Produkte für Enterprise Networking, Switching und Wireless-LAN waren in den vergangenen Quartalen stark nachgefragt und zudem teuer. Laut den Zahlen und Prognosen von Context gibt es jetzt eine Abkühlung im Networking-Hardware-Markt.
Der Digitalisierungsschub nach der Pandemie und das Nachholen in der Pandemie aufgeschobener Projekte sorgten in den vergangenen Quartalen trotz starker Schwankungen für gute Stimmung in der Networking-Branche. Jetzt drohen härtere Zeiten.
(Bild: Sergey Nivens - stock.adobe.com)
Viele Unternehmen arbeiteten in den vergangenen Quartalen aufgeschobene Projekte aus der Pandemie ab und stellte sich mit neuen, hochwertigen Netzwerkprodukten auf die Zukunft ein. Neben den Stückzahlen half auch der Trend zu leistungsfähigeren, allerdings auch teureren Produkten der Branche bei ihren Umsatzzielen. Jetzt droht die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit auch den Networking-Markt einzuholen.
Rückblick
Context gliedert den Markt für Networking-Produkte in drei Segmente: „Enterprise Networking“, „Network Switching“ und „Networking Wireless“. Die eng verbundenen Bereiche „Enterprise Networking“ und „Network Switching“ entwickelten sich den Marktforschern zufolge in den zurückliegenden Quartalen grundsätzlich sehr ähnlich: Beide hatten ein starkes drittes Quartal 2022 und ein sehr gutes erstes Quartal 2023. Beide waren im vierten Quartal 2022 etwas schwächer. Bei Wachstumsraten im Vergleich zum Vorjahresquartal von 26,2 beziehungsweise 23 Prozent gemessen am Umsatz konnte die Branche aber dennoch zufrieden sein.
Die hohen Zuwächse waren laut Context allerdings auch aufgrund höherer Produktions- und Logistikkosten, gestiegenen Preisen und dem Interesse der Kunden an leistungsfähigeren und damit teureren Produkten geschuldet. Außerdem hatten viele Unternehmen das Upgrade ihrer Core-Infrastruktur in der Pandemie hinausgezögert und gingen es nun endlich an. Nicht zuletzt hatten auch kürzere Lieferzeiten einen positiven Einfluss auf die Marktentwicklung.
Besonders gut lief es im Marktsegment „Networking Wireless“. Das profitierte auch davon, dass allenthalben neue Arbeitsplatzkonzepte umgesetzt werden. Daneben ist drahtlose Vernetzung oft die erste Wahl, wenn es um IoT- oder IIoT-Projekte geht. Nicht zuletzt sorgte die Adaption von Wi-Fi-6-Komponenten im-KMU-Umfeld für einen Schub. Das Segment legte daher in Europa* jeweils im Vergleich zum Vorjahresquartal zwischen 61,5 Prozent (in Q2/2022) und 38,3 Prozent (Q1/2023) zu.
„Networking Wireless“: zweites Quartal 2023 und Prognose
Im zweiten Quartal 2023 fiel das Wachstum im Segment „Networking Wireless“ mit 8,5 Prozent dagegen deutlich schwächer aus. Context rechnet auch nicht mit einer raschen Erholung. In seinem optimistischen Prognoseszenario, das von anhaltender Wi-Fi-6-Adaption, guter Verfügbarkeit und marktgerechten Preisen ausgeht, prognostizieren die Marktexperten für die kommenden vier Quartale ein Ergebnis, dass jeweils knapp über dem Vorjahresquartal liegt (zwischen 1,8 und 2,2 %).
Der tatsächliche Umsatz mit „Network Wireless“ aus der Distribution bis zum Q2/2023 (blau) sowie die optimistische (grün) und die pessimistische Prognose (rot).
