehmen haben starke Authentifizierungsmethoden für den Fernzugriff implementiert und nur 28 Prozent der Unternehmen haben einen Authorization Process, um persönlichen Geräten den Zugriff auf Informationssysteme zu gewähren. Dies zeigt, dass ein erhebliches Risiko des Zugriffs auf Unternehmensdaten und Informationssysteme über ungesicherte Geräte besteht. Die Nutzung persönlicher bzw. privater Geräte für Arbeitszwecke hat insbesondere zu Beginn der Pandemie stark zugenommen, wobei nur 26 Prozent der Unternehmen nur firmeneigenen Geräten den Zugriff auf das interne Netzwerk erlauben. Das bedeutet, dass 74 Prozent der verbleibenden Unternehmen immer noch keine Kontrollen haben, um sicherzustellen, dass nicht autorisierte Geräte am Zugriff auf das Firmennetzwerk gehindert werden.
Fehlendes Bewusstsein erhöht Risiken
Nicht nur technologische Schwachstellen bieten Potenziale für Datensicherheitsverletzungen und Hackerangriffe, sondern auch der Faktor Mensch. Das Bewusstsein der Mitarbeiter*innen für Risiken und das Wissen zum Umgang mit diesen, ist eine wichtige Säule im Cybersecurity-Konzept. Jedoch hat die CyberVadis Studie gezeigt, dass 43 Prozent der Unternehmen nur periodische Sensibilisierungskampagnen zur Informationssicherheit durchführen.
Die meiste Zeit sind die Mitarbeiter*innen demzufolge ohne Unterstützung mit Bedrohungen, wie beispielsweise durch Phishing, konfrontiert. Ebenfalls überprüfen nur 15 Prozent der Unternehmen das Verständnis der Benutzer*innen für Informationssicherheitsrisiken und bewährte Praktiken, z.B. durch den Einsatz eines Sicherheitsquiz oder ISMS-Mini-Audit-Kampagnen.
Ganzheitliches Risikomanagement erforderlich
Plötzliche Veränderung der Arbeitspraktiken haben eine Umgebung geschaffen, die Cyber-Angreifer nur zu gerne ausnutzen. Allein von März bis Mai 2020 gab es laut IBM X-Force einen 6.000-prozentigen Anstieg von Spam und Phishing mit Bezug zu Covid-19.
Die Ergebnisse der CyberVadis Studie zeigen, dass viele Unternehmen immer noch Nachholbedarf haben und viele Cybersecurity-Praktiken, die für den neuen Normalzustand als wesentlich gelten, noch nicht implementiert sind. Unternehmen müssen jetzt dringend damit beginnen ihre Cybersecurity-Managementsysteme zu überprüfen und Ressourcen in den technologischen Ausbau sowie in die Sensibilisierung ihrer Angestellten zu investieren, um Risiken zu minimieren.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor: Volker Kratz ist Account Executive für Europa bei CyberVadis und Experte für Third-Party-Risk-Management in globalen Lieferketten. Bevor Volker zu CyberVadis kam, war er als Country Manager und Business Director für SaaS-Anbieter insbesondere im Retailsektor in DACH sowie international tätig.