Heimcomputer-Pionier

Der Schneider CPC wird 30 Jahre alt

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Fast schon „Made in Germany“

Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und der Schweiz wurde der Amstrad CPC außerordentlich populär. Das lag nicht zuletzt am Engagement des Vertriebspartners Schneider Rundfunkwerke aus Türkheim im Allgäu. Schneider vermarktete die Rechner unter dem eigenen Namen und gründete hierfür einen eigenen Geschäftsbereich, die „Schneider Computer Division“.

Zudem übernahmen die Türkheimer den Support und gaben den Usern somit das Gefühl, ein Produkt „made in Germany“ zu nutzen. Desweiteren konnte Schneider auf ein umfangreiches Netz von Handelspartnern zurückgreifen. Außerdem wurde der CPC über die einschlägigen großen Versandhäuser verkauft.

Das Gerät für den ernsthafteren Anwender

Während der Konkurrent C64 in Deutschland vor allem als Spielerechner reüssierte, war der Schneider CPC eher das Gerät der Wahl für die etwas ernsthafteren Anwender. Der hochauflösende Modus von 640 x 200 Pixeln prädestinierte den Rechner für Bürozwecke; Softwarehäuser wie Data Becker veröffentlichten ihre Bürolösungen unter anderem nativ für den Schneider-Computer.

Da der CPC auch unter dem damals sehr populären PC-Betriebssystem CP/M betrieben werden konnte, stand dem Rechner zudem eine umfangreiche Anwendungsbibliothek zur Verfügung. Die Voraussetzung für den CP/M-Betrieb war ein Diskettenlaufwerk. Für den CPC 464 gab es ein externes Drei-Zoll-Laufwerk zum Nachkaufen, spätere Modelle wie der CPC 664 oder der CPC 6128 besaßen ein fest eingebautes Floppy-Laufwerk. Somit waren Programme wie die damals weltweit führende Textverarbeitung Wordstar oder die Datenbanklösung dBase II über CP/M auf dem Schneider nutzbar.

Dank seiner einfachen Programmierbarkeit wurde der CPC auch als Schulrechner populär. Viele Schulen, die Mitte der achtziger Jahre das Fach Informatik einführten, beschafften den Schneider-Rechner für den Unterricht.

Der Bruder im Osten

Kurioserweise entstand Ende der achtziger Jahre in der DDR ein Klon des Amstrad-Rechners. Der VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ in Mühlhausen entwickelte unter dem Namen „KC compact“ einen Nachbau des CPC. Sogar das CP/M-Betriebssystem wurde geklont. Gerüchteweise stand einer weiteren Verbreitung des „KC compact“ der Mauerfall im Wege, denn aufgrund der Grenzöffnung bestand kein Bedarf mehr für die DDR-Eigenentwicklung.

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings auch im Westen die Popularität des Schneider CPC im Schwinden begriffen. Die Schneider-Rundfunkwerke hatten die Partnerschaft mit Amstrad aufgekündigt und boten unter dem Namen „Euro PC“ hauptsächlich IBM-kompatible Rechner an. 2002 ging Schneider schließlich in die Insolvenz. Amstrad dagegen existiert immer noch: Firmengründer Alan Sugar verkaufte das Unternehmen an den britischen Pay-TV-Anbieter BSkyB. Es entwickelt und fertigt heute die Set-Top-Boxen für den Bezahlfernsehsender.

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