Homeoffice wurde durch die Pandemie zur Normalität. Nun verlangen viele Chefs, dass die Angestellten zu 100 Prozent zurückkehren in die Büros. Studien von Ivanti und Ricoh zufolge hat dies aber enorme Nachteile für den Arbeitgeber und die deutsche Wirtschaft.
Hybrid Work bringt Unternehmen Wettbewerbsvorteile.
(Bild: Maria Vonotna - stock.adobe.com)
Homeoffice ist für viele Arbeitgeber wieder ausgeschlossen – zum Leid der meisten Arbeitnehmer. Die Ivanti-Studie „Everywhere Workplace“ zeichnet ein eher düsteres Bild der hybriden Arbeitswelt anno 2023. Denn zwischen den Erwartungen der Mitarbeiter an eine selbstbestimmte Wahl ihres Arbeitsorts und dessen, was die Arbeitgeber gewillt sind, zuzulassen, klafft eine gewaltige Lücke. Die Folge: Burnout und Unzufriedenheit in deutschen Büros schlagen sich in einer Verweigerungshaltung nieder.
Für die Studie von Ivanti wurden weltweit 8.400 Büroangestellte, IT-Fachleute und Führungskräfte befragt – 1.300 davon aus Deutschland. Die Studie zeigt, dass die Freiheitsgrade für Homeoffice oder Hybrid Work durch deutsche Arbeitgeber zunehmend eingeschränkt werden:
71 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich ein hybrides oder dezentrales Arbeitsumfeld, das sie selbst wählen können.
Nur 46 Prozent der Arbeitnehmer haben aktuell allerdings tatsächlich die Möglichkeit dazu.
Für 23 Prozent der deutschen Führungskräfte ist hybrides Arbeiten ein „No-Go“ und 42 Prozent verlangen, dass Angestellte verpflichtend mindestens 3 bis 4 Tage pro Woche im Büro sind.
In einer aktuellen Studie von Rico, für die 1.000 Arbeitnehmer und 250 Führungskräfte in Deutschland befragt wurden, wollen 52 Prozent der Führungskräfte gerne eine Rückkehr ins Büro in Vollzeit vorschreiben. Und auch hier sagt die Mehrheit der Arbeitnehmer (78 %), dass sie eine Form des hybriden Arbeitens der reinen Heim- oder Büroarbeit vorziehen würde.
Unzufriedene Mitarbeiter und die Folgen für die Unternehmen
Interessant dabei ist: Die verordnete Rückkehr in das Büro wirkt sich durchaus negativ auf die Geschäftsergebnisse der Unternehmen aus. Insbesondere in Deutschland ist dieser Effekt besonders ausgeprägt. So berichtet ein knappes Viertel (24 %) der von Ivanti befragten Führungskräfte hierzulande, dass ihre Umsätze zurückgegangen sind, nachdem ihre Mitarbeiter an den festen Büroarbeitsplatz zurück gerufen wurden. 22 Prozent geben Rückgänge der Verkaufszahlen an und immerhin 17 Prozent erwähnen in diesem Zusammenhang eine negative Entwicklung des Aktienkurs ihres Unternehmens.
Die Gründe für diese Effekte sind sicherlich vielfältig. Allerdings spielt hier auch die Einstellung der Mitarbeiter zu ihrer neuen Arbeitsrealität eine Rolle. So verdeutlichen die Ergebnisse der Ivanti-Studie die Frustration in deutschen Büros: Jeder 5. Angestellte (19 %) macht aktuell nur noch „Dienst nach Vorschrift“. Mangelnde Motivation wird von fast der Hälfte von ihnen (43 %) als Grund dafür angegeben. Noch prekärer ist die Situation in den IT-Abteilungen. Dort sind es 60 Prozent der Mitarbeiter, die leise aufgeben.
„Wenn es um die Gestaltung des Arbeitsplatzes geht, riskieren Führungskräfte, die keine Flexibilität anbieten, dass ihr Team weniger engagiert und produktiv arbeitet“, so Alexander Neff, Vice President EMEA Central von Ivanti. „Die besten Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, hat für alle Führungskräfte oberste Priorität. Tatsächlich werden Unternehmen, die eine ‚Everywhere Work‘-Mentalität mit entsprechendem Tech-Stack leben und fördern, nachhaltige Wettbewerbsvorteile realisieren. Die Art, wie und wo Mitarbeiter ihre Arbeit erledigen wollen, hat sich grundlegend verändert, und es ist für Führungskräfte unerlässlich, kulturelle und technische Barrieren zu überwinden, um dies zu ermöglichen.“
Wirtschaftsvertreter sagen laut Ricoh, dass Arbeitnehmer in einem hybriden Arbeitsumfeld im Durchschnitt vier Prozent produktiver sind, was der deutschen Wirtschaft zusätzliche 21,5 Milliarden Euro im Vergleich zu den Arbeitsmodellen vor der Pandemie einbringen würde. Jedoch wird dieses Wachstumspotenzial, das sich aus einer höheren Produktivität in Verbindung mit einer verbesserten Mitarbeiterzufriedenheit und einem geringeren Zeitaufwand für das Pendeln ergibt, nicht ausgeschöpft, da eben nur die Hälfte der Unternehmen hybride Arbeitsmodelle eingeführt hat. Würden europäische Unternehmen, die beabsichtigen, auf hybride Arbeitsformen umzusteigen, ihre Pläne beschleunigen, könnte dies laut CEBR die europäische Wirtschaft um weitere neun Milliarden Euro bereichern.
Unternehmen laufen Gefahr, zukünftiges Wachstum zu bremsen, wenn sie den potenziellen Produktivitätszuwachs, der mit hybrider Arbeit verbunden ist, ignorieren. Die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten und persönliche sowie berufliche Verpflichtungen besser vereinbaren zu können, hat positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Arbeitnehmer. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass sich Hybrid Work außerdem positiv auf die Gewinnung sowie Bindung von Talenten auswirkt und die Fluktuation bei denjenigen, die an zwei Tagen in der Woche von zu Hause arbeiten können, um 35 Prozent zurückgeht.
„Hybride Arbeitsweisen ermöglichen Unternehmen, beträchtliche wirtschaftliche Vorteile zu erzielen und gleichzeitig eine zufriedenere und erfolgreichere Belegschaft zu beschäftigen. Hybride Arbeitsmodelle sind jedoch vergeblich, wenn nicht die erforderliche Technologie implementiert wird, um die Zusammenarbeit zwischen Kollegen und Kunden ungeachtet ihres Aufenthaltsortes zu erleichtern“, sagt Nicola Downing, CEO bei Ricoh Europe. „Das Büro bleibt ein wichtiges Umfeld für Kollaboration und den Aufbau einer starken Arbeitsplatzkultur. Aber die Räumlichkeiten müssen so gestaltet sein, dass der Austausch von Ideen und kreatives Arbeiten gefördert werden. Um eine einfache Kommunikation auch mit denjenigen zu gewährleisten, die aus der Ferne arbeiten, muss die Digitalisierung vorangetrieben werden. Auf einem angespannten Arbeitsmarkt ist es keine Option, die Frustrationen der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu ignorieren.“
Stand: 08.12.2025
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