Bitkom-Studie Frauenanteil in IT- und Digitalberufen zu niedrig

Von Margrit Lingner 4 min Lesedauer

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Männer sind für IT- und Digitalberufe einfach besser geeignet – in 43 Prozent der IT-Unternehmen ist diese Überzeugung immer noch vorherrschend. Doch wird das IT-Fachkräfteproblem ohne Frauen nicht lösbar sein. Das sind Ergebnisse einer Bitkom-Studie.

In keiner IT- oder Digitalabteilung in deutschen Unternehmen arbeiten mehr Frauen als Männer. Als Grund für den niedrigen Frauenanteil in IT-Unternehmen werden häufig Rollenklischees und strukturelle Hürden angegeben.(Bild: ©  Creative Stocker - stock.adobe.com / KI-generiert)
In keiner IT- oder Digitalabteilung in deutschen Unternehmen arbeiten mehr Frauen als Männer. Als Grund für den niedrigen Frauenanteil in IT-Unternehmen werden häufig Rollenklischees und strukturelle Hürden angegeben.
(Bild: © Creative Stocker - stock.adobe.com / KI-generiert)

Der Software-Entwickler, der Programmierer oder der Cloud-Engineer – das Klischee von der Männerdomäne IT hält sich nach wie vor hartnäckig: Auch 2026 sind noch 43 Prozent der Unternehmen der Ansicht, Männer seien für IT- und Digitalberufe besser geeignet. Das geht aus einer Studie des Branchenverbands Bitkom hervor, bei der die Führungsebene, Entscheider und Personalchefs von über 600 Unternehmen befragt wurden. Demnach sind „stereotype Rollenbilder noch in zu vielen Unternehmen verankert“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Wenn IT-Berufe Frauen abschrecken oder ihnen zu wenig bekannt sind, ist das kein Naturgesetz. Es ist ein klarer Auftrag an Unternehmen, Bildung und Politik, Barrieren abzubauen und IT-Berufe für Frauen sichtbar und attraktiv zu machen.“

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Gleichstellung als Wettbewerbsfaktor für Unternehmen

Frauen sind in der IT weiterhin unterrepräsentiert. In keinem IT- und Digitalfachbereich eines deutschen Unternehmens arbeiten mehr Frauen als Männer. Dafür sind laut Bitkom-Studie in 89 Prozent der Unternehmen weniger als die Hälfte der Stellen mit Frauen besetzt. Dabei ist Wintergerst überzeugt: „Wer Digitale Transformation und KI erfolgreich gestalten will, kann es sich nicht leisten, auf die Hälfte der Talente zu verzichten“.

Dabei entscheiden sich laut Statistischem Bundesamt (Destatis) mittlerweile (Studienjahr 2024) mehr als ein Drittel (36 %) der Studienanfängerinnen für ein Studium im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Und immerhin betonen drei Viertel (78 Prozent) der befragten Unternehmen, ohne Frauen verspiele die Wirtschaft ihre Zukunft. Wintergerst sieht zudem, dass gemischte Teams in Unternehmen, „die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ steigern.

Wer Digitale Transformation und KI erfolgreich gestalten will, kann es sich nicht leisten, auf die Hälfte der Talente zu verzichten.

Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

Der Umfrage zufolge schätzen Unternehmen die Vorteile gemischter Teams durchaus. Für 91 Prozent der befragten Unternehmensleitungen steigert ein höherer Frauenanteil das Betriebsklima und wirkt sich positiv auf die Unternehmenskultur aus. Zudem steigern gemischte Teams Produktivität und Kreativität; das glauben 80 Prozent der Befragten.

Was Frauen in IT- und Digitalberufen ausbremst

Die Gründe, warum Frauen in IT- und Digitalberufen dennoch ausgebremst werden, sind aus Sicht der Wirtschaft vielfältig. Die Hälfte der Unternehmen schätzt, dass Hürden beim Wiedereinstieg, etwa fehlende Weiterbildungen während der Elternzeit, ein zentraler Faktor sind. Knapp die Hälfte (48 %) führt eine unzureichende Sensibilisierung von Führungskräften mit Personalverantwortung als Grund an. Aber auch männlich geprägte Rollenbilder gelten als Hemmnis (47 %). Und bei 39 Prozent der Unternehmen gibt es der Studie zufolge eine strukturelle Benachteiligung von Frauen bei gleicher Qualifikation und Leistung, also eine „gläserne Decke“. Und rund 35 Prozent der befragten Firmenchefs geben an, Frauenförderung werde von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden.

