Übernahme des viertgrößten Elektro- und Elektronikversenders Redcoon Media-Saturn will Online-Handel das Fürchten lehren

Redakteur: Harry Jacob

Die MSH-Gruppe will im Online-Handel die bislang verlorene Zeit schnell wieder aufholen. In zwei Jahren sollen bereits zwei Milliarden Euro umgesetzt werden, in vier bis fünf Jahren will MSH die Nummer eins in Europa sein, kündigte Horst Norberg, CEO der Media-Saturn-Holding, anläßlich der Redcoon-Übernahme an.

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Für Online-Händler für IT- und Elektronik-Produkte könnte es in den kommenden Jahren eng werden. Media-Saturn hat am Mittwoch den viertgrößten Elektronik-Onlineshop Europas, Redcoon, zugekauft. Nur Amazon, Ebay und der Otto-Versand sind in diesem Marktsegment stärker. Redcoon soll als Grundstein der neuen Online-Strategie dienen und wesentlich dazu beitragen, bis spätestens 2016 die Marktführerschaft zu übernehmen. Der Elektronikhändler setzt dabei auf Redcoon als „neutrale“ Marke sowie eigene Online-Plattformen für Mediamarkt und Saturn Hansa, die zusammen die MSH-Gruppe im Metro-Konzern bilden.

Der Online-Shop von Saturn kann möglicherweise noch in diesem Jahr starten, Mediamarkt wird dagegen frühestens 2012 in neuer Fassung online gehen. Derzeit sind dort nur Bestellungen bei lokalen Märkten möglich, zudem Downloads von Musik, Videos, eBooks und Software. Eine 2009 getätigte Beteiligung am Downloadportal-Experten 24-7 Entertainment bildete dafür die Grundlage.

Gas geben statt bremsen

Jahrelang hatte MSH-Chef Roland Weise gepredigt: „Die Kunden kaufen in den Märkten“ – das Online-Geschäft sah er eher als Konkurrenz im eigenen Haus und verhinderte nach anfänglichen Versuchen, die 2007 ihr Ende fanden, jahrelang einen ernsthaften Einstieg in diesen Vertriebskanal. Im Dezember wurde er dafür gefeuert, anschließend das gesamte Management umgestaltet (siehe Beitrag „Media-Markt und Saturn bekommen neuen Chef“). Seitdem gibt der Elektronik-Konzern mächtig Gas. Im Januar wurde die langjährige Werbe-Agentur Kempertrautmann von MSH vor die Tür gesetzt. Man wolle stattdessen einen Partner, der „unsere Markte intensiv Richtung Multichannel begleitet“, kündigte Michael Rook, Vorsitzender der Geschäftsführung von Media Markt, an. Im Februar übernahm der ehemalige Chef und Gründer von „Home of Hardware“ (HoH), Martin Wild, den Posten des Vice President Multi Channel bei MSH. Der Ecommerce-Profi soll den Aufbau des Online-Geschäfts vorantreiben. Kurz darauf tauchten erste Gerüchte auf, dass MSH einen Online-Shop übernehmen wolle, und auch Redcoon wurde schon genannt.

100 Millionen Euro Anschub-Finanzierung

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Rolf Hagemann, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung von Media Saturn: „Wir wollen in Europa die Nummer eins im Online-Geschäft werden und dazu wird Redcoon einen wichtigen Beitrag leisten“. Dazu sei ein Umsatz von rund drei Milliarden Euro notwendig. „Das ist in vier, fünf Jahren zu schaffen“, meint Hagemann. Dazu sollen mehr als 100 Millionen Euro in den kommenden Jahren investiert werden. Bereits 2013 oder 2014 sollen mehr als zehn Prozent des Umsatzes – mithin rund zwei Milliarden Euro – über die Online-Shops erwirtschaftet werden, sagte MSH-Chef Horst Norberg tags zuvor ebenfalls gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Bislang sind die Dimensionen noch bescheidener: 354 Millionen Euro setzte Redcoon 2010 um. Der Online-Händler ist bislang in zehn europäischen Staaten vertreten und gewinnt nach eigenen Angaben jeden Tag rund 2.000 Neukunden. Über die aktuelle Gewinnsituation schweigen sich die Eigentümer aus. Die Bilanz des Geschäftsjahres 2008/2009, das am 31.3.2009 endete, weist bei einem Umsatz von 226,7 Millionen Euro einen Jahresüberschuss von 2,1 Millionen aus, also weniger als ein Prozent.

Laut Redcoon-Gründer Heckel könne man in Zukunft mit etwa 15 Prozent pro Jahr wachsen. Dazu sollen auch weiterhin extrem aggressive Preise beitragen. Die könne man durch Skaleneffekte im Einkauf und die Kostenführerschaft erreichen. Während ein Fachhändler mit Kosten von 26 Prozent rechnen müsse, Media Markt und Saturn mit 20 Prozent, könne Redcoon mit nur 11 Prozent auskommen.Wer hinter Redcoon steht, wie sich MSH und die Redcoon-Eigner in der Vergangenheit gegenüberstanden und wie die Online-Strategie von Media Markt / Saturn aussieht, erfahren Sie auf der folgenden Seite.

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