GSMA-Studie 6G braucht bis zu dreimal mehr Mittelbandspektrum

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Ab 2030 soll 6G starten, doch schon heute warnt die Branche vor einem Frequenzstau: Laut einer GSMA-Analyse brauchen Netze in dichten Stadtgebieten der 6G-Ära im Schnitt 2 bis 3 GHz Mittelbandspektrum, in Hochlastmärkten bis zu 4 GHz.

Mobilfunkantennen in der Stadt: Für die 6G-Ära braucht es deutlich mehr nutzbares Mittelbandspektrum zwischen 3 und 8 GHz, damit Netze in urbanen Hochlastgebieten nicht an ihre Grenzen stoßen.(Bild:  Stable Diffusion / KI-generiert)
Mobilfunkantennen in der Stadt: Für die 6G-Ära braucht es deutlich mehr nutzbares Mittelbandspektrum zwischen 3 und 8 GHz, damit Netze in urbanen Hochlastgebieten nicht an ihre Grenzen stoßen.
(Bild: Stable Diffusion / KI-generiert)

Die StudieVision 2040: Spectrum for the Future of Mobile Connectivity“ modelliert vor allem dichte urbane Netze. Dort entstehen schon heute die meisten Datenströme und genau dort drohen in den 2030er-Jahren Engpässe, wenn Regulierer nicht rechtzeitig zusätzliche Bänder für den Mobilfunk öffnen. In vielen Ländern ist bislang rund 1 GHz im Mittelband für Mobilfunk identifiziert.

Mehr Daten, mehr Nutzer, mehr Funkbedarf

Bis 2040 rechnet die GSMA mit mehr als 5 Milliarden 6G-Verbindungen. Parallel dazu bleiben schätzungsweise 3 Milliarden 5G- und 2 Milliarden 4G-Anschlüsse aktiv.

Der globale mobile Datenverkehr könnte nach Szenario der Studie 1.700 bis 3.900 Exabyte pro Monat erreichen, was je nach Annahmen rund 140 bis 360 Gigabyte pro Anschluss und Monat entspricht.

Eine Stichprobe von zehn Ländern zeigt: 83 Prozent des mobilen Datenverkehrs fallen in städtischen Gebieten an, die nur rund 5 Prozent der Fläche ausmachen. In sehr dichten Stadtzentren ist die Verkehrsdichte pro Quadratkilometer neunmal höher als in anderen Städten und fast 700-mal höher als in ