Cisco Telepresence auf dem Vormarsch BT Germany rüstet sich für die Collaboration der Zukunft
eCollaboration kann mehr sein als Document-Sharing und ein kleiner ruckelnder Videostream auf dem Standard-Monitor. Wenn es am Geld nicht scheitert, können sich Unternehmen mit der Cisco-Telepresence-Technologie so vernetzen, dass es dem Raumschiff Enterprise zur Ehre gereichen würde. IT-BUSINESS sprach mit Christian Dietl, General Manager bei BT Global Services, über den Sinn audiovisueller Täuschungen in der Standortvernetzung.
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Seit etwa einem Jahr sind Cisco Telepresenter auf dem Markt und werden inzwischen in etwa 100 Großunternehmen eingesetzt. Sie erzeugen ein sehr realitätsnahes Abbild der zusammen arbeitenden Menschen. Bei diesen so genannten Telepresence-Meetings werden hoch aufgelöste Videobilder der Konferenzteilnehmer in Lebensgröße in einer speziell gestalteten Konferenzumgebung in Echtzeit übertragen.
Ein ovaler Konferenztisch ist dabei zur Hälfte real als Möbelstück mit sechs Sitzplätzen vorhanden. Die andere Hälfte mit sechs Sitzplätzen ist nur virtuell auf drei 65-Zoll-Plasma-Bildschirmen zu sehen. Kameras, Mikrofone, Lautsprecher und eine Lampengruppe zählen zur Basisausstattung. Den realen Konferenzteilnehmern wird suggeriert, dass ihnen die Teilnehmer, die sich in Wirklichkeit an anderen Orten befinden, real gegenüber sitzen.
ITB: BT ist dabei, rund 20 Standorte weltweit mit dem Cisco-Collaboration-System »Telepresence« zu vernetzen und hat in München einen Show-Room für Kunden eingerichtet – das war sicherlich nicht die günstigste Lösung. Sie haben auch andere Anbieter im Programm und haben den entsprechenden Überblick: Warum dominiert der Telepresenter von Cisco die öffentliche Wahrnehmung, wenn es um Video-Collaboration geht?
Dietl: Es gibt einige Player, die sich im Videoconferencing-Markt tummeln. Auf der einen Seite welche, die eher aus der Software-Ecke kommen, und auf der anderen Seite jene, die ihr Stammgeschäft eher im Netzwerk-Bereich haben. Cisco kommt aus der Netzwerk-Ecke – vielleicht ist das mit ein Grund, warum das Unternehmen nicht so Desktop-getrieben und mit den Telepresence-Systemen in neuen Bahnen gedacht hat. Mit Telepresence hat Cisco diesen Markt in den letzten Monaten stark geprägt und vorangetrieben. Es gibt gegenwärtig kaum einen anderen Hersteller, der solch eine Qualität bringt, die Cisco hier erzielt.
ITB: Das hat aber auch seinen Preis. Der Listenpreis für ein System beträgt laut Cisco-Website 300.000 US-Dollar – für jeden angebundenen Standort, wohlgemerkt. Dann kommen Unternehmen wie die BT Germany ins Spiel, die für die Implementierung sorgen. Auf welchen Betrag summieren sich denn die Gesamt-Einführungskosten pro Standort?
Dietl: Es ist sehr schwer, hier eine preisliche Hausnummer zu nennen, denn die Gesamtkosten sind stark davon abhängig, was an Netzwerkinfrastruktur und geeigneten Räumlichkeiten bereits vorhanden ist. Ausgehend von einer »grünen Wiese« können sich die Kosten durchaus auf 300.000 Euro über eine Laufzeit von 36 Monaten je Standort summieren.
ITB: Und welche Bandbreite wird dafür benötigt?
Dietl: Um in der Praxis ein optimales Ergebnis zu erzielen, können Sie mit etwa fünf Megabit pro Sekunde und Plasmabildschirm rechnen, also beim großen Telepresence-System, dem CTS 3000, liegt der Bandbreitenbedarf bei etwa 15 Megabit pro Sekunde. Theoretisch lässt sich das mit entsprechenden Qualitätseinbußen um etwa 40 Prozent nach unten skalieren – aber wenn sich ein Unternehmen für diese Lösung entscheidet, fängt es in der Regel nicht ausgerechnet bei der Bandbreite zu sparen an. Gelöst wird das über entsprechende Anbindungen mit hoher Bandbreite, beispielsweise Glasfaser-Anbindungen.
ITB: Könnten dafür auch mehrere DSL-Anschlüsse gekoppelt werden?
Dietl: Das würde zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Sie bekommen zwar heute an vielen Orten bereits DSL mit 16 Megabit pro Sekunde, aber erstens ist diese Bandbreite nicht garantiert, und zweitens ist es ja auch nur die Größenordnung für den Download – aber für eine Videokonferenz brauchen Sie die Bandbreite in beiden Richtungen.
ITB: Der Gesamteindruck in einem Raum mit den anderen Teilnehmern zu sitzen, wird nicht nur von der Technologie bestimmt, sondern auch vom optischen und akustischen Gesamteindruck. Wie wird der erhalten?
Dietl: Wenn wir hier in unserem Showroom in München eine gelbe Hintergrundfarbe haben, brauchen wir denselben Farbton natürlich auch in Hong-Kong, um nur ein Beispiel zu nennen. Deswegen beschäftigen sich umfangreiche Audits mit tauglichen Teppichböden, Wandfarben und dem Mobiliar. So sorgen wir dafür, dass es möglichst keine Unterschiede zwischen den Standorten und somit keinen Bruch des Gesamteindrucks gibt.
ITB: Wo liegen die Hauptgründe, warum Unternehmen die hohen Investitionskosten in Kauf nehmen und das System einführen?
Dietl: Der Hauptbeweggrund ist wohl, Reisekosten einzusparen, also direkte Reiseaufwände und indirekte, in Form unproduktiver Zeit, die man beispielsweise am Flughafen verbringt. Bei einem BT-Kunden, der das System gleich zur Markteinführung implementierte und 15 seiner weltweiten Standorte vernetzt hat, haben sich die hohen Einführungskosten bereits ein Jahr später allein über eingesparte Reisekosten amortisiert. Es gibt aber auch andere Beweggründe. Dann werden teilweise über das System Reisen in Gefahrengebiete vermeidbar. So müssen Top-Manager beispielsweise nicht mehr quer durch Moskau mit Personenschutz fahren. Am Ende des Tages lässt sich das dann auf die Frage reduzieren »was ist mir mein Leben wert?«. Außerdem stellt es die eCollaboration qualitativ auf eine völlig neue Ebene. Man muss in der Praxis erlebt haben, wie hier standortübergreifend auf einmal ganz anders zusammen gearbeitet wird. Vielleicht liegt das daran, dass eine Abmachung viel verbindlicher wirkt, wenn man nicht nur einen Namen im eMail-System kennt, sondern dem Menschen persönlich in die Augen gesehen hat. Außerdem spielt der Umweltgedanke eine entscheidende Rolle. Glücklicherweise entspricht es langsam dem Zeitgeist, Emissionen einzusparen und einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.
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