Channel Fokus: Distribution Bei der Nachhaltigkeit ist jeder gefordert

Das Gespräch führte Michael Hase

Um die Ökobilanz zu verbessern, gibt es laut Barbara Koch, Managing Director Deutschland & Vice President Advanvced Solutions DACH bei Tech Data, viele Möglichkeiten. Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, um dann gemeinsam zu handeln.

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Mit nachhaltigem Verhalten und konsequentem Einsatz digitaler Technologien beeinflussen die großen Distributoren die Klimabilanz positiv.
Mit nachhaltigem Verhalten und konsequentem Einsatz digitaler Technologien beeinflussen die großen Distributoren die Klimabilanz positiv.
(Bild: j-mel- stock.adobe.com)

Barbara Koch, Managing Director Deutschland & Vice President Advanvced Solutions DACH bei Tech Data
Barbara Koch, Managing Director Deutschland & Vice President Advanvced Solutions DACH bei Tech Data
(Bild: Tech Data)

ITB: Die Halbleiterknappheit war in diesem Jahr allgegenwärtig in der Wirtschaft, nicht nur in der ITK-Branche. Kam es bei Ihren Lieferanten zu Engpässen und Verzögerungen? Und wie haben die sich auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Koch: Die Engpässe und Lieferprobleme betreffen nicht nur Halbleiter, sondern auch etliche andere Produkte einschließlich der anschließenden Logistik. Teilweise­ fehlen Rohmaterialien, wie beispielsweise für die Herstellung von Kunststoffteilen. Auch trifft es nicht alle Zulieferer oder Hersteller gleichermaßen. Es hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt welches Kontingent gesichert wurde. Aktuell sehen wir Verzögerungen an breiter Front. Die Transparenz bei den Lieferanten hat aber geholfen, Bestellungen weit im Voraus zu platzieren und Kunden frühzeitig zu notwendigen Änderungen im Bestell- und Wiederbeschaffungsmanagement zu beraten.

ITB: Wie gehen Sie mit der Situation um? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, und wie erklären Sie den Fachhandelspartnern die Lage?

Koch: Wir haben in Lagerhaltung investiert, um bei Run-Rate-Produkten möglichst lieferfähig zu bleiben. Als Lösungsanbieter haben wir insbesondere im Projektgeschäft eng mit Kunden zusammengearbeitet, um abhängig vom Projektstatus die Verfügbarkeit zu sichern oder „Early Warnings“ zu kommunizieren. Wir empfehlen unseren Partnern, uns frühzeitig in deren Projektplanung einzubeziehen, um so bestmöglich die Verfügbarkeit zu sichern und die Endkunden mit einem realistischen Lieferhorizont zu beraten.

ITB: Als eine Ursache der Halbleiterknappheit gilt die Allokation von Ressourcen wie Rohstoffen und Energie. Nicht ohne Grund wird in diesem Jahr so intensiv wie nie über Nachhaltigkeit diskutiert. Wie wichtig ist das für Tech Data?

Koch: Uns ist es sehr wichtig, das aber nicht erst seit diesem Jahr. Wir haben verschiedenste globale als auch lokale Aktivitäten und Optimierungen initiiert, die von unseren Mitarbeitern toll mitgetragen werden. Es ist an jedem von uns, im kleinen Umkreis zu optimieren und sich zu engagieren. Unserer Meinung nach wird nur so ein deutlicher Wandel für eine gesündere Welt und Bevölkerung möglich sein.

ITB: Nehmen Sie in puncto Nachhaltigkeit auch Einfluss auf die Strategien der Hersteller, die Sie distribuieren? Was tun Sie, um den Nachhaltigkeitsgedanken bei Ihren Fachhandelspartnern zu etablieren?

Koch: Unsere Hersteller sind da teils genauso aktiv wie wir. So haben wir eine gemeinsame Kampagne initiiert, die „Tech Data Footprint Kampagne“, um das Thema ­Drucker und Verbrauchsmaterialien noch deutlich breiter in den Markt zu tragen.

ITB: Die Distribution ist ein ressourcen­intensives Geschäft: der Transport von Waren, der Einsatz von Verpackungsmaterial, der Betrieb von Systemen und Plattformen. Wo setzten Sie den Hebel an? An welchen Punkten lässt sich die Ökobilanz am nachhaltigsten verbessern?

Koch: Es gilt hier, an einer großen Vielzahl verschiedenster Schrauben zu drehen. ­Natürlich versuchen wir, Transportwege zu vermeiden, indem wir zum Beispiel direkt zu Endkunden im Namen des Vertriebspartners liefern oder Müll sowohl in unseren Niederlassungen als auch im Lager vermeiden und recyceln. Aber es gibt viel mehr Möglichkeiten, um Ressourcen zu sparen. Fängt man einmal an, sich mit dem Thema zu beschäftigen, fallen einem auch die kleinsten Möglichkeiten auf.

ITB: Rücknahme und Remarketing gebrauchter Produkte spielen seit einigen Jahren auch in der Distribution eine Rolle. Nach unserer Beobachtung geht es vielen Händlern, wenn sie Rechner an die Distribution zurückgeben, aber mehr um die ordnungsgemäße und datenschutzkonforme Entsorgung als um Wiederverwendung. Wie läuft das Geschäft mit Lifecycle-Services?

Koch: Wir arbeiten hier mit einem darauf spezialisierten Unternehmen zusammen, dessen Kernkompetenz genau diese datenschutzgerechte sowie umweltkonforme Entsorgung ist.

ITB: Wie bringen Sie die Anforderung, schonend mit Ressourcen umzugehen, mit der Notwendigkeit, Umsatz und Ertrag zu steigern, in Einklang?

Koch: Das eine schließt das andere nicht aus. Die Frage für uns ist eher, wie wir es besser machen als andere. Es geht darum, sich als Unternehmen der Verantwortung zu stellen und sich Gedanken zu machen, wie man noch schonender mit Ressourcen umgehen kann. Und da ist jeder von uns gefordert. Wenn jeder in seinem Aufgabenbereich die Verantwortung mitträgt, werden wir einen guten Weg finden, auch als Unternehmen der nächsten Generation ­eine intakte Welt zu bieten.

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