Sicherheits-Revolution im Netzwerk-Umfeld Das Zero-Trust-Konzept in der Netzwerksicherheit

Von Philippe Schrettenbrunner 4 min Lesedauer

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Herkömmliche Netzwerksicherheitsmaßnahmen erweisen sich gegen beständig raffinierter werdende Cyber-Bedrohungen immer öfter als unzureichend. Mit dem Konzept des Zero-Trust-Ansatzes können sich Unternehmen jedoch passgenau gegen Bedrohungen schützen. Doch worauf gilt es zu achten?

Philippe Schrettenbrunner ist stellvertretender Bereichsleiter Cybersecurity beim IT-Dienstleister MaibornWolff und erläutert in seinem Beitrag die Vorteile des Zero-Trust-Konzepts.(Bild:  MaibornWolff)
Philippe Schrettenbrunner ist stellvertretender Bereichsleiter Cybersecurity beim IT-Dienstleister MaibornWolff und erläutert in seinem Beitrag die Vorteile des Zero-Trust-Konzepts.
(Bild: MaibornWolff)

Das Aufkommen von Cloud Computing, Software-as-a-Service-Modellen und Remote-Arbeit, aber auch die Verbreitung von IoT-Geräten hat die Funktionsweise von Netzwerken grundlegend verändert und macht perimeterbasierte Sicherheitsmodelle obsolet. Als Antwort auf diese Herausforderungen hat sich das Zero Trust-Konzept als geeigneter Ansatz in der Cybersicherheit erwiesen, da er einen effektiveren Schutz sensibler Daten und kritischer Infrastrukturen bietet.

Zero Trust ist ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das auf dem Prinzip „never trust, always verify“ beruht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sicherheitsmodellen, die von Vertrauen innerhalb des Netzwerks ausgehen, geht Zero Trust davon aus, dass Bedrohungen sowohl von außen als auch von innen kommen können. Keiner Einheit und keinem Akteur, ob innerhalb oder außerhalb des Netzwerks, sollte demzufolge standardmäßig vertraut werden.

Die wichtigsten Bausteine des Zero Trust-Modells

Das Herzstück des Zero Trust-Modells ist die identitätszentrierte Sicherheit. Traditionelle Netzwerksicherheitsmodelle konzentrieren sich oft auf die Sicherung des Netzwerkrands und übersehen dabei die Bedeutung der Authentifizierung und Autorisierung einzelner Benutzer und Geräte. Zero Trust hingegen stellt die Identität in den Mittelpunkt der Sicherheitsstrategie und verlangt von Benutzern und Geräten, dass sie sich authentifizieren und ihre Identität nachweisen, bevor sie auf Ressourcen im Netzwerk zugreifen. Jeder Benutzer und jedes Gerät erhält Zugriff auf Grundlage seiner spezifischen Identitätsattribute wie Rolle, Standort und Gerätezustand. Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und kontinuierliche Authentifizierungsmechanismen fügen zusätzliche Sicherheitsebenen hinzu, um die Identitäten während der gesamten Sitzung zu überprüfen. Dieser Ansatz trägt dazu bei, unbefugten Zugriff zu verhindern und das Risiko des Diebstahls von Anmeldeinformationen und Insider-Bedrohungen zu verringern.

Eine tragende Säule von Zero Trust ist auch das Konzept der Mikrosegmentierung. Anstatt sich auf einen einzigen Perimeter zum Schutz des gesamten Netzwerks zu verlassen, befürwortet Zero Trust die Aufteilung des Netzwerks in kleinere, besser zu verwaltende Segmente auf der Grundlage von Faktoren wie Benutzerrollen, Datensensibilität und Anwendungsabhängigkeiten. Jedes Segment wird dann isoliert und mit einem eigenen Satz von Sicherheitskontrollen geschützt, wodurch die seitliche Bewegung von Bedrohungen im Falle eines Angriffs effektiv eingeschränkt wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Zero Trust ist die kontinuierliche Überwachung und Analyse. In einer dynamischen und sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungslandschaft sind statische Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr ausreichend. Zero Trust plädiert für eine Echtzeitüberwachung des Netzwerkverkehrs, des Nutzerverhaltens und der Systemaktivitäten, um Anomalien und potenzielle Sicherheitsvorfälle umgehend zu erkennen und darauf zu reagieren. Durch den Einsatz fortschrittlicher Analysen und maschineller Lernalgorithmen können Unternehmen tiefere Einblicke in ihre Netzwerkumgebung gewinnen und Sicherheitsrisiken erkennen, bevor sich ein Angriff ereignet.

