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Wo bleibt der Nachwuchs?
Als dritter Punkt kommt die stärkere Ausrichtung an den Geschäftsprozessen der Kunden dazu. Michael Guschlbauer sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil die IT nicht mehr als notwendiges Übel sondern als innovativer Businesstreiber gesehen und gebraucht wird: „Es ist wunderbar, wie viele Menschen mit uns über IT reden. Nicht mehr nur der CIO und dessen Mitarbeiter wollen mit uns sprechen, sondern auch Verantwortliche in anderen Unternehmensbereichen. Sie alle sind auf der Suche nach Unterstützung für ihr Business durch die IT. Das macht richtig Spaß. Denn wir können Mehrwerte schaffen.“
Das weinende Auge rührt von dem damit verbundenen wachsenden, nur schwer zu deckenden Bedarf an fähigen IT-Beratern, die auf diesem Level die Architektur-Diskussion mit dem Kunden führen können. Da entsprechend qualifizierte Spezialisten auf dem freien Markt kaum zu bekommen sind, muss man sie selbst heranziehen. Ein ganz wichtiger Baustein sind dabei die „IT-Business-Architekten“ (der Begriff gefällt mir – wen wundert‘s – ausgesprochen gut!). Hier wie da steckt hinter dem Namen ein cleveres Konzept.
Die IT-Business-Architekten sind keine feste Abteilung oder Projektgruppe, sondern Mitarbeiter, die ein ganz bestimmtes Aus- und Weiterbildungsprogramm durchlaufen haben: „Wir verzeichnen eine ständig wachsende Nachfrage nach mittelstandsaffiner IT-Architektur- und Strategieberatung. Deshalb haben wir ein entsprechendes Weiterbildungs-Programm als Zertifikats-Lehrgang ins Leben gerufen“, so der für das Ausbildungsprogramm und die Rekrutierung der Kandidaten zuständige Bernd Krakau. Wobei Rekrutierung der falsche Begriff ist. Es geht eher um die möglichst faire Auswahl der Bewerber, denn die begrenzten Ausbildungsplätze sind mittlerweile innerhalb der Bechtle-Gruppe heiß begehrt.
Pro Jahr werden zehn bis 15 Mitarbeiter aus allen Teilen Deutschlands weitergebildet. Das Trainingsprogramm geht über ein Dreivierteljahr und umfasst technische und strategische Aspekte, berücksichtigt aber auch kaufmännische Belange (Investitionsrechnungen) und die interne Kommunikation von Architektur- und Investitionsentscheidungen. Zum Programm gehört zusätzlich ein drei- bis vierwöchiger Intensivkurs in der Zentrale in Neckarsulm. „In die Agenda des Ausbildungsprogramms ist das Feedback unserer Kunden eingeflossen“, so Krakau.
Hersteller von A bis Z
Zum Hersteller-Portfolio gehört das „Who is who“ der Branche: von A wie Acer bis Z wie Zebra. Mit VMware und EMC gehören zwei für Bechtle extrem, um nicht zu sagen existenziell wichtige Anbieter dazu, die direkt (EMC) oder indirekt (VMware) von der Akquise durch Dell betroffen sind. Bezüglich des Dell-EMC-Deals gibt sich Michael Guschlbauer gelassen: „Da muss man einfach abwarten. Immerhin, Dell hat sich in den letzten Jahren channel-mäßig sehr gut entwickelt.“ Allerdings, so ganz komplett ist die überraschende Projekt-Konkurrenz durch den Dell-Direktvertrieb immer noch nicht ausgeschlossen: „Es kommt viel seltener vor. Und wenn es passiert, dann ist es heute sehr viel einfacher, das schneller und direkter zu regeln.“
VMware ist für Bechtle fast überlebenswichtig: „Virtualisierung ist mittlerweile Commodity. Jetzt liegt der Fokus auf Automatisierungs- und Orchestrierungslösungen, die als Middleware in den Datacentern implementiert werden. Und diese Middleware ist existenziell wichtig. Es geht ja im weiteren Sinne um Cloud Computing. Mittlerweile sind wir sicher, dass sich die Technologien und Architekturen so konsolidiert haben, dass wir dazu vernünftig beraten können“, so die Einschätzung von Guschlbauer. Mit den beiden jüngst getrennten HP-Zwillingen HP Inc. und Hewlett Packard Enterprise bestehen traditionell enge Verbindungen: „HP hat den Split sehr gut hingekriegt. Respekt vor dieser tollen Leistung.“
Kleinere „Wadenbeißer“, wie Guschlbauer sie augenzwinkernd bezeichnet, also etwa Nutanix oder Simplivity, tauchen dagegen in den Bechtle-Projekten selten auf: „Dahinter steckt vielleicht auch die Angst vor der Proprietäts-Falle auf Kundenseite. Deshalb zögern die Kunden. Aber solche Firmen haben auf alle Fälle eines schon mal geschafft: „Sie haben den Großen Beine gemacht. Dafür gehört ihnen unser Respekt.“
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