In etlichen Branchen herrscht KI-Aufbruchstimmung. Parallel steigen die Anforderungen, wie etwa der hohe Energiebedarf. Eine Studie des All-Flash-Herstellers Pure Storage verdeutlicht die Probleme von IT-Verantwortlichen. Befragt wurden 100 Einkäufer in deutschen Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern.
Künstliche Intelligenz ist zwar in aller Munde, doch herrschen in deutschen Unternehmen laut einer Pure-Storage-Umfrage diesbezüglich höchst diffuse Vorstellungen vor.
Derzeit wird der Weltmarkt der generativen KI auf rund 150 Milliarden US-Dollar geschätzt; bis 2030 werden über zwei Billionen US-Dollar vermutet. Rechenzentren sind in ihrem Energiehunger und Wasserverbrauch längst ein wesentlicher industrieller Faktor; das Ausmaß ihrer Emissionen übersteigt bereits das des Flugverkehrs. Die Einführung von KI-Technologien wird den Ressourcenhunger der Exascale-Serverkomplexe also massiv steigern, denn das High Performance Computing verbraucht bis zum Zehnfachen eines herkömmlichen Storage-Racks.
Unterschätzte Kosten
Unternehmensleitungen, die sich in erster Linie Wettbewerbsvorteile sowie reduzierte Aufwands- und Personalkosten versprechen, sehen allerdings nur einen Teil des Bildes, denn die KI-Implementierungen bedeuten auch die umfassende Aufrüstung ihrer IT-Systeme. Legacy-Anlagen sind oft damit überfordert, den gewaltigen KI-Aufwand zu bedienen, vor allem Trainingsprozesse des maschinellen Lernens (ML). Laut der Umfrage haben zwei Drittel der Unternehmen den Energiebedarf und die damit verbundenen Kosten bislang unterschätzt.
KI – ein weißer Fleck auf der Strategiekarte?
In der Wahrnehmung der IT-Einkäufer gehen 59 Prozent ihrer Geschäftsführungen davon aus, KI-Workloads würden in der Cloud durchgeführt, 50 Prozent hätten keine klare Vorstellung von den Auswirkungen der KI, 53 Prozent machten nicht den Eindruck, den Aufbau der aktuellen firmeneigenen IT-Infrastruktur verstanden zu haben, und 41 Prozent verträten die Auffassung, man könne sich mit der Einführung Zeit lassen.
Vielfältige Problemzonen
Auch die IT-Verantwortlichen selbst bewegen sich in diversen Problemfeldern, wie die Feldforscher von Wakefield Research im Auftrag von Pure Storage zwischen Aachen und Görlitz ermittelt haben: 42 Prozent befürchten das Scheitern von Projekten oder der Markteinführung neuer Produkte, 41 Prozent geben selbstkritisch zu, sie seien derzeit nicht in der Lage, KI effektiv einzusetzen.
Bei 87 Prozent der Unternehmen, die KI eingeführt haben, ist der Bedarf an Rechenleistung erheblich gestiegen,
67 Prozent der IT-Einkäufer waren nicht vollständig auf die Energieanforderungen von KI vorbereitet,
58 Prozent der Firmen mussten ihre Rechenleistung seit der Einführung von KI mindestens verdoppeln,
77 Prozent sehen eine Aufrüstung „in irgendeiner Form“, darunter Upgrades von Datenmanagement-Tools (48 %), Storage-Prozessen (55 %) und Speicherinfrastruktur (47 %),
67 Prozent haben bereits in energieeffizientere Hardware investiert oder streben dies innerhalb der nächsten zwölf Monate an.
Stellschrauben gegen den Lösungsdruck
Ein erheblicher Faktor, der laut Umfrage 99 Prozent der IT-Entscheider unter Druck setzt, ist die Auflage, technische Partner zu nutzen, deren Lösungen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Dieser Druck werde auch von den Mitarbeitern ihrer Unternehmen (58 %), Kunden (55 %), Führungskräften (45 %) und Investoren (50 %) wahrgenommen.
79 Prozent sehen keinen Weg, den Energie- und Platzbedarf von KI zu umgehen, wenn die ESG-Ziele erreicht werden sollen,
94 Prozent haben ihre Infrastruktur bereits aktualisiert oder dies geplant,
34 Prozent halten eine komplette Umgestaltung ihrer Systeme zur Bewältigung der KI-Prozesse für erforderlich,
88 Prozent sehen Probleme voraus, sollte ihre Infrastruktur erst nach der KI-Einführung aktualisiert werden.
Selbst an den Stellschrauben zu drehen, sorgt in jedem Fall für nachhaltige Resultate:
57 Prozent befürworten Investitionen in energieeffizientere Hardware,
49 Prozent beschäftigen sich mit Praktiken wie dem intelligenten Abschalten von Geräten, die nicht genutzt werden,
48 Prozent investieren in erneuerbare Energien.
Einsparungen um das Fünf- bis Zehnfache
Pure Storage selbst befürwortet als ersten Schritt einen konkreten Ansatz für Investitionen: den Umbau hin zum rein Flash-bestückten System, weg von der Hard-Disc-Speicherung, die derzeit noch zu rund 80 Prozent die Rechenzentren dominiert. Damit lasse sich der Stromverbrauch „um den Faktor 5 bis 10“ senken. Flash-Systeme seien zudem „in der Lage, die wachsenden Datenanforderungen von KI-Workloads ohne Leistungseinbußen zu bewältigen“.
Ein Rack, ein Preis
Beschleunigen lasse sich dies nicht zuletzt mit Kontingenten auf der All-Flash-Plattform von Pure Storage. Man sei ohnehin „der einzige Anbieter“, der sich der Reduktion von CO2-Emissionen und der Energiebilanz von Rechenzentren verschrieben habe, indem er „die Kosten für Strom und Rackspace für seine Kunden übernimmt“.
Damit einher geht das Ziel von Pure, die jeweils effektivste auf dem Markt erhältliche Flash-Generation einzusetzen. Alleine von 2012 bis 2022 habe sich deren Energiebilanz um das über 200-Fache verbessert.
Erreichen von Umweltzielen
Nahezu alle Befragten sehen sich aufgefordert, den ökologischen Fußabdruck ihrer Firmen zu verringern. Deutsche Unternehmen, die mit Geldern aus dem Klima- und Transformationsfonds kalkuliert haben, werden mit einem weiteren Problem konfrontiert, seit das Bundesverfassungsgerichts am 15. November 2023 den Nachtragshaushalt für 2021, der das Sondervermögen der Bundesregierung trägt, als nicht verfassungsgemäß verworfen hat.
Industriestrompreis für Rechenzentren?
Diese mögliche Finanzierungslücke, obwohl am 15. Dezember 2023 vorerst durch eine weitere Notlagenverordnung der Bundesregierung gedeckt, könnte auch den Vorstoß des Branchenverbands Bitkom unterlaufen. Dort hat man für „IT-lastige Unternehmen“ einen stark subventionierten Industriestrompreis gefordert, wie ihn etwa die Metall- oder Glasindustrie erhalten soll. Der Strommarkt ist aufgrund seiner individuell verhandelten vertraglichen Sondervereinbarungen für Industriekunden allerdings ohnehin nicht transparent. Die tatsächlichen Kosten sind daher ebenso wie die Vergünstigungen letztlich davon abhängig, in welchem Land und in welcher Klimazone die jeweiligen Rechenzentren stehen und wer sie betreibt.
Stand: 08.12.2025
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