Nummer eins bei der Kreislaufwirtschaft Brother: Refurbishing nun auch bei Tintenpatronen

Von Klaus Länger 4 min Lesedauer

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Drucker gelten wegen Verbrauchsmaterialien wie Tonerkartuschen und Tintenpatronen als wenig nachhaltig. Brother setzt nun aber auch bei den Patronen für Tintendrucker konsequent auf Wiederverwertung. Nachhaltiger durch das Produktdesign sollen die kommenden Geräte werden.

Bisher hat Brother nur gebrauchte Tonerkartuschen aufgearbeitet und erneut befüllt. Nun ist das auch bei einigen Modellen von Tintenpatronen der Fall. Damit soll Brother unter allen Druckerherstellern die führende Position bei der Kreislaufwirtschaft einnehmen.(Bild:  Brother)
Bisher hat Brother nur gebrauchte Tonerkartuschen aufgearbeitet und erneut befüllt. Nun ist das auch bei einigen Modellen von Tintenpatronen der Fall. Damit soll Brother unter allen Druckerherstellern die führende Position bei der Kreislaufwirtschaft einnehmen.
(Bild: Brother)

Brother bezeichnet sich selbst als „führend in Sachen Nachhaltigkeit“ und beruft sich dabei auf IDC Marketscape. Eine große Rolle spielt dabei die Kreislaufwirtschaft, die ausgeprägter sein soll als bei anderen Herstellern von Druckern und MFPs. Die Devise ist dabei: Remanufacturing, also Aufbereitung von Verbrauchsmaterial, ist besser als Recycling und in den Müll soll gar nichts mehr wandern. Für die Umsetzung dieses Ziels sind in Europa zwei Werke zuständig: Krupina in der Slowakei und Wrexham in Großbritannien. In dem britischen Werk findet nun auch eine Wiederaufarbeitung gebrauchter Tintenpatronen statt, die IT-BUSINESS vor Ort in Augenschein nehmen konnte.

Viel Handarbeit und selbst entwickelte Maschinen

Das in North Wales gelegene Werk mit etwa 180 Beschäftigten besteht schon seit 1985 und hat früher Schreibmaschinen produziert. Seit einigen Jahren ist es ein zentraler Standort für Refurbishing und Recycling. Dort werden nicht nur gebrauchte Tonerkartuschen und Tintenpatronen wiederaufbereitet und erneut befüllt, sondern auch Geräte refurbished.

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Zudem werden die für die Abläufe benötigten Anlagen in Wrexham entworfen und gebaut, auch für die anderen Refurbishing- und Recycling-Werke. Dabei bietet der Herstellern den im Refurbishing tätigen Mitarbeitern die Möglichkeit, sich intern für die Entwicklung und den Bau der Anlagen zu qualifizieren und damit eine anspruchsvollere und besser bezahlte Tätigkeit auszuüben.

Wie Juan Carot, Senior Project Manager im Recycling Technology Centre, ausführt, werden bei Tonerkartuschen ein großer Teil der Komponenten wiederverwertet, sofern sie nicht beschädigt sind. Carot spricht von 87 Prozent des Gewichts abzüglich Toner und Verpackung und damit deutlich mehr als bei den Wettbewerbern. Leere Kartuschen werden zerlegt und inspiziert, notwendige Neuteile im Werk per Spritzguss produziert. Dabei wird größtenteils auf sortenreinen Kunststoff aus dem internen Recycling zurückgegriffen. Das ist laut dem Senior Project Manager nur möglich, da das Design der Kartuschen bereits auf Wiederverwertbarkeit ausgelegt ist, etwa durch speziell dafür entwickelte Komponenten und passende Kunststoffe. Bei gängigen Tonerkartuschen laufen viele Schritte des Refurbishing-Prozesses automatisiert ab, was den Durchsatz erhöht und die Kosten senkt. Zudem übernimmt die Spritzguss-Abteilung auch Aufträge anderer Firmen, um so die Maschinen besser auszulasten.

Bei dem 2024 gestarteten Refurbishing gebrauchter Tintenpatronen findet nicht einfach nur eine Neubefüllung statt, sondern ein Refurbishing, das dem Neuzustand entspricht. Dafür werden alle zurückgegebenen Patronen inspiziert, komplett geleert und gereinigt, einer Druckprüfung unterzogen und das Cover durch ein Neuteil aus Recyclingmaterial ersetzt. Erst dann wird befüllt und ein neu beschriebener Chip montiert. Derzeit können Patronen für zwei Engines bearbeitet werden, die Ausweitung auf eine dritte Engine ist in Planung.

Ein Refurbishing führt der Hersteller nur bei Originalpatronen durch, da hier die Zusammensetzung der Tinte bekannt ist, was sicher stellt, dass keine Umwelt- oder gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten sind. Von Refillern befüllte Patronen, beschädigte Patronen oder solche anderer Hersteller werden gesammelt und bei einem Pyrolyse-Unternehmen zu Bioöl verarbeitet.

Natürlich ist das Refurbishing nur bei Patronen und Kartuschen möglich, die auch zurückgegeben werden. Um den Anteil zu steigern, legt Brother Versandhüllen für die Gratis-Rücksendung bei oder stellt Versandkartons für mehrere Kartuschen oder Patronen bereit.

Wir bei Brother forcieren die Kreislaufwirtschaft – auch wenn es uns Geld kostet.

Sascha Bick

Wie Sascha Bick, Director Sales und Marketing bei Brother International, dazu anmerkt, ist das durchaus eine Investition in den Umweltschutz. Denn für den Hersteller sind das Sammeln und die Wiederaufbereitung kostspieliger als die Produktion neuen Verbrauchsmaterials in Asien. Ein positiver Nebeneffekt ist allerdings die kürzere und sichere Lieferkette, so Bick.

Sascha Bick, Director Sales und Marketing bei Brother International.(Bild:  Brother)
Sascha Bick, Director Sales und Marketing bei Brother International.
(Bild: Brother)

Brother-Strategie für 2025

Bei den anstehenden Neuvorstellungen in diesem Jahr hat Nachhaltigkeit ebenfalls einen Einfluss. So wird eine neue Generation von MFPs mit per Flasche nachfüllbaren Tintentanks auch in Deutschland auf den Markt kommen. Bisher gab es solche Geräte von Brother nur in ­Osteuropa. Auch das Gehäusedesign soll sich ändern: Dunkle Gehäuse ermöglichen einen größeren Anteil an Recycling-Kunststoff und erleichtern das Refurbishing der Geräte, da sie nicht vergilben.

Das vergangene Jahr charakterisiert Bick angesichts des herausfordernden Umfelds als „Auf und Ab“, ist aber insgesamt zufrieden, da Brother die Position im Markt sogar ausbauen konnte. In diesem Jahr sollen neue Farblasergeräte für den SMB-Sektor und Inkjet-Geräte für den SOHO-Markt dabei helfen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Zudem will der Hersteller sein EcoPro-Abo-Modell ausbauen.

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Ein neues Produktsegment für den Fachhandel stellen zwei Sondermodelle für den Druck vorläufiger Ausweise dar, die für Behörden bestimmt sind. Die Geräte verarbeiten Blankovordrucke der Bundesdruckereien und sind dafür mit einer speziellen Firmware und angepassten Treibern ausgestattet. Zuwachs erwartet Bick auch beim Geschäft mit Dokumentenscannern. Dabei kooperiert Brother mit Anbietern von Softwarelösungen.

Ein ebenfalls wichtiges Thema sind für den Hersteller Etikettendrucker, bei denen Brother einer der führenden Anbieter ist. Als Anwendungsbereiche nennt Bick das Gesundheitswesen, die Logistik oder auch Elektroinstallateure, die mit den kleinen mobilen Geräten Label für Schaltkästen oder Kabel erstellen. Der Brother-Verkaufschef sieht hier bei den Partnern Chancen für Synergieeffekte, wenn sie zusätzlich zu den Homeoffice- und Business-Geräten auch die Etiketten- und Belegdrucker in ihr Portfolio aufnehmen.

Die Partner will Brother zusätzlich durch vereinfachte Prozesse im Channel-Programm und eine direktere Kommunikation unterstützen. Nachhaltig arbeitende Partner haben zudem die Möglichkeit, eine entsprechende Auszeichnung zu erhalten, die jeweils für ein Jahr gilt.

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