Prof. Dr. Yasmin Weiß: „Mosaik-Karrieren werden zur neuen Norm.“ 78 Prozent der ITK-Stellen erfordern KI-Kenntnisse

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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KI-Skills sind keine Kür mehr, sondern Pflicht. Ein aktueller Bericht des AI Workforce Consortium zeigt, dass in 78 Prozent der ITK-Stellenanzeigen bereits KI-Kompetenzen gefordert werden. Um den Bedarf an Fachkräften zu decken, ist ein Kulturwandel nötig.

Prof. Dr. Yasmin Weiß über den zukünftigen Arbeitsmarkt: „Es wird zur Schlüsselfähigkeit, uns so schnell anzupassen, wie wir uns noch nie an etwas angepasst haben.“(Bild:  Cisco)
Prof. Dr. Yasmin Weiß über den zukünftigen Arbeitsmarkt: „Es wird zur Schlüsselfähigkeit, uns so schnell anzupassen, wie wir uns noch nie an etwas angepasst haben.“
(Bild: Cisco)

Das AI Workforce Consortium hat seinen zweiten Report „ICT in Motion: The Next Wave of AI Integration“ veröffentlicht. Die Analyse von 50 ITK-Berufen in den G7-Ländern verdeutlicht, dass 78 Prozent der wichtigsten Technologiepositionen inzwischen technische KI-Kenntnisse voraussetzen. „Die Implementierung von KI-Tools ist eine Geschäftsentscheidung. CIOs sind hier stark unter Druck, eine KI-Infrastruktur aufzubauen, die den Unternehmenserfolg tatsächlich vorantreibt“, sagt Christian Korff, VP Services, Strategy & Planning, Software and Strategic Sales bei Cisco EMEA. KI sei ein „Jobveränderer“ und es werden bestimmte Anforderungsprofile wegfallen und neue hinzukommen.

KI-Experten sind gefragter denn je

Sieben der zehn am schnellsten wachsenden ITK-Berufe haben einen direkten Bezug zu KI – darunter KI-/ML-Entwickler, Spezialisten für KI-Risiken und Governance sowie NLP-Entwickler. In Deutschland stehen laut Report vor allem Software-Entwickler, KI/ML-Entwickler, Embedded Engineers, Cloud Engineers und Data Engineers hoch im Kurs.

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Auch geografisch zeigt sich ein klarer Trend: Tech-Hubs weltweit bleiben Wachstumstreiber für KI-Jobs. Spitzenreiter beim Stellenwachstum ist das Silicon Valley (+156 %), gefolgt von London (+132 %), Toronto (+118 %) und Berlin (+104 %). Neue Zentren wie Manchester, Lyon und Vancouver verzeichnen ebenfalls deutliche Zuwächse.

AI Workforce Consortium

Das Konsortium will dem wachsenden Bedarf an Fachkräften begegnen, die KI-Lösungen in Unternehmen umsetzen können. Es empfiehlt und stärkt Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme für Studierende, Quereinsteiger, IT-Beschäftigte, Arbeitgeber und Pädagogen – mit dem Ziel, die Arbeitswelt breit auf das KI-Zeitalter vorzubereiten. Das Konsortium wird von Cisco geleitet und vereint 10 führende Unternehmen wie Accenture, Cornerstone, Eightfold AI, Google, IBM, Indeed, Intel, Microsoft und SAP.

Micro-Credentials statt Diplome

Neben den technischen Kompetenzen wächst die Nachfrage nach ethischer und governance-orientierter Expertise rasant. Die Anforderungen an Fähigkeiten in KI-Governance stiegen um 150 Prozent, in KI-Ethik um 125 Prozent.

„KI ordnet Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten neu – nirgends so deutlich wie in der Wissensarbeit und in ITK-Berufen“, erklärt Prof. Dr. Yasmin Weiß, die an der Technischen Hochschule Nürnberg sowie der TU Berlin lehrt und zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt forscht. „Entscheidend wird nicht sein, ob wir mit KI arbeiten, sondern wie: Wer sie als Copilot nutzt und zugleich das Steuer in der Hand behält, bleibt zukunftsfähig“, so Weiß.

Parallel gewinnen Soft Skills wie Kommunikation, kritisches Denken, Teamarbeit und Problemlösungsfähigkeit weiter an Bedeutung. Weiß fordert deshalb die Stärkung praxisnaher Lernpfade wie Micro-Credentials, wie sie beispielsweise in den USA üblich verbreitet sind, duale Studiengänge und Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen.

Re-Skilling statt Stillstand

Um die Lücke zwischen Fachkräftemangel und neuen Kompetenzprofilen zu schließen, sei ein Kulturwandel nötig. „Bildung und Unternehmen müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen, um Re-Skilling und neue Lernformen zu fördern. Neben betrieblichen Angeboten braucht es staatliche Investitionen in Curricula und Lehrkräfte – insbesondere nach dem Prinzip ‚Teach the Teacher‘. Nur so kann ein kultureller Wandel gelingen, der Besitzstandswahrung überwindet und Offenheit für neue berufliche Wege stärkt.“

VP Services, Strategy & Planning, Software and Strategic Sales, Cisco EMEA(Bild:  Cisco)
VP Services, Strategy & Planning, Software and Strategic Sales, Cisco EMEA
(Bild: Cisco)

Weiß betont: „Viele Unternehmen setzen bei der Qualifizierung für eine Arbeitswelt mit KI noch zu sehr auf Tooltrainings. Doch KI verlangt mehr: soziale und reflexive Kompetenzen, ein neues Rollenverständnis und den Mut, Denkgewohnheiten zu hinterfragen.“ Karrieren verliefen heute nicht mehr linear, sondern bestünden aus unterschiedlichen Bausteinen und beruflichen Identitäten. „Das bedeutet, dass neue Meta-Kompetenzen in unserem Ausbildungssystem entlang der gesamten Qualifizierungsstrecke gestärkt werden müssen.“ Nur so lasse sich zukünftig der Spagat zwischen Fachkräftemangel und Jobprofilen erfolgreich meistern.

Über den Report

Der Bericht „ICT in Motion: The Next Wave of AI Integration“ basiert auf der Analyse von Stellenanzeigen auf Cornerstone und Indeed zwischen Juli 2024 und Juni 2025. Er liefert Einblicke in die Entwicklung des IT-Arbeitsmarktes in den G7-Staaten. Er liefert Einblicke in KI-spezifische Berufsbilder, regionale Jobtrends sowie die Kompetenzen, die Beschäftigte benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ergänzend zu dem Report veröffentlicht das Konsortium ein Playbook, Lernempfehlungen und ein Glossar für KI-Kompetenzen.

Zum kompletten Report

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