Zero Trust erfordert ein Umdenken

Die Implementierung einer Zero-Trust-Architektur erfordert eine nicht zu unterschätzende Investition von Zeit, Ressourcen und Fachwissen. Unternehmen sollten sich zunächst ein umfassendes Bild von ihrer Netzwerkumgebung machen, ihre wichtigsten Ressourcen und Daten identifizieren und klare Richtlinien für die Zugriffskontrolle festlegen. Zu beachten ist auch, dass sich ältere Systeme generell schwieriger einbinden lassen als neuere Systeme. Darüber hinaus müssen die notwendigen Technologien und Tools implementiert werden, um die Richtlinien effektiv durchzusetzen. Dies kann den Austausch oder die Aufrüstung der bestehenden Infrastruktur erforderlich machen.

Notwendig ist indes auch ein sinnvolles Rechte- und Rollenkonzept: Denn wenn Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geklärt sind, laufen Unternehmen Gefahr, dass Arbeitsprozesse ins Stocken geraten. Die Folge ist häufig, dass die Zahl der Zugriffsberechtigten notgedrungen erhöht wird, um die Prozesse wieder zu beschleunigen. Dies ist selbstverständlich nicht im Sinne des Zero Trust-Ansatzes und wirkt sich nachteilig auf die Netzwerksicherheit aus. Zu einem durchdachten Rechte- und Rollenkonzept gehört auch, dass es mit der jeweiligen Organisation und deren Herausforderungen wächst und laufend aktualisiert wird. Dabei sollte nicht zuletzt auf Verständlichkeit und Transparenz geachtet werden, um den Überblick über die Berechtigungs- und Rollenzuweisungen für alle Beteiligten zu jeder Zeit zu gewährleisten.

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Für die Umsetzung des Zero Trust-Konzepts bedarf es also eines grundlegenden Kulturwandels in den Unternehmen. Im Zentrum steht die Abkehr von der traditionellen Denkweise, die besagt, dass man allem innerhalb der Netzwerkgrenzen vertraut, sowie eine skeptischere und vorsichtigere Herangehensweise an die gesamte Sicherheitsthematik. Dazu sind Änderungen an den Unternehmensrichtlinien, Prozessen und dem Verhalten der Mitarbeiter vonnöten, um die Akzeptanz aller Beteiligten sicherzustellen. Das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter sollte durch regelmäßige Schulungen sensibilisiert werden, denn nur wenn sie einen fundierten Einblick in die Grundsätze des Ansatzes bekommen, empfinden sie die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen nicht als Belastung, sondern als Notwendigkeit zur Schaffung einer sicheren Umgebung.

Implementierung lohnt sich

Die Vorteile von Zero Trust überwiegen jedoch bei weitem die Kosten. Denn gerade durch die stark zunehmende Nutzung von Software-as-a-Service-Angeboten befinden sich die Systemlandschaften von Unternehmen nicht mehr nur innerhalb der Grenzen eines (virtuellen) Rechenzentrums. Dies macht ein rigideres Sicherheitskonzept geradezu notwendig. Durch die Einführung des Zero-Trust-Ansatzes können Unternehmen das Risiko von Datenschutzverletzungen, Insider-Bedrohungen und externen Cyberangriffen erheblich reduzieren. Außerdem können sie ihre allgemeine Sicherheitslage verbessern, indem sie proaktive Sicherheitsmaßnahmen implementieren, die sich an die dynamische Bedrohungslandschaft anpassen.

Philippe Schrettenbrunner.(Bild:  MaibornWolff)
Philippe Schrettenbrunner.
(Bild: MaibornWolff)

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Zero Trust einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise darstellt, wie Unternehmen an die Sicherheit ihrer Systemlandschaft herangehen. Durch die Abkehr von einem vertrauensbasierten Konzept und die Einführung eines kritischeren Sicherheitsmodells können Unternehmen ihre sensiblen Daten und geschäftskritischen Werte in einer zunehmend komplexen und vernetzten Welt besser schützen. Auch wenn der Weg zu Zero Trust mit Herausforderungen verbunden sein mag, so lohnt sich die Mühe allemal.

Über den Autor

Philippe Schrettenbrunner ist stellvertretender Bereichsleiter Cybersecurity beim IT-Dienstleister MaibornWolff. Er ist Experte für Ethical Hacking, Clean Code und sichere Software-Architekturen und gibt sein Wissen in internen und externen Schulungen weiter.

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