MINT-Herbstreport 2023 Den Fachkräftemangel an der Wurzel packen

Von Ira Zahorsky 3 min Lesedauer

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285.000 MINT-Arbeitskräfte fehlen in Deutschland. Das sind zwar weniger als im Vorjahr, doch neue Herausforderungen wie Klimaschutz und Digitalisierung werden den Bedarf rasch ansteigen lassen. Das Problem beginnt bereits in der Schule.

Um dem IT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, müssen Anstrengungen in alle Richtungen unternommen werden.(Bild:  Nuthawut - stock.adobe.com)
Um dem IT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, müssen Anstrengungen in alle Richtungen unternommen werden.
(Bild: Nuthawut - stock.adobe.com)

„Der erste Schritt in die MINT-Welt ist MINT-Unterricht, der Spaß macht und Neugierde weckt“, ist Christina Ramb, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e. V.), überzeugt. Doch der Lehrkräftemangel in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik macht dem Nachwuchs und damit auch der deutschen Wirtschaft gleich am Beginn der Kette einen Strich durch die Rechnung. „Der MINT-Lehrkräftemangel entfaltet dauerhaft eine mehrfach negative Wirkung“, behaupten die Vorstände des Nationalen MINT Forums, Edith Wolf und Prof. Dr. Carsten Busch. Ein reduziertes Angebot in den MINT-Fächern führe zu Kompetenzverlusten und beeinflusse so mittelfristig die Entscheidungen von Schülern für die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung oder eines Studiums in MINT-Disziplinen, so die Experten.

„Nötig sind eine flächendeckende Bereitstellung digitaler Infrastrukturen für den Schulunterricht, tragfähige Lehr- und Lernkonzepte, Informatik in den Stundentafeln aller Länder, Digitalisierung von Schulabläufen und länderübergreifende Anstrengungen bei der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte sowie Quereinsteigender und der Einsatz von multiprofessionellem Personal“, kommentiert Prof. Dr. Christoph Meinel, Vorstandsvorsitzender von MINT Zukunft schaffen, das Problem.

Dabei werden MINT-Experten dringend in der Wirtschaft für die fortschreitende Digitalisierung benötigt. Kleinen und mittelständischen Unternehmen ist der Nutzen datengetriebener Geschäftsmodelle oft noch nicht deutlich genug bewusst. Hier werden aber künftig ebenfalls immer mehr MINT-Beschäftigte gebraucht, die heute bereits in den großen Unternehmen fehlen. Dem Herbstreport zufolge scheiden aktuell jährlich 64.800 entsprechende Experten aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt aus. Der derzeitige demografische Ersatzbedarf liegt bei knapp 260.000. Tendenz steigend.

Unterstützung durch außerschulische Partner

Auch bei den MINT-Lehrkräften wird der Bedarf in den kommenden zehn Jahren von derzeit rund 113.000 auf 133.000 steigen. Das ist ein Plus von 17,6 Prozent. Eine Möglichkeit, den Lehrkräftemangel abzufangen, sieht Christina Ramb in der Unterstützung durch außerschulische Partner. Hier könnten auch Hersteller mit ins Boot genommen werden, die Praktika für Schüler, vielleicht auch speziell für Mädchen anbieten, und ihnen nach dem Schulabschluss auch Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Das Netzwerk „SCHULEWIRTSCHAFT“, in dem sich Experten ehrenamtlich engagieren, kann bei der Berufsorientierung helfen.

Frauen, Ältere und Zuwanderer

Um die aktuelle MINT-Lücke von 285.000 Arbeitskräften zu schließen, müssen auch Frauen, Ältere und Zuwanderer besser gefördert werden. „Der Frauenanteil in MINT-Berufen hat von 13,8 Prozent Ende 2012 auf 16,1 Prozent im März 2023 zugenommen. Die MINT-Beschäftigung von Personen im Alter ab 63 Jahren ist in den letzten zehn Jahren um 153.700 gestiegen, davon allein um 65.500, weil 61-63-Jährige in den Folgejahren länger im Arbeitsmarkt bleiben. Unter Zugewanderten ist die Beschäftigungsdynamik besonders groß – ohne Erfolge bei der Zuwanderung würden rund 413.800 MINT-Fachkräfte zusätzlich fehlen“, verdeutlicht Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter Themencluster Bildung, Innovation und Migration am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die missliche Lage.

Das sehen auch Edith Wolf und Prof. Dr. Carsten Busch so: „Um Deutschland als erfolgreichen Wirtschaftsstandort zu halten, müssen sowohl Fachkräftekrise als auch die Probleme im Bildungssystem zügig gelöst werden. Nur wenn das Unterrichtsangebot und die Unterrichtsqualität in einem hohen Maß gewährleistet werden, kann das Bildungssystem seinen Anspruch auf die Schaffung von Chancen und Teilhabe für alle Kinder und Jugendliche realisieren und die dringend benötigten Fachkräfte von morgen ausbilden.“

Fachkräfte: Woher nehmen?

Mehr MINT-Lehrkräfte, dadurch Ausbau und Förderung des Bildungssystems
Spezielle Angebote und Förderungen für Mädchen und Frauen
Attraktivere Rahmenbedingungen für ältere Fachkräfte
Abbau der bürokratischen Hürden für Zuwanderer

Neben einer entsprechenden Förderung im Bildungssystem gilt es aber eben auch, MINT-Studiengänge und -Berufe durch eine klischeefreie Berufs- und Studienorientierung für Mädchen und Frauen interessanter zu machen. Um ältere Experten länger im Beruf zu halten, sollte der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen für einen späteren Renteneintritt verbessern und entsprechende Anreize schaffen. Für Zuwanderer sollten die bürokratischen Prozesse verschlankt und beschleunigt werden, um die Chancen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes besser zu nutzen.

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Über den MINT-Report

Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag folgender Mitglieder des Nationalen MINT Forums: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Arbeitgeberverband Gesamtmetall und MINT Zukunft schaffen.

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