KI als Compliance-Helfer Compliance-Probleme und regulatorischer Druck schrauben sich nach oben

Von Dr. Stefan Riedl 4 min Lesedauer

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Ein Drittel der Unternehmen in Deutschland ist laut einer aktuellen Umfrage überfordert bei der Umsetzung von EU-Vorschriften wie der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) oder der Hinweisgeber-Richtlinie. Der Druck nimmt weiter zu.

KI hilft vermehrt in Sachen Compliance.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
KI hilft vermehrt in Sachen Compliance.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Unter „Compliance“ versteht man die unternehmensweite Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften, internen Richtlinien und ethischen Standards sowie die dafür eingerichteten Prozesse und Kontrollen. Tendenziell tun sich größere Unternehmen, die teilweise eigene Rechtsabteilungen unterhalten, leichter beim Einhalten von Compliance-Richtlinien. Und tendenziell drücken schärfere Compliance-Vorgaben auf die Unternehmerfreundlichkeit in einem Staat.

Hilfe in Sachen Compliance

Oliver Riehl, Regional Vice President Sales, Navex(Bild:  NAVEX)
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales, Navex
(Bild: NAVEX)

Navex zählt zu den Anbietern für Tools und Lösungen in diesem Bereich, also Governance, Risk und Compliance. Mit „Navex One AI“ hält damit Künstliche Intelligenz Eingang in die Tools und unterstützt Organisationen dabei, Risiko- und Compliance-Prozesse effizienter zu gestalten. „Die Plattform nutzt KI-gestützte Automatisierung, um Muster in Daten zu erkennen, Prioritäten zu setzen und Entscheidungsprozesse zu verbessern“, so Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex. Alle Funktionen werden dabei in Abstimmung mit dem globalen Rechtsteam des Unternehmens entwickelt und an geltende regulatorische Anforderungen angepasst. Ziel sei es, menschliche Entscheidungen durch datenbasierte Analysen zu ergänzen und so das Compliance-Management zu stärken.

KI in der Compliance-Arbeit

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gewinne an strategischer Bedeutung, sagt Riehl und beruft sich auf eine aktuelle Umfrage, die das Unternehmen in Auftrag gegeben hat.

Hintergrund

Details zur Umfrage

Die Studie „A global risk & compliance pulse check“ wird von Navex als Teil von seit 2010 fortlaufenden Benchmark-Berichte durchgeführt. In Kooperation mit den Marktforschern „The Harris Poll“ wurden dafür knapp 1.000 Risk‑&‑Compliance‑Fachleute aus mehreren Branchen weltweit befragt. Im Fokus stehen Aufbau, Prioritäten und Leistungsfähigkeit von R&C‑Programmen, um Kennzahlen, Benchmarks und globale Umfragedaten zur Standortbestimmung und Verbesserung bereitzustellen.

Demnach sehen fast ein Drittel der befragten Unternehmen KI als wesentlich für ihr Compliance-Programm an. Die Technologie kann Aufgaben automatisieren und große Datenmengen verwalten, wodurch Ressourcen freigesetzt werden. Navex One kann beispielsweise auch dabei helfen, interne Bedrohungen im Auge zu behalten, das Fallmanagement zu vereinfachen und eine zeitnahe Nachverfolgung von Fällen sicherzustellen. „Unternehmen, die nun konsequent Softwareintegration und eine gesunde Berichtskultur implementieren, legen den Grundstein für ein zukunftssicheres GRC-Management“, ist Riehl überzeugt. Unter Akronym „GRC“ werden Governance, Risk und Compliance zusammengefasst.

Thema gewinnt an Bedeutung

Zu den wichtigsten Erkenntnissen der Navex-Studie für deutsche Unternehmen zählt für den Vice President Sales, dass nur 60 Prozent der deutschen Vorstände im Jahr 2025 regelmäßige Berichte zu Compliance-Themen erhielten. Nur 26 Prozent waren demnach stark mit dem Thema beschäftigt. Aber: Mehr als ein Drittel der Befragten erlebten in den letzten drei Jahren eine Sicherheitsverletzung. Wie man es dreht und wendet: Der regulatorische Druck nimmt weiter zu. So hat in der Umfrage fast jedes dritte deutsche Unternehmen eingeräumt, von der Umsetzung von EU-Vorschriften wie der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), dem KI-Gesetz oder der Hinweisgeber-Richtlinie überfordert zu sein.

Der Umfang von Compliance-Programmen wächst exponentiell mit der Anzahl der Richtlinien.

Oliver Riehl, Regional Vice President Sales, Navex

Wirklichkeit und Schein

Doch warum bewerten Unternehmen ihre Compliance-Programme oft besser, als sie tatsächlich sind? Das legen zumindest die Zahlen aus der Umfrage nahe. „Schwächen im Risiko- und Compliance-Management werden oft durch das Fehlen einer Speak-Up-Kultur verschärft“, so Riehl. Wenn Mitarbeiter Verstöße nicht melden, werden demnach Lücken zu spät oder gar nicht erkannt. Dies könne auf viele Gründe zurückzuführen sein, wie beispielsweise Angst vor Vergeltungsmaßnahmen oder mangelndem Vertrauen, aber es kann auch zu einem falschen Sicherheitsgefühl im Unternehmen führen. Die Bedenken sind laut Riehl nicht unbegründet. Man müsse sich von der Idee entfernen, dass es nur einen einzigen größten Risikobereich gibt. Wer sich ausschließlich auf Technologie konzentriert, riskiere blinde Flecken. „Beispielsweise wird die Anpassung des deutschen Gesetzes zur Sorgfaltsprüfung der Lieferkette (LkSG) an die nach wie vor fließende EU CSDDD-Richtlinie Unternehmen zunehmend dazu verpflichten, Fehlverhalten systematisch zu erkennen“, so der Manager.

Umfang der Compliance-Programme wächst

Der Umfang von Compliance-Programmen wächst nach einer Einschätzung des Navex-Managers mit der Anzahl der Richtlinien exponentiell – und zwar oft über das hinaus, was bestehende Strukturen bewältigen können. Zwei der am häufigsten genannten Hindernisse für ein effektives Risikomanagement sind laut Umfrage eine geringe Priorisierung des Themas und eine fehlende Unterstützung durch das Top-Management.

Hintergrund

Oliver Riehl und Navex

Als Regional Vice President Sales bei Navex baut Oliver Riehl die Marktentwicklung in Deutschland aus. Riehl verfügt über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung. Navex hat weltweit rund 13.000 Kunden – darunter viele Großunternehmen.

Die Angst schwingt mit

Die Möglichkeiten, die KI für effizientere Prozesse bietet, stehen außer Frage. Aber es gibt auch erhebliche Bedenken, so Riehl. Diese sind folgende: „Fast 40 Prozent sehen das Risiko verpasster regulatorischer Änderungen, über ein Drittel nennt eine mangelnde Sichtbarkeit von Risiken in ihrem Unternehmen und fast 30 Prozent sind besorgt über Lücken in der Umsetzung von Compliance-Kontrollen.“ Insgesamt könne KI die menschliche Belegschaft nicht ersetzen und muss engmaschig überwacht werden, heißt es aus dem Hause Navex.

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