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Bauteile verschleißen
Ein aktuelles Beispiel für die bauteilbezogene Strategie im IT-Bereich seien unterdimensioniert ausgewählte Elektrolytkondensatoren (ELKOs) in Elektronik, wie Computern, Fernsehern oder Receivern, wie Stefan Schridde, Mitautor des Gutachtens und Initiator der Verbraucherschutzorganisation „Murks? Nein danke!“, auf Grundlage eigener Recherchen und Meldungen Dritter in dem Gutachten schreibt. Die Haltbarkeit der ELKOs sei den Prodzenten aber durchaus bekannt und die Kosten für ELKOs mit positiver Wirkung auf die Verlängerung der Nutzung um fünf bis zehn Jahre lägen bei unter einem Cent.
Im Bereich Zubehör nennt Schridde Kopfhörer, bei denen selbst bei teuren Markenprodukten die Verbindungsstelle zwischen Draht und Stecker instabil sei, so dass das Kabel frühzeitig breche. Bei PCs oder Monitoren sei beispielsweise die Federung hinter dem Ein-/Aus-Schalter ab und zu aus Plastik anstatt aus Metall, was zu vorzeitiger Materialermüdung führt.
Defekt durch Konstruktion
Über eine der Konstruktion geschuldete Verkürzung der Lebensdauer schreibt Schridde im Zusammenhang mit dem MacBook Pro. Weil das Gehäuse verklebt sei, würden Reparaturen deutlich erschwert. Verklebte Gehäuse gebe es aber auch bei anderen Produkten. Auch die Positionierung der ELKOs in der Nähe von Wärme abgebenden Bauteilen – was „oft“ getan werde – wirke sich negativ auf die Haltbarkeit von Elektronikprodukten, von denen sie ein Grundbaustein sind, aus. Ein bei Notebooks „häufiger“ vorzeitige Schaden sei ein Wackelkontakt an der Netzteilbuchse, der ebenfalls mit einer mangelhaften Konstruktion zu begründen sei. Die Netzteilbuchse sei oft auf dem Board aufgelötet und so der wirtschaftliche Totalschaden vorprogrammiert. Zähler in Druckern, die nach einer bestimmten erreichten Seitenzahl melden, das Wartungsbedarf wegen eines vollen Tintenschwamms bestehe, beschreibt Schridde ebenfalls. Dies sei aber oft nicht der Fall, und mancher Nutzer könne sich beispielsweise mit im Internet erhältlichen Programmen behelfen.
Technische Einschränkungen
Als Beispiel für die Behinderung der Nutzer durch technische Einschränkungen wird in dem Gutachten die Schraubenwahl beim iPhone4 genannt. Spezialschrauben am Gehäuse behinderten die Reparatur, da Spezialwerkzeug nötig sei. In Notebooks seien die Lüfter oft so verbaut, dass die Wartung – um dort den Staub zu entfernen – nur schwer möglich ist. Teure Schäden am Prozessor könnten die Folge sein.
Weitere Methoden
Weitere Strategien, um einen Ersatzkauf anzuregen, sind laut Gutachten Vorkehrungen, die das Handeln des Nutzers einschränken. Als ein Beispiel aus dem IT-Bereich nennen die Gutachter-Autoren unter anderem Feuchtigkeitssensoren in Handys, um eingedrungene Feuchte als Schadenursache anzeigen zu lassen und so eine Gewährleistung ablehnen zu können. Darüber hinaus beschreibt das Gutachten Fälle von überhöhten Kostenvoranschlägen für Reparaturen, Einschränkungen bei der möglichen Wahl des Reparatur-Dienstleisters, eingeschränkte Ersatzteilverfügbarkeit oder Ersatzteilwucher.
All diese Faktoren sind dazu geeignet, die Lebensdauer eines elektronischen Produkts geplant zu verkürzen und teilweise die Käufer zu Neuanschaffungen zu drängen. Die Folgen dieses Vorgehens sind nicht nur höhere Kosten für die Verbraucher, sondern auch eine schlechte Umweltbilanz. Auf der anderen Seite steht aber die Frage, ob das gesamte Wirtschaftssystem nicht auf diese Strategien für immer kürzere Produktzyklen angewiesen ist, um das angestrebte Wirtschaftswachstum zu erreichen und die Beschäftigungsquote zu halten oder sogar zu verbessern. □
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