Auch politische Faktoren werden als Ursache genannt. 48 Prozent bemängeln Defizite bei der Betreuungsinfrastruktur, und 40 Prozent machen eine klischeebehaftete Berufsorientierung für den geringen Frauenanteil verantwortlich.

Frauenanteil erhöhen

Grundsätzlich wünscht sich die deutsche Wirtschaft einen höheren Frauenanteil in IT- und Digitalfachbereichen. Doch nur 4 Prozent der Unternehmen geben an, sich diesbezüglich interne Ziele gesteckt und diese schon erreicht zu haben. Und mehr als ein Drittel der Unternehmen hat keine Ziele und setzt auch keine. Diese Unternehmen haben nach eigenen Angaben nicht genügend qualifizierte Bewerberinnen (72 %) oder setzen andere Prioritäten (57 %).

Um mehr Frauen für IT- und Digitalberufe zu gewinnen, setzt ein Großteil (79 %) der Unternehmen mindestens eine Maßnahme zum Recruiting von Frauen ein. Kooperationen mit Hochschulen und Schulen pflegen 29 Prozent der Unternehmen. Bei einem Viertel der Unternehmen gibt es spezielle Einstiegsprogramme wie Traineeships. Und ebenfalls knapp ein Viertel setzen auf Frauen zugeschnittene Werbe- oder Social-Media-Kampagnen.

Frauenförderung scheitert häufig

Über den IT-Bereich hinaus begegnet ein Teil der Unternehmen Frauenförderung weiterhin mit Vorbehalten. So stimmen 20 Prozent der Befragten der Aussage zu, Frauenförderung belaste Unternehmen unnötig. Knapp ein Viertel steht auf dem Standpunkt, dass sich Frauenförderung nicht lohnt. Die Skepsis gegenüber der Frauenförderung weit verbreitet: 34 Prozent der Unternehmen sind der Auffassung, Frauenförderung wäre Männern gegenüber ungerecht. Auch der Zweifel an der Glaubwürdigkeit vieler Initiativen ist hoch, und viele Unternehmen wollen auch nichts verändern.

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Dennoch bleibt Bitkom zufolge Frauenförderung für viele Unternehmen ein relevantes Thema – und Maßnahmen werden weiter ausgebaut. Ansatzpunkte sind eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch familienfreundlichere Arbeitsbedingungen wollen 78 Prozent der Unternehmen schaffen. Mentoring von Frauen wollen 51 Prozent stärken. „Die Zahlen zeigen: Viele Unternehmen werden aktiv, etwa bei flexiblen Arbeitsmodellen und Mentoring-Angeboten. Entscheidend ist jetzt, Maßnahmen konsequent umzusetzen und insbesondere dort nachzuschärfen, wo Strukturen Frauen noch ausbremsen,“ erklärt Bitkom-Präsident Wintergerst.

Die Politik muss handeln

Um mehr Frauen für die IT zu begeistern, sei auch die Politik aus Unternehmenssicht in der Pflicht. Besonders häufig gefordert werden derzeit mehr Investitionen in Betreuungsinfrastruktur (71 %) sowie Maßnahmen entlang der Bildungskette – etwa die Förderung des IT-Interesses von Mädchen und jungen Frauen (59 %). Auch öffentliche Kampagnen oder Role-Model-Programme sehen 57 Prozent der Unternehmen als Maßnahme, die die Bundesregierung angehen sollte.

„Viele Mädchen und Frauen entscheiden sich nicht gegen IT, weil sie es nicht können – sondern weil sie sich dort nicht sehen“, sagt Susanne Dehmel, Mitglied im Steuerungskreis von #SheTransformsIT und der Bitkom-Geschäftsleitung. „Genau hier setzen wir an: mit sichtbaren Vorbildern, praxisnaher Berufsorientierung und Netzwerken, die Frauen auf ihrem Karriereweg stärken.“

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