Aufruf zu „KI-Gigafactories“ EU-Kommission will Hürden für Einsatz von KI abbauen

Quelle: dpa 5 min Lesedauer

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Brüssel legt eine neue Strategie zur Förderung von Künstlicher Intelligenz vor. Doch nicht alle glauben an die Wirksamkeit der geplanten Maßnahmen. Die Verbände Bitkom und Eco begrüßen den so genannten „AI Continent Action Plan“.

Die Kommission will Europas Rechenzentren in den kommenden Jahren stark vorantreiben und ruft die Mitgliedstaaten auf, sich um den Bau von sogenannten „KI-Gigafactories“ zu bewerben. (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Die Kommission will Europas Rechenzentren in den kommenden Jahren stark vorantreiben und ruft die Mitgliedstaaten auf, sich um den Bau von sogenannten „KI-Gigafactories“ zu bewerben.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die EU-Kommission will Hürden für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) abbauen und damit Europas Unternehmen besser für den globalen Wettbewerb rüsten. Bei der Vorstellung ihrer neuen KI-Strategie kündigte die Brüsseler Behörde an, Regeln zu vereinfachen, Investitionen zu fördern und den Aufbau eigener Rechenzentren massiv auszubauen.

Der Plan ist wohl auch eine Reaktion auf Kritik aus der Tech-Branche, wonach europäische Vorgaben wie das KI-Gesetz (AI Act) zu bürokratisch und innovationsfeindlich seien. Die Kommission will Unternehmen künftig gezielt nach Rückmeldung fragen, wo Regeln unklar oder hinderlich sind. Ziel ist es, die Vorschriften besser an die schnelle technologische Entwicklung anzupassen, ohne dabei Sicherheits- und Ethikstandards aufzugeben.

Superzentren für Europas digitale Souveränität

Ein Schwerpunkt der neuen Strategie liegt auf der Infrastruktur. Die Kommission will Europas Rechenzentren in den kommenden Jahren stark vorantreiben und ruft die Mitgliedstaaten auf, sich um den Bau von sogenannten „KI-Gigafactories“ zu bewerben. Diese Superzentren sollen besonders leistungsstarke KI-Modelle trainieren können. Die Idee wurde bereits Anfang des Jahres angekündigt – nun startet das Bewerbungsverfahren. Insgesamt sollen dafür Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro mobilisiert werden.

Aktuell nutzen nach Angaben der Brüsseler Behörde nur 13,5 Prozent der Unternehmen in Europa KI-Technologien. Die Kommission will diesen Anteil deutlich steigern und Europa zu einem führenden Standort für leistungsfähige, aber verantwortungsvoll eingesetzte KI machen. Bislang hat die EU im Vergleich zu etwa China und den USA das Nachsehen.

Der geschäftsführende Digitalminister Volker Wissing begrüßte den Plan als wichtigen Schritt für Europas technologische Unabhängigkeit. Zugleich forderte er weniger Bürokratie und bessere Investitionsbedingungen.

Der KI Bundesverband zeigte sich enttäuscht und sprach von einer Strategie mit vielen Ankündigungen, aber wenig neuer Substanz. „Die europäische KI-Branche braucht keine weiteren Ankündigungen bereits bekannter Maßnahmen und kleinteiliger Einzelstrategien, sondern funktionierende Förder- und Vergabeverfahren, die mit der Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung Schritt halten können“, sagte Vorstandsvorsitzender Jörg Bienert.

Bitkom zum AI Continent Action Plan der EU

Zum AI Continent Action Plan der EU-Kommission erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung:

„Mit dem AI Continent Action Plan verschiebt die EU den Fokus von KI-Regulierung auf KI-Förderung – und dafür ist es höchste Zeit. Die europäischen Staaten können nur gemeinsam zu den führenden KI-Nationen USA und China aufschließen und die Grundlagen für eine wettbewerbsfähige, europäische KI schaffen. Eine KI aus Europa würde einen entscheidenden Beitrag zu Europas digitaler Souveränität leisten. Die aktuelle geopolitische Lage und die angespannten Handelsbeziehungen zu den USA machen dies notwendiger denn je.

Mit den geplanten KI-Gigafactories knüpft die EU an das bewährte CERN-Modell wissenschaftlicher Zusammenarbeit an und schafft große, skalierbare Rechenzentren für KI. Die geplanten 20 Milliarden Euro sind eine notwendige Investition, um den europäischen Rückstand bei der für KI entscheidenden Rechenleistung zumindest zu verringern, sie werden mit Blick auf die Investitionssummen in anderen Ländern aber nicht ausreichen. Mindestens ebenso wichtig wie ein solcher Infrastruktur-Booster ist das klare Bekenntnis im AI Continent Action Plan zur Vereinfachung der Regulierung rund um KI („regulatory simplification“). Der AI Act darf nicht zum Bremsklotz europäischer KI-Bemühungen werden. Wichtig ist deshalb, dass der Ankündigung, die Bürokratiekosten des AI Act zu minimieren, auch Taten folgen und Innovationsförderung und Regulierung bei Künstlicher Intelligenz künftig deutlich besser ausbalanciert werden müssen.

Was noch fehlt sind vielfach notwendige Konkretisierungen. Das betrifft etwa Details zur angestrebten „Data Union Strategy“ zur grenzüberschreitenden Verfügbarkeit von Daten, die für KI-Training und –Anwendung unerlässlich sind, aber auch die Frage, woher die notwendigen Mittel für den neuen europäischen KI-Plan genau kommen sollen. Ohne klare Finanzierung und Zeitpläne besteht die Gefahr, dass der AI Continent Action Plan nur eine weitere gute Idee ist, die verpufft. Europa muss beim Thema KI jetzt Tempo machen.“

Eco – Verband der Internetwirtschaft zum AI Continent Action Plan

Mit dem heute veröffentlichten AI Continent Action Plan setzt die EU-Kommission ein ambitioniertes Signal: Europa will KI-Standort Nummer eins werden – mit gezielten Investitionen in Rechenleistung, Dateninfrastrukturen, Fachkräften und Anwendungsförderung. Aus Sicht des Eco ist das ein dringend nötiger Paradigmenwechsel in der europäischen KI-Politik – hin zu mehr Innovation, Skalierbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit und auch um die Anwendung von KI tatsächlich in die Breite zu bekommen.

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„Der AI Action Plan kommt zur richtigen Zeit. Europa darf nicht länger der globalen KI-Entwicklung hinterherlaufen. Jetzt braucht es Umsetzungskraft, statt weiterer regulatorischer Blockaden“, betont Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des Eco.

„Besonders begrüßen wir, dass die Kommission mit Initiativen wie den AI-Fabriken und geplanten Gigafactories, dem InvestAI-Programm sowie der angestrebten Cloud- und Datenstrategie echte Hebel identifiziert hat, um KI-Innovationen in Europa zu beschleunigen. Auch das Commitment zur Verdreifachung der europäischen Rechenzentrumskapazität bis 2030 ist ein positives Signal, das nun mit konkreten Förder- und Vereinfachungsmaßnahmen untermauert werden muss.“

Positiv sei zudem, dass erste Schritte zur Entlastung von Unternehmen beim AI Act angekündigt wurden, etwa durch einen zentralen AI Act Service Desk und vereinfachte Informationszugänge. Entscheidend sei nun, dass diesen Worten konkrete, schnell wirksame Maßnahmen folgen – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

Der Eco-Verband fordert:

  • eine verbindliche, praxisnahe KI-Förderstrategie auf EU-Ebene,
  • einen Digital-Omnibus zur Vereinfachung bestehender Vorschriften,
  • mehr Unterstützung für KMU bei der Umsetzung des AI Acts,
  • strategische Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung, u.a. durch gezielte Zuwanderung, Aus- und Weiterbildungsangebote,
  • und eine systematische Einbindung der Wirtschaft in alle Phasen der Umsetzung.
  • gezielte Investitionen in europäische Rechen- und Dateninfrastrukturen und deren Nachhaltigkeit mit Gigafactories als zentralen Ankern in Europa.

Nur so kann Europa eine echte technologische Souveränität im KI-Bereich erreichen und im globalen Wettbewerb mit den USA und China bestehen, so der Eco.

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