Nur 18 Prozent der Frauen entscheiden sich für eine Karriere in der IT. Dabei ist „die IT eine extrem abwechslungsreiche und interessante Branche“, findet Begoña Jara, VP Area Deutschland bei NetApp. Wichtig ist es, agil zu bleiben und das Unvorhersehbare zu akzeptieren und zu mögen.
Für Begoña Jara, VP Area Deutschland bei NetApp, ist Cognitive Diversity der Erfolgsfaktor für eine Karriere in der IT. Wichtig sind aber auch Netzwerke, Mentorinnen und Praktika.
(Bild: NetApp/Vogel IT-Medien)
IT-BUSINESS: Welche Stationen waren für Ihre Karriere in der IT entscheidend?
Jara: Wie so oft im Leben waren es auch glückliche Zufälle, die meinen Karriereweg bestimmt haben. Ich hatte von einem ingenieurwissenschaftlichen Studium in die Politologie gewechselt. Zum Berufseinstieg bin ich dann als Junior Sales in die IT gegangen – das hat sofort gepasst und war von Anfang an spannend. Ein weiterer großer Schritt war der Wechsel nach Deutschland, eine bewusste Herausforderung und ein Schritt aus der Komfortzone.
IT-BUSINESS: Warum sollten sich Frauen für einen Job in der IT entscheiden?
Jara: Weil die IT eine extrem abwechslungsreiche und interessante Branche ist. Unternehmen und Mitarbeiter müssen täglich ihre Agilität beweisen, weil kein Tag dem anderen gleicht. Man muss dieses Klima natürlich mögen, besonders dieses Unvorhersehbare. Gerade der Vertrieb ist interessant, ich vergleiche ihn gerne mit einem Strategiespiel: Man hat sein Portfolio – seine Karten – und versucht, sich mit Fair Play gegen die Mitspieler durchzusetzen.
Diversity in der IT-Branche
Neue IT-BUSINESS-Rubrik „IT and She“
In der neuen Rubrik „IT and She“ stellt die IT-BUSINESS Frauen der IT-Branche in den Mittelpunkt. Es geht darum, Role Models zu zeigen, die als Inspiration für andere dienen können. Es geht aber auch darum, mit Vorurteilen aufzuräumen, Tipps zu bekommen, wie individuelle Karrierewege aussehen können und Mut zu machen, mögliche Hürden aus dem Weg zu räumen. Hier geht es zur Website.
Frauen in der IT sichtbarer machen, das ist das Ziel unserer neuen Rubrik „IT and She“.
(Bildquelle: Vogel IT-Medien)
IT-BUSINESS: Welche Hürden gab es auf dem Weg nach oben – und wie sind Sie damit umgegangen?
Jara: Früher noch mehr als heute gab es Vorurteile, vor allem, wenn das Thema auf die Familie zu sprechen kam. Der Rechtfertigungsdruck ist hoch, wenn man als Frau über Quartalszahlen statt Milchfläschchen spricht. Und man sieht die Verwunderung, dass man Kinder ohne Nanny großzieht. Ich erinnere mich an ein Abendessen bei einem Event hier in Deutschland. Nach zwei Stunden fragte mich mein Gegenüber plötzlich, ob ich Kinder hätte – mit meinem Job. Als ich sagte, ich habe fünf, kam sofort: ‚Die sind doch alle im Internat, oder?‘ Solche Reaktionen bekomme ich häufiger.
Auf Dauer wird das unangenehm. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich diese Diskussionen nicht immer annehmen muss und gelernt, souverän mit solchen Fragen und Bemerkungen umzugehen. Heute nehme ich es als Teil meiner Aufgabe, zu zeigen, dass es funktioniert – und damit hoffentlich anderen Frauen den Weg zu ebnen.
Wir müssen früher ansetzen, um junge Frauen für die IT zu begeistern: In Schulen, in Familien, aber auch als Branche, indem wir zeigen, was in der IT alles möglich ist.
Begoña Jara, VP Area Deutschland bei NetApp
IT-BUSINESS: Klingt nicht nach einer hohen Akzeptanz. Wie gut lassen sich Karriere, Kinder und Privatleben tatsächlich vereinbaren?
Jara: Auf jeden Fall nicht so gut, dass immer alles perfekt läuft. Das muss es aber auch nicht, man kann schließlich nicht überall gleichzeitig sein. ich versuche vorzuleben, dass die Kombination von Karriere und Familie manchmal herausfordert – aber, dass alles machbar ist und es sich lohnt.
Ein bisschen Pragmatismus tut gut: Wenn während eines Calls im Hintergrund die Kinder toben, geht die Welt nicht unter. Genauso habe ich Verständnis, wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade mit der Familie beschäftigt sind und wir Calls entsprechend später ansetzen. Ich bin keine Superwoman, und ich habe das Rezept dafür auch nicht gefunden. Es geht vielmehr darum, dass jede Frau für sich selbst entscheiden kann, wie sie es machen will.
IT-BUSINESS: Was müsste sich da ändern, um eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu erreichen?
Jara: Das Fundament ist eigentlich da – die Unternehmen und Vorgesetzten haben viel in der Hand. Wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Flexibilität verantwortungsvoll umgehen, lassen sich Arbeit und Privates über den Tag ganz gut koordinieren. Das erfordert natürlich auf beiden Seiten den richtigen Umgang mit Vertrauen, Verantwortung und Disziplin, schließlich bezahlt der Kunde für unseren Service. Das ergänzt dann die klassischen ‚Helfer‘ wie Ganztagsschulen, Betreuungsprogramme oder Jobsharing.
Bei NetApp war ich zu Beginn positiv überrascht: Wir haben Teilzeit-Mitarbeiterinnen in Management-Positionen, auch im Vertrieb, basierend auf flexiblem Arbeiten und dem nötigen Vertrauensvorschuss. Das hatte ich in anderen Unternehmen noch nicht erlebt. Gesellschaftlich ist es allerdings notwendig, dass sich die Wahrnehmung ändert. In Deutschland gibt es eine starke Tradition, was Beruf und Familie betrifft. In anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien ist es normal, dass Frauen mit Kindern in Vollzeit arbeiten und Führungsrollen übernehmen. Hier ist das noch anders – aber ich sehe Bewegung.
Begoña Jara, VP Area Germany bei NetApp
Nach einem ingenieurwissenschaftlichen Studium und einem Intermezzo in der Politologie ist Begoña Jara in die IT gewechselt. Nach Stationen bei Unternehmen wie Symantec, Commvault oder Pure Storage leitet die Spanierin inzwischen als Vice President die Geschicke von NetApp in Deutschland.
IT-BUSINESS: Und wie sieht es im Berufsleben aus. Wo müssen Frauen sich stärker behaupten als männliche Kollegen?
Jara: Diese Abgrenzung zwischen Männern und Frauen finde ich eigentlich nicht besonders zielführend. Natürlich funktionieren und denken die Geschlechter unterschiedlich, allerdings steht für mich nicht das negativ besetzte „sich behaupten“ hier im Vordergrund – ich setze auf Cognitive Diversity als echten Erfolgsfaktor. Das hat sich im Business-Alltag bewährt: Unterschiedliche Meinungen und Perspektiven einzuholen, führt zu besseren Strategieentscheidungen und Ergebnissen.
Stand: 08.12.2025
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Ich bin der Überzeugung, dass Frauen sich durch Leistung und Kenntnisse auszeichnen wollen – und nicht aufgrund ihres Geschlechts befördert werden wollen.
IT-BUSINESS: Wie wichtig sind weibliche Vorbilder für Sie?
