Trends 2026 KI verändert den Jobmarkt flächendeckend

Von Heidi Schuster 3 min Lesedauer

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2026 markiert den Durchbruch: Künstliche Intelligenz verändert den deutschen Jobmarkt flächendeckend. Der Jobs & Hiring Outlook Report 2026 von Indeed zeigt, wie KI-Fähigkeiten rasant wachsen – weit über Tech hinaus, besonders in HR, Marketing und Finanzen.

Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsprozesse und Kompetenzanforderungen in immer mehr Berufsgruppen.(Bild:  ChatGPT / KI-generiert)
Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsprozesse und Kompetenzanforderungen in immer mehr Berufsgruppen.
(Bild: ChatGPT / KI-generiert)

Nach Jahren des Experimentierens und Testens steht der deutsche Arbeitsmarkt 2026 vor einem strukturellen Umbruch: Künstliche Intelligenz hält flächendeckend Einzug in immer mehr Berufsgruppen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Jobs & Hiring Outlook Report 2026 der Jobplattform Indeed. Besonders auffällig ist dabei die Dynamik außerhalb des klassischen Tech-Sektors.

Zwar bleibt der spezialisierte IT-Bereich weiterhin Spitzenreiter bei der Nachfrage nach KI-Kompetenzen. In Data & Analytics wird in 34,4 Prozent der Stellenausschreibungen KI erwähnt oder gefordert, in der Softwareentwicklung in 20,8 Prozent. Doch das stärkste Wachstum findet inzwischen in kaufmännischen und wissensintensiven Berufsgruppen statt.

HR und Marketing mit höchsten Wachstumsraten

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel im Personalwesen: Hier hat sich der Anteil von KI-bezogenen Stellenausschreibungen 2025 um 138,7 Prozent erhöht. Inzwischen erfordert fast jede zwölfte HR-Stelle (7,9 Prozent) entsprechende Kompetenzen. Auch im Marketing wächst die Nachfrage rasant: Mit einem Plus von 123,2 Prozent liegt der KI-Anteil dort bereits bei 15,6 Prozent.

Im Projektmanagement zeigt ein Zuwachs von 117,1 Prozent, dass KI-gestützte Effizienz bei Planung und Steuerung zunehmend zum Standard wird. Zum Vergleich: In den klassischen Tech-Disziplinen fällt das Wachstum deutlich geringer aus. Data & Analytics verzeichnete 2025 lediglich ein Plus von 2,6 Prozent, die Softwareentwicklung 37,7 Prozent. Eine Ausnahme bildet der Bereich IT-Anwendungen & Lösungen, der mit einem Anstieg von 95,9 Prozent nahezu eine Verdopplung erreichte – vor allem durch Rollen rund um die Implementierung von KI-Systemen.

Finanzwesen und Kundenservice im Umbruch

Der KI-Boom beschränkt sich längst nicht mehr auf kreative oder administrative Tätigkeiten. Auch zahlengetriebene und serviceorientierte Bereiche holen auf. Im Bank- und Finanzwesen hat sich die Nachfrage nach KI-Kompetenzen 2025 mit einem Plus von 100,9 Prozent mehr als verdoppelt. Aktuell weisen 6,6 Prozent der Stellenausschreibungen in diesem Segment einen KI-Bezug auf.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kundenservice, wo der Anteil entsprechender Stellen um 99 Prozent auf 4,3 Prozent gestiegen ist. Selbst in der Buchhaltung nimmt die Bedeutung von KI spürbar zu: Hier legte der Anteil um 74,5 Prozent zu, auch wenn das Niveau mit 2,8 Prozent noch vergleichsweise niedrig bleibt.

Entkopplung am Stellenmarkt

Berufsübergreifend gewinnt die KI-Transformation ebenfalls an Tempo. Nachdem der Anteil von KI-bezogenen Stellenausschreibungen 2024 noch bei rund zwei Prozent stagnierte, stieg er 2025 deutlich an. Bis Ende November erreichte der Wert in Deutschland 3,5 Prozent – gegenüber rund vier Prozent in den USA.

Bemerkenswert ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund eines insgesamt rückläufigen Stellenangebots in vielen Büroberufen wie Marketing, HR oder Verwaltung. Während der Gesamtmarkt seit 2022 schrumpft, wachsen die Anforderungen an KI-Kompetenzen in diesen Bereichen teils dreistellig. Indeed spricht hier von einer Entkopplung: Der allgemeine Arbeitsmarkt verliert an Volumen, der Markt für KI-Fähigkeiten wächst weiter. In Präsenzberufen wie dem Baugewerbe zeigt sich hingegen ein gegenteiliges Bild – steigende Stellenausschreibungen bei vergleichsweise stabilen Kompetenzanforderungen.

Effizienz statt Experiment

Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin beim Indeed Hiring Lab, sieht die Ursachen in einem Zusammenspiel aus Transformationsdruck und wirtschaftlicher Abkühlung. Unternehmen stünden unter Kostendruck und setzten KI zunehmend als konkreten Effizienzhebel ein, nicht mehr als Experimentierfeld. Gleichzeitig agierten viele Firmen bei Neueinstellungen zurückhaltend, wodurch innerhalb schrumpfender Berufsgruppen gezielt neue Kompetenzprofile nachgefragt würden.

Für 2026 erwartet Sondergeld eine weitere Intensivierung dieser Entwicklung. KI werde sich zunehmend über die Tech-Nische hinaus etablieren und die Breite der Wissensberufe erreichen. Der Fokus verschiebe sich dabei von der reinen Programmierung hin zur praktischen Anwendung von KI im Arbeitsalltag. Routineaufgaben würden automatisiert, während strategische Entscheidungen, Kontrolle und menschliches Urteilsvermögen bei der Bewertung von KI-Ergebnissen an Bedeutung gewinnen.

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Für Beschäftigte ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Wer KI-Tools beherrscht und sinnvoll einsetzen kann, hat gute Chancen, sich vom negativen Trend am Stellenmarkt abzukoppeln. Wer die Entwicklung ignoriert, dürfte es in einem enger werdenden Markt für Wissensarbeit zunehmend schwer haben.

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