Der Faktor „U“ entscheidet: Warum die Covid-19 Pandemie traditionelle Arbeitswelten modernisiert und wie Konzerne das Homeoffice-Prinzip erfolgreich umsetzen. Ein Kommentar von Dr. Christoph Schlünken, Mitglied des Vorstands der Altana AG.
Über Homeoffice wird viel diskutiert – unter anderem auch das Verhältnis von Kosten und Nutzen.
Auf meinem Schreibtisch ist nichts ist mehr wie es war: Die heutigen Arbeitswelten in deutschen Industriekonzernen unterscheiden sich enorm vom Arbeitsalltag vor einem Jahr. Die Covid-19-Pandemie und der damit verbundene erste Lockdown hat selbst die produzierende Industrie zu einem grundlegenden Umdenken gezwungen und spätestens mit dem zweiten Lockdown zur breiten Einführung des mobilen Arbeitens geführt. Das wird bleiben – auch nach der Pandemie und mit Impfstoff.
Dennoch diskutieren wir über Sinn und Nutzen, Vor- und Nachteile – Zukunft des effizienten Arbeitens in einer sich wandelnden Gesellschaft oder eher Cocooning der Generation X am Rechner?
Kosten uns die Arbeitsplätze zuhause Milliarden von Euro, wie manche Studien behaupten oder sind sie eher gewinnbringend? Und welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg des Homeoffice in klassischen Produktionsbranchen?
Auf den Faktor „U“ kommt es an – dazu später mehr.
Seien wir ehrlich: Es funktioniert doch
Die meisten Homeoffice-Kritiker – interessanterweise gilt das für Managerinnen und Manager ebenso wie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – sind in ihren Analysen noch immer in der Schockstarre des Lockdowns Anfang 2020 gefangen als rasend schnell umorganisiert werden musste.
Wir sind längst weiter. Die neue Homeoffice-Kultur in Deutschland wird von vielen längst als Normalität empfunden. Covid-19 ist der fehlende Beweis: Homeoffice funktioniert in der Kombination mit Präsenztagen im Büro; das sollten nun auch die schärfsten Kritiker sehen.
Mehr noch: Richtig umgesetzt, tragen die Arbeitsplätze zuhause langfristig zum Unternehmenserfolg in schwierigen Zeiten bei; so erhöht sich zum Beispiel die Produktivität, wie eine Studie zeigte. Das darf allerdings nicht zum Selbstzweck werden.
Ohne Change Management kein Erfolg
Auf die ausgewogene Umsetzung kommt es an. Zu Beginn der Covid-19 Pandemie fiel das traditionellen Industrieunternehmen oft nicht leicht, denn für sie waren Homeoffice-Strukturen in der ganzen Breite einer Organisation neu – und das Thema wurde ausschließlich problembehaftet wahrgenommen.Ganz anders die Startups, die ihre Arbeitswelt als Teil der eigenen strategischen DNA begreifen, und damit einem flexiblen Work Flow eine dynamische und zentrale Rolle geben. Sie trotzten dem Lockdown besser als so mancher größere Player:
In Konzernen steht Homeoffice für tiefgreifenden Wandel, in Startups eher für Normalität.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Homeoffice-Einführung ein ernsthaftes, sehr flexibles Change Management erfordert, das heißt eine Art Task Force, Arbeitsgruppen aus allen Unternehmensbereichen sowie eine zentrale Projektkoordination, dicht am Vorstand angesiedelt. Die eigentliche Strategie und Umsetzung sollte jedoch „heruntergebrochen“ werden auf kleinere Einheiten, zum Beispiel Geschäftsbereiche, und lokal erfolgen: Dort ist man wirklich dichter an „zuhause“ dran.
Die Corona-Krise hat eine in der Bundesrepublik bislang einzigartige Modernisierungswelle ausgelöst, vor allem einen längst überfälligen Digitalisierungsschub (wenn auch noch nicht in der Infrastruktur).