Jara: Sehr wichtig. Wenn man sich mit politischer Wissenschaft beschäftigt, sieht man rein quantitativ natürlich nicht so viele Staatenlenkerinnen. Diese waren dann aber sehr häufig prägend für ihre Generation und die internationale Ordnung, bis hin zu einem Platz in den Geschichtsbüchern. Solche mutigen Frauen, die sich auch gegenüber Widerständen durchsetzen, finde ich inspirierend.
Auch in meinem beruflichen Umfeld gibt es Vorbilder und ich bin der festen Überzeugung: Diversität beginnt an der Spitze. Dennoch kommt Inspiration von allen Seiten: Ich lerne von jedem in unserer Firma, genauso wie ich mir abschaue, wie meine Teenager an Dinge herangehen.
IT-BUSINESS: Gab es Menschen, die Sie gezielt gefördert haben?
Jara: Ich hatte das Glück, in meiner Karriere immer wieder auf Menschen zu treffen, die an mich geglaubt haben – auch wenn mein Profil auf den ersten Blick ungewöhnlich erschien. Als ich für die Rolle in Deutschland angesprochen wurde, war das ein mutiger Schritt: eine Frau, keine Deutsche, große Familie. Dass mir diese Chance gegeben wurde, hat viel verändert. Heute versuche ich, das weiterzugeben und selbst Türen zu öffnen.
Jara: Führung bedeutet für mich die Möglichkeit, starke Teams aufzubauen, ihre Perspektiven aufzunehmen und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen. Auch Vertrauen spielt eine wichtige Rolle – es entsteht durch jeden einzelnen Moment, durch Entscheidungen, Zuhören und Haltung.
International zu führen, bedeutet außerdem, kulturelle Unterschiede zu verstehen und sich anzupassen, ohne dabei zu vergessen, wer man eigentlich ist. Vielfalt lernt man nicht durch Programme oder PowerPoint-Präsentationen, sondern indem man sie zulässt.
IT-BUSINESS: Welche Veränderungen wünschen Sie sich für die IT-Branche?
Jara: Ich habe vorhin die Cognitive Diversity erwähnt, ich sehe sie als echten Game Changer für Teams und Unternehmen. Ich bin überzeugt, dass Firmen, die aktuell an mancher Stelle skizzierte eher reaktionäre Rollenbilder übernehmen, damit ihre Perspektive einengen und schließlich das Business leidet. Mein Weg ist ein anderer.
Auch die demografischen Fakten sind eindeutig: Unternehmen, die Vielfalt nur als Feigenblatt vorhalten, werden ihre offenen Positionen bald nicht mehr besetzen können. Wir müssen den Pool an Fachkräften zu hundert Prozent ausschöpfen – und ein guter Teil davon sind Frauen.
Außerdem müssen wir früher ansetzen, um junge Frauen für die IT zu begeistern: In Schulen, in Familien, aber auch als Branche, indem wir zeigen, was in der IT alles möglich ist.
IT-BUSINESS: Was geben Sie Frauen auf den Karriereweg in die IT mit?
Jara: Das Schlagwort ist Entscheidung. Karriere und Familie ist nicht besser oder schlechter als Karriere oder Familie. Diese Entscheidung muss jede Frau für sich treffen. Egal wie das Lebensmodell aussieht, sind Unternehmen in der Pflicht, die passenden Rahmenbedingungen für beide Wege zu schaffen. Das liegt auch in ihrem eigenen Interesse, denn so gewinnt und bindet man leistungsfähige, ausgeglichene Mitarbeiterinnen. Und wenn euch jemand eine Möglichkeit bietet – auch wenn ihr hundertmal denkt, ihr könnt es nicht: Macht es! Denn wenn ihr es nicht versucht, ist es schon ein Nein. Versucht ihr es und es läuft nicht perfekt, könnt ihr euch dahin entwickeln. Seid aktiv, sucht Netzwerke, Mentorinnen, Praktika. Und lasst euch nicht einreden, dass bestimmte Lebensmodelle nicht funktionieren.