(Bild: Context)
Verstärkt sich die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit und sollte das Interesse am Upgrade auf Wi-Fi-6 nachlassen, prognostiziert Context in seiner pessimistischen Prognose-Variante jedoch sogar einen Rückgang zwischen 6,6 und 7,8 Prozent pro Quartal (verglichen mit dem allerdings jeweils auch sehr starken Vorjahresquartal). Der Umsatz läge dann immer noch deutlich über dem der zweiten Hälfte des Jahres 2021 und dem von Anfang 2022. Die Zeiten des starken zweistelligen Wachstums scheinen allerdings für das Segment vorerst vorbei zu sein.
„Enterprise Networking“ und „Network Switching“: zweites Quartal 2023 und Prognose
Deutlich besser als „Networking Wireless“ schnitten im zweiten Quartal 2023 die Marktsegmente „Enterprise Networking“ und „Network Switching“ ab: Sie lagen um 26,3 respektive 38,8 Prozent über dem Vorjahresquartal. Allerdings erwartet Context auch hier eine deutliche, jedoch etwas verzögert eintretende Abkühlung des Marktes.
Der tatsächliche Umsatz mit „Enterprise Networking“ aus der Distribution bis zum Q2/2023 (blau) sowie die optimistische (grün) und die pessimistische Prognose (rot).
(Bild: Context)
„Bereits geplante oder begonnene Projekte zur Netzwerk-Modernisierung werden noch durchgezogen, wir sehen aber ganz deutlich die Gefahr, dass der weitere Ausbau aufgrund des schlechter werdenden makroökonomischen Umfelds aufgeschoben oder sogar gestoppt wird“, sagt Amanuel Dag, Country Director für die DACH-Region bei Context.
Der tatsächliche Umsatz mit „Network Switching“ aus der Distribution bis zum Q2/2023 (blau) sowie die optimistische (grün) und die pessimistische Prognose (rot).
(Bild: Context)
Die beiden Marktsegmente entwickeln sich der bis Q2/2024 reichenden aktuellen Context-Prognose zufolge erwartungsgemäß auch weiterhin sehr ähnlich. Mit einem Zuwachs von 12,0 und 7,4 Prozent („Enterprise Networking“) respektive 14,7 und 11,1 Prozent („Network Switching“) bleiben sie im dritten und vierten Quartal 2023 in der optimistischen Prognose noch deutlich im positiven Bereich. Sie pendeln sich dann aber in den folgenden beiden Quartalen etwa auf Vorjahresniveau ein.
Sollte sich jedoch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stärker auf die Kaufentscheidungen auswirken und das pessimistische Prognose-Szenario eintreffen, könnte das Wachstum 2023 deutlich geringer ausfallen (14,9 Prozent bei „Enterprise Networking“ und 20,1 Prozent bei „Network Switching“). Für die beiden Quartale vor und nach der Jahreswende 2024 wäre dann sogar in beiden Segmenten ein Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartals möglich.
Stand: 08.12.2025
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Details zu den Prognosen und der Erhebung
Bei ihren Prognosen gehen die Context-Analysten von zwei Szenarien aus: einem optimistischen und einem pessimistischen. Sie kalkulieren so den besten und den schlimmsten anzunehmenden Fall. Der aus den jeweiligen Werten errechnete Mittelwert ergibt die eigentliche Prognose. Seit dem 2. Quartal 2022 vergleicht Context diese Prognose zur Optimierung der eigenen Vorhersagen nachträglich mit den tatsächlich erhobenen Zahlen für den jeweiligen Zeitraum. Für den Gesamtmarkt der IT-Distribution lag die Abweichung der prognostizierten von den tatsächlichen Zahlen für das Gesamtjahr bei lediglich 0,7 Prozent. Im Bereich Desktop-PCs und Mobile Computing trafen 2022 die pessimistischen Prognosewerte zu oder wurden sogar noch unterschritten. Die Umsatzprognosen beruhen jeweils auf festen Wechselkursen, die Zahlen werden in Euro angegeben.
Context erfasst für seine Aussagen zum europäischen Markt Zahlen aus der Distribution für Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Slowakei, Spanien, der Schweiz und der Tschechischen Republik.