„Wir dürfen KI nicht aus dem Elfenbeinturm entwickeln“ Adesso will KI auf den Boden der Tatsachen bringen

Von Alexander Siegert 4 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz pragmatisch und wirkungsvoll in bestehende Geschäftsprozesse zu integrieren, gehört zu den zentralen Aufgaben von IT-Dienstleistern. Adesso setzt dabei nicht auf große Luftschlösser, sondern verfolgt einen praxisnahen, bodenständigen Ansatz.

Adesso will Künstliche Intelligenz aus dem Elfenbeinturm in die Unternehmenspraxis holen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Adesso will Künstliche Intelligenz aus dem Elfenbeinturm in die Unternehmenspraxis holen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

In deutschen Unternehmen braucht es keine luftigen Versprechen, sondern praxisnahe KI-Anwendungen, die den Arbeitsalltag spürbar verbessern. Denn der typische deutsche Mittelständler interessiert sich kaum für das enorme Weltwissen, das durch die großen Sprachmodelle abgerufen werden kann. Er braucht eine kosteneffiziente Nutzung der Technologie auf den eigenen Datenbestand für einen ganz konkreten Use Case. Wirkliche Argumente gegen die KI-Einführung gibt es eigentlich fast keine, und fest steht auch, dass im technologischen Sinne die Experimentierphase vorbei ist.

Tim König, Head of GenAI, Adesso(Bild:  www.stefaniekoesling.de)
Tim König, Head of GenAI, Adesso
(Bild: www.stefaniekoesling.de)

„Heutzutage sind wir in der Lage, KI-Anwendungen selbst in hochkritischen Szenarien so einzusetzen, dass keine technologischen Herausforderungen mehr bestehen“, erzählt Tim König, Head of GenAI bei Adesso, im Interview auf dem Digital Day in Düsseldorf.

KMU haben Nachholbedarf

Trotzdem zögern viele Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere, weiterhin bei der Einführung von KI. Zwar existieren bereits ausgereifte Lösungen, die sich wirtschaftlich lohnen würden, doch die Umsetzung scheitert häufig an Unsicherheit und Zurückhaltung. Noch immer schwingt bei dem KI-Thema eine gehörige Portion Angst mit. Viele KMU fürchten sich vor der Komplexität der Technologie und den neuen regulatorischen Anforderungen, die damit einhergehen. Europäische Richtlinien wie die DSGVO, der Data Act und der AI Act schaffen bereits heute klare rechtliche Rahmenbedingungen. Dennoch möchten sich noch zu viele KMU diese Aufgaben nur zögerlich ins Haus holen – ein Umstand, der oft dazu führt, dass das Thema KI an den Rand gedrängt wird. „Wer will, findet Wege; wer nicht will, findet Ausreden“, bringt König die Situation auf den Punkt.

Datenstrategie ist entscheidend

Ein zentrales Hindernis bleibt die Datenlage. Die Voraussetzung für einen erfolgreichen KI-Einsatz ist ein belastbarer, strukturierter Datenbestand – und der muss vielerorts erst geschaffen werden. Hier unterscheiden sich die Anforderungen von Kunde zu Kunde. IT-Dienstleister wie Adesso unterstützen Unternehmen bei der Entwicklung einer geeigneten Datenstrategie. Dabei geht es in erster Linie darum, eine Datenplattform zu errichten und damit bestehende Silostrukturen aufzubrechen. Das bedeutet nicht, dass alle Daten zentralisiert an einem Ort gespeichert werden müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Datentöpfe sinnvoll miteinander vernetzt werden (siehe Kasten). Erst auf dieser Grundlage lassen sich mittels KI Muster oder Anomalien erkennen, die konkrete geschäftliche Mehrwerte schaffen. Gerade deutsche Unternehmen, die auf enormen Datenschätzen sitzen, können durch eine kluge Datenstrategie erheblich von KI-Anwendungen profitieren.

Große Sprachmodelle feintunen

Auch bei den KI-Modellen hat sich in den letzten Monaten viel bewegt. Open-Source-Modelle befinden sich aktuell in einem Entwicklungsrückstand von etwa vier Monaten gegenüber den großen proprietären Sprachmodellen, doch laut König wird dieser Abstand sukzessive kleiner. Für Europa bedeutet das:„Wir werden im Modell-Krieg mit den Hyperscalern aus den USA oder China, angesichts ihrer enormen Kapazitäten und Ressourcen, nicht konkurrieren können. Doch wir können mit unseren Produktionsdaten große Sprachmodelle so feintunen, dass sie in spezifischen Business Cases hervorragende Ergebnisse erzielen“, so König.

KMU setzen sich noch viel zu wenig mit KI auseinander, obwohl es bereits Top-Lösungen gibt, die aus wirtschaftlicher Sicht vorteilhaft für sie wären.

Tim König, Mitglied der Geschäftsführung der br.AI.n Solutions und Head of GenAI bei Adesso

Hinzu kommt, dass KI-Agenten in der Praxis zunehmend Routineprozesse übernehmen können. Gerade in klassischen HR-Abläufen wie Urlaubsanträgen oder Krankmeldungen sind sie in der Lage, viel lästige Arbeit zu automatisieren. Auch die Anbindung an bestehende Systeme wie SAP oder ServiceNow zeigt großes Potenzial. „KI-Agenten werden gigantische Potenziale heben“, so König.

Die Technologie selbst ist längst nicht mehr das Hauptproblem. Entscheidend ist der Wandel in der Organisation. Adesso legt deshalb großen Wert auf frühzeitige Transparenz. „Change Management bedeutet, Awareness und Akzeptanz zu fördern, Mitarbeiter aktiv einzubeziehen und langfristig zu schulen, um Ängste abzubauen“, erklärt König. Das schützt auch vor falschen Erwartungen.

Spitzenreiter unter den deutschen IT-Dienstleistern

Auch an die Konkurrenz setzte Adesso zuletzt Zeichen: Beim Analystenhaus Lünendonk erreichte das Unternehmen mit 15 Prozent Wachstum die Spitze unter den deutschen IT-Dienstleistern. Mit der neu gegründeten Adesso-Company brAIn Solutions will König zukünftig wiederkehrende KI-Anwendungsfälle gezielt adressieren. Die Plattform richtet sich an ­Enterprise-Kunden, ist modular aufgebaut, Java-basiert und verbindet KI-Komponenten über standardisierte BPMN-Workflows. Sie ermöglicht unter anderem RAG-Szenarien mit semantischen Knowledge Graphs. Außerdem ist sie mit der Orchestrierungsplattform Camunda kompatibel und flexibel On-Prem oder in der Cloud einsetzbar.

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KI-Anwendungen sind längst reif für den Alltag. Jetzt braucht es vor allem den Mut, sie konsequent einzusetzen und auch die notwendigen kulturellen Veränderungen in Unternehmen voranzutreiben.

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