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Erst Feindbild, dann Familienmitglied
Von den ursprünglich fünf Geldgebern, die zusammen das Stammkapital von 250.000 Euro einbrachten, sind heute noch drei übrig, die zu gleichen Teilen an Redcoon beteiligt sind:
- Rainer Heckel, der ehemals die holländische Mediamarkt-Landesgesellschaft geleistet hatte und 2003 ausstieg, um Redcoon zu gründen,
- Klaus Matle, Einkaufs-Chef bei Redcoon und
- Hannes Majdic, Inhaber der Majdic-Märkte in Kärnten sowie Betreiber des Online-Shops Electronic4You, der über Österreich verteilt zudem acht Abholshops bietet – jeweils in der Nähe von Media- und Saturn-Märkten.
MSH-Chef Horst Norberg streckte dem Neuerwerb die Hand aus: „Wir heißen alle Redcoon-Mitarbeiter herzlich in der Media-Saturn-Unternehmensgruppe willkommen und freuen uns sehr auf den gemeinsamen Weg.“ Das war nicht immer so. Mit Preisschlachten und juristischen Scharmützeln bedachte MSH die Wettbewerber Redcoon und Majdic in der Vergangenheit. Die österreichische Presse mokiert sich bereits darüber, dass Majdic auch Aktien von MSH als Bezahlung für seine Redcoon-Anteile akzeptieren würde – und damit Miteigentümer beim bisherigen Erzfeind wäre.
Und im Jahr 2006 hatte Redcoon neben zahlreichen anderen Online-Shops unter einer Abmahnwelle von Media-Märkten zu leiden. Damals sagte er laut FAZ: „Das Ziel von Media-Markt und Saturn sind monopolistische Strukturen. Die verfügen über Geld, Macht und Brutalität ohne Ende.“ Von dem Geld wird er nun einen schönen Batzen abbekommen.
Klare Trennung
Während Media Markt und Saturn mit stationären Geschäften und eigenen Online-Plattformen „vielfältige Kontaktmöglichkeiten für die Kunden“ bieten sollen, wird Redcoon als Internet-Pureplayer ausschließlich im Online-Segment tätig sein. Das Unternehmen wird als unabhängige Tochtergesellschaft der Media-Saturn-Unternehmensgruppe vom Gründer Reiner Heckel weitergeführt und soll sogar zu Media Markt und Saturn im Wettbewerb stehen.
„Redcoon hat sich mit seiner Strategie am Markt und beim Kunden sehr erfolgreich durchgesetzt. An der Positionierung, der Geschäfts- und Preisstrategie ändert sich für die Kunden und auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nichts“, so Dr. Rolf Hagemann, CFO der Media-Saturn-Holding GmbH, Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und verantwortlich für Mergers & Acquisitions. Soll heißen: Bei Redcoon gibt es weiterhin tiefe Preise, aber wenig Service. Die Zielgruppe „nach unten abzurunden“ ist die strategische Überlegung hinter dieser Drei-Marken-Strategie.
„Durch die Einbindung in die Media-Saturn-Unternehmensgruppe sind wir für die Zukunft des Internet-Handels und für weiteres Wachstum noch besser aufgestellt“, erklärt redcoon-Chef Reiner Heckel. „Wir sehen in diesem Zusammenschluss vielfältiges Synergie-Potenzial, das wir ausschöpfen und unseren Kunden zugute kommen lassen werden.“
Heckel betont aber ebenso: „Bei unseren Verhandlungen mit Media-Saturn haben wir von Anfang an größten Wert darauf gelegt, dass unsere höchst erfolgreiche Geschäfts- und Preisstrategie lupenrein erhalten bleibt und wir auch künftig unabhängig agieren können. Für die redcoon-Kunden heißt das: Sie können sich auch in Zukunft bei redcoon auf sehr attraktive Preise, schnelle Lieferung und uneingeschränkte Kundenzufriedenheit verlassen.“
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