Interview mit Gregor von Jagow von Red Hat „Red Hat war, ist und wird auch immer Open Source sein“

Von Dr. Dietmar Müller 4 min Lesedauer

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Auf dem Red Hat Summit Connect fanden sich 725 Interessierte und 33 Sponsoren ein, um über 60 Breakout Sessions und drei Hands-On Labs im Darmstadtium zu besuchen. Gregor von Jagow, Senior Director & Country Manager bei Red Hat Germany, zu den jüngsten Änderungen des Partnerprogramms.

Gregor von Jagow, Senior Director & Country Manager bei Red Hat Germany(Bild:  Red Hat)
Gregor von Jagow, Senior Director & Country Manager bei Red Hat Germany
(Bild: Red Hat)

IT-Business: Herr von Jagow, in Darmstadt gaben Sie einmal mehr das Motto „Customer first – Partner always“ aus. Wie viele Partner waren denn vor Ort?

Gregor von Jagow: Unser Red Hat Summit Connect in Darmstadt war aus Sicht unseres Partnernetzwerks beziehungsweise des gesamten Ökosystems von Red Hat ein voller Erfolg, der unsere Erwartungen übertroffen hat. Neben den 30 Partner-Sponsoren konnten wir unter den mehr als 700 Teilnehmenden auch knapp 300 Partner begrüßen.

Konnten Sie in den vergangenen sechs Monaten (seit unserem letzten Interview) interessante neue Partner ins Netzwerk aufnehmen?

von Jagow: Absolut, wir konnten unser Netzwerk strategisch erweitern und einige neue Partner willkommen heißen. Einer der Neuzugänge für Red Hat ist dabei die Firma Ionos als neuer Red Hat Certified Cloud and Service Provider. Ionos besitzt als einer der größten Anbieter von Cloud-Lösungen eine große Expertise rund um das Thema Digitale Souveränität.

Im Frühjahr gab es verschiedene Partnerprogramme – etwa für ISVs, Solution Provider, Global System Integrators oder Distribution –, die die Partner mit den notwendigen Fähigkeiten und Werkzeugen versorgen sollten. Zusätzlich werden die Partner klassifiziert – es gibt Red Hat Ready Business Partner, Red Hat Advanced Business Partner und Red Hat Premier Business Partner. Hat sich das bewährt?

von Jagow: Eines unserer zentralen Anliegen ist es, dedizierte Angebote für die Anforderungen der unterschiedlichen Geschäftsmodelle unserer Partner bereitzustellen. Dazu gehört auch, dass wir die individuellen Vorteile an die Stärke der Partnerschaft anpassen – denn je höher der Status, desto höher sind auch die Anforderungen, diesen zu erreichen und zu halten. Aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit mit unseren Red Hat Premier Business Partnern auch am stärksten ausgeprägt und am lebendigsten.

Gleichzeitig versuchen wir natürlich, unsere Partnerprogramme ständig weiterzuentwickeln und zu verbessern. Das ist notwendig, weil die Grenzen zwischen den verschiedenen Partnertypen immer mehr verschwimmen. Daraus entwickeln sich wiederum neue Geschäftsmodelle mit neuen Anforderungen – beispielsweise rund um das Thema Cloud. Unter dem Strich sehen wir, dass sich das Konzept bewährt hat. Die Bereitstellung marktkonformer Programme im Partnerumfeld ist allerdings ein Prozess, der nie ganz abgeschlossen ist, sondern sich auch an neue Entwicklungen anpassen muss.

Es gab also Änderungen beziehungsweise Erweiterungen?

von Jagow: Wir haben unser Trainingsangebot stark erweitert und neu strukturiert. Partner von Red Hat können jetzt sogenannte „Credentials“ erlangen, eine Art Nachweis, dass sie über bestimmte Fähigkeiten verfügen. Das Besondere dabei: Sowohl die Trainings als auch die Credentials sind dieselben, die wir auch für die internen Schulungen unserer Mitarbeitenden nutzen. Wir haben die Trainings vereinheitlicht, damit speziell im Vertrieb die Ausbildung bei Red Hat und bei unseren Partnern auf einer ähnlichen Basis erfolgt.

Haben sich bei den Partner Sales Executives, also den Ansprechpartnern in den EMEA-Ländern, Änderungen ergeben?

von Jagow: Partner Sales Executives sind nicht auf EMEA-Länder beschränkt, sondern stellen eine zusätzliche Rolle im Vertrieb dar. Sie fungieren als Schnittstelle zwischen Partnern, Account-Managern und Partner-Managern mit speziellem Fokus auf die vertriebliche Zusammenarbeit zwischen Red Hat und seinen Partnern. Auch dieses Konzept hat sich als erfolgreich erwiesen, was sich beispielsweise in einer engeren Zusammenarbeit und einer erhöhten Präsenz bei den jeweiligen Partnern widerspiegelt.

Speziell für Partner, die die öffentliche Hand adressieren, offeriert Red Hat eine sogenannte Public Sector Specialisation. Konnten Sie in diesem lukrativen Bereich Neuland gewinnen?

von Jagow: Wir haben die Zusammenarbeit mit unseren Partnern in diesem Segment massiv ausgebaut und zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt.

OK. Aber apropos öffentliche Hand: Red Hat ist als Linux-Distribution gestartet und versteht sich heute als „Plattform-Unternehmen“, das das Management von hybriden IT-Umgebungen vereinfachen möchte. Dazu gehören selbstredend verschiedene Formen der Cloud. Frage an den Praktiker: Wird von der Verwaltung in Deutschland sowie von damit assoziierten Unternehmen zunehmend und speziell der Einsatz von „souveränen Clouds“ gefordert?

von Jagow: Wir beobachten einen starken Anstieg der Nachfrage nach souveränen Cloud-Lösungen im öffentlichen Sektor. Aus diesem Grund investieren wir konsequent in den Aufbau neuer strategischer Partnerschaften in diesem Bereich – wie die Zusammenarbeit mit Ionos zeigt. Parallel bauen wir aber auch bereits bestehende Partnerschaften weiter aus, um den Anforderungen in diesem Bereich gerecht zu werden. Dies ist auch deshalb ein zentrales Anliegen von Red Hat, weil Unternehmen für die erfolgreiche Implementierung von souveränen Cloud-Lösungen auf die langfristige Zusammenarbeit mit qualifizierten Partnern angewiesen sind. Sowohl die Umsetzung von Souveränitätsprinzipien als auch die individuelle Ausrichtung hinsichtlich Infrastruktur, Sicherheit und Governance-Aspekten basieren auf einer engen Bindung und Vertrauen zwischen Anbieter und Kunde. Dies wollen wir sicherstellen.

Auf dem Summit Connect in Darmstadt betonten Sie, dass Red Hat „Open Source“ bleiben wird. Warum war das nötig?

von Jagow: Mein Kommentar auf dem Red Hat Summit Connect in Darmstadt bezog sich auf die Übernahme von Red Hat durch IBM. Der Schritt hat anfänglich zu großer Unsicherheit auf dem Markt geführt und es standen Befürchtungen im Raum, dass sich das Geschäftsmodell und die Kultur von Red Hat ändern könnte. Das war zu keinem Zeitpunkt der Fall. Denn es ist gerade die von uns gelebte Open-Source-Idee, die Kunden und Partner dazu veranlasst, auf unsere Technologie und Produkte zu setzen. Die Unabhängigkeit von Red Hat als Unternehmen ist dabei entscheidend – das hat auch IBM verstanden. Um anderslautende Befürchtungen auf dem Markt von Anfang an zu zerstreuen, ist es uns wichtig, immer wieder auf unsere Autonomie und den Glauben an Open Source hinzuweisen.

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