Sicher, das Homeoffice ist kein Allheilmittel, weder für alle Geschäftsbereiche eines Unternehmens noch für reformüberfällige Strukturen und schon gar nicht für die Produktion – ob digitalisiert oder nicht. Auch die psychologischen Herausforderungen dürfen nicht unterschätzt werden, so ist es beispielsweise nie einfach, Karriere, Job, Haushalt, Familie und Partnerschaft auf einen Nenner zu bringen. Die Aufhebung der räumlichen Trennung von Arbeits- und Lebenswelt bringt aus Sicht vieler Menschen mindestens ebenso deutliche Vor- wie Nachteile.
Vor allem für die Digitalisierung spielt das Homeoffice eine entscheidende Rolle, denn die großen, ungelösten Hausaufgaben vieler Unternehmen – zum Beispiel Big Data und digitale Vernetzung, IT-Schnittstellen und Kollaborations-Tools – werden hier wie unter einem Brennglas sichtbar.
Der Arbeitsplatz zuhause wird zum Schrittmacher der Modernisierung in Deutschland. Mehr noch: Was gesellschaftlich-sozial längst Realität ist, wird durch das Homeoffice jetzt auch rechtlich und technisch umgesetzt (unabhängig davon, wie man diesen Entwicklungen gegenübersteht).
IT & Technologie sind wichtig – aber nicht alles
Das Arbeiten im Homeoffice hat auch für uns vor allem viele technische Fragen aufgeworfen: mit welchen Endgeräten darf gearbeitet werden und wie ist deren Benutzung beruflich und privat geregelt? Welche rechtlichen und gesetzgebenden Fragen – von der Versicherungspflicht bis hin zu elektronischen Unterschriften – sind zu beachten? IT-Schnittstellen und sichere Cloud-Lösungen und Video Calls hatten wir zum Glück schon vor der Pandemie ausgerollt. Am Ende ist die Technik aber „nur“ Mittel zum Zweck. Als Schlüsselfaktor erweist sich etwas ganz anderes.
Stand: 08.12.2025
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Mit dem Faktor „U“ das Homeoffice zum Erfolg führen
Es gibt nämlich einen Faktor „U“... und der entscheidet über Geschwindigkeit und Erfolg von Homeoffice Ansätzen. „U“ steht für eine transparente, innovative und wirklich gelebte Unternehmenskultur.
Die öffentliche Diskussion verlagert sich nur sehr zögerlich von der technischen Umsetzung zu den arbeitspsychologischen, den gesellschaftlich-sozialen Fragen. Vergessen wird gerne, dass ein Nebeneinander von Präsenz- und Heimarbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie auch vom Management viel mehr Vertrauen, Kollegialität, Engagement und Eigeninitiative abverlangt als der reine Büroalltag dies früher tat.
Ja, das alles mag eine neue Unternehmenskultur schaffen – aber der optimale und leichtere Weg ist der umgekehrte: Jene Unternehmen, die seit jeher auf Agilität, Offenheit, Teams und echte Beteiligung (der Angestellten) sowie Innovation gesetzt haben, fällt der Wechsel zu Homeoffice-Lösungen leichter. Und ihre Kolleginnen und Kollegen sind mit flexiblen 50:50- oder ähnlichen Modellen besonders zufrieden: Denn investiert wird hier nicht nur in Technologie, sondern in Menschen.
Über den Autor
Dr. Christoph Schlünken blickt auf fast 30 Jahre Erfahrung in der Spezialchemie zurück. Der studierte Chemiker verfügt über umfassendes Knowhow zu internationalen Wirtschaftsbeziehungen und insbesondere zu Technologien als Wachstumstreiber und Standortfaktor. Er ist Vorstandsmitglied der ALTANA AG und u. a. für das Thema Innovation verantwortlich. Das weltweit tätige Familienunternehmen mit Hauptsitz in Wesel gilt international als einer der innovativsten Player in der Spezialchemie und investiert durchschnittlich 7 Prozent des Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung.