Die Digitalisierung zielführend anzugehen und geeignete Fachkräfte für die anstehende Digitale Transformation zu finden, zu binden und zu inspirieren ist für Unternehmen ein ernstzunehmendes Problem. Eine digitale Genossenschaft könnte die Lösung sein. Wie das Modell funktioniert und wie es einen perfekten Knowhow-Transfer schafft, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Die Unternehmen des Mittelstands sind Motor und Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Doch um diese Stellung langfristig zu halten und auch in Zukunft Relevanz in den adressierten Märkten zu haben, steht die Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation ganz oben auf deren Agenda.
Die Unternehmen des Mittelstands sind Motor und Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie erwirtschaften über die Hälfte der Wertschöpfung, beschäftigen nahezu 60 Prozent aller Arbeitnehmer und bilden rund 82 Prozent der Auszubildenden aus. Dass der Innovations- und Technologiemotor Deutschlands international großes Ansehen genießt, liegt an seiner einzigartigen Verbindung aus fachlicher Expertise, Maßarbeit sowie Stärken in Forschung und Entwicklung.
Ungenügendes Zeugnis für den Mittelstand
Doch um diese Stellung langfristig zu halten und auch in Zukunft Relevanz in den adressierten Märkten zu haben, steht die Auseinandersetzung mit der Digitalen Transformation ganz oben auf der Agenda des deutschen Mittelstands. Aber hier, seien wir ehrlich, fällt das Zwischenzeugnis leider durchwachsen aus:
Zwar mangelt es nicht an gut gemeinten Initiativen, Projekten oder Ratschlägen, wie zum Beispiel Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, Digitalgipfel „KI made in Germany“ oder auch Veranstaltungen zu Themen wie Augmented Reality. Doch viele Unternehmen gehen nach wie vor die Digitalisierung zögerlich, gar nicht oder ohne eine übergreifende digitale Strategie an. Nicht selten liegt das daran, dass sie schlicht und ergreifend nicht die richtigen bzw. passend geschulten Mitarbeiter haben, dieses Thema erfolgversprechend in Angriff zu nehmen.
Denn die Unternehmen müssen es schaffen, in einen fortwährenden Lernprozess zu kommen, der sie dazu befähigt, Projekte im digitalen Kontext, von einer Idee mit Potential bis hin zu einer echten Innovation zu entwickeln.
Fachkräfte sind gefragt
Und dazu braucht der Mittelstand Mitarbeiter, die sowohl die fachliche und prozessseitige Expertise, Beratungsfähigkeit und analytische Kompetenzen mitbringen. Die fit sind in Technologien, wie zum Beispiel Data Science oder auch Machine Learning. Zudem sollten sie in der Lage sein, über den Tellerrand zu schauen und damit strategischen Weitblick mitbringen.
Doch wie gewinnen und binden Unternehmen diese Fachkräfte, die einerseits die Produkte und Prozesse aus dem Effeff kennen sollen, andererseits aber geistig so offen und neugierig bleiben, dass sie neue Trends und Strömungen blitzschnell erkennen und adaptieren können? Echte Talente, die Ideen sowie eine hemdsärmelige Umsetzungsfreude vereinen?
Das ist tatsächlich verdammt schwer: Viele der jungen, digital affinen Leute fremdeln mit den klassischen, mittelständischen Unternehmenskulturen und ziehen Startup-Feeling in der Großstadt vor. Die Herausforderungen für den Mittelstand sind hier zugleich Rekrutierung, Einbindung und Aufbau, Inspiration, Bezahlung sowie Führung.
Wenn alle zusammenarbeiten, kommt der Erfolg von selbst
Die Lösung heißt aus meiner Sicht Kollaboration. Dieses Muster lässt sich schon bei den Global Playern auf dem deutschen Markt erkennen. So bündelten beispielsweise BMW und Daimler ihre Mobilitätsdienste Drive Now und Car2Go und konzentrieren damit ihre Ressourcen. So stärken sie nicht nur ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und sichern ihren Marktanteil, sondern lösen sich ganz aus der Konkurrenzsituation und setzen auf ein Kooperationsmodell.
Ganz neu ist diese Idee nicht, wie ein Blick ins Mittelalter zeigt: Hier kristallisierten sich erstmals Initiativen heraus, die heutzutage zwar nicht gerade als sexy gelten, aber durchaus als ein Modell für Innovationskultur und digitale Transformation dienen könnten. Einzelne Berufsgruppen gründeten damals Zünfte und Gilden, die sich im 19. Jahrhundert zu Genossenschaften weiterentwickelten. In der Agrarwirtschaft beispielsweise hat sich dieses Modell bis heute erfolgreich gehalten – Landwirte, die Produktionsressourcen, Know-how und betriebliche Funktionen wie Einkauf und Vermarktung bündeln als auch teilen.
Warum lassen sich Mittelständler davon nicht inspirieren?
Fünf bis acht Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die gemeinsam eine digitale Genossenschaft initiieren, um zusammen den digitalen Raum schneller, zielführender und langfristig zu erobern. Ein solches Kompetenzzentrum könnte firmenübergreifend Themen wie Strategie und Innovation, Entwicklung und Technologie, Prozessoptimierung und Automatisierung, Transformation und Kultur vorantreiben. Das senkt für jedes an der Genossenschaft beteiligte Unternehmen die Kosten, schafft gleichzeitig einen optimalen Wissenstransfer und ermöglicht einen viel stärker ausgeprägten Blick über den Tellerrand. Neue Stabstellen, wie zum Beispiel Data Analysten, könnten in die Genossenschaft ausgelagert und geteilt werden, um eine gleichmäßige Auslastung der Personalkapazitäten zu gewährleisten. Denn so unterschiedlich die Branchen auch sein mögen, die Probleme sind sehr ähnlich: Mangelndes Wissen, fehlende digitale Innovationen, nicht mehr zeitgemäße Prozesse und knappe Ressourcen. Eine gemeinschaftlich getragene Genossenschaft, könnte hier also die Lösung sein. Sie schafft den Brückenschlag zwischen alter und neuer Welt.
Stand: 08.12.2025
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Tradition meets Innovation
Und: Diese digitale Einheit hätte für die dringend benötigten Fachkräfte einen ganz besonderen Charme. Sie vereint Startup-Feeling und Inspiration aus den digitalen Weiten mit der pragmatischen Umsetzung- und Schaffenskraft des Mittelstands. Entrepreneurship trifft auf Unternehmertradition. Die Herausforderung liegt darin, beides auszubalancieren. Und hier kommen erfahrene Führungskräfte ins Spiel – ohne sie geht auch in einer digitalen Genossenschaft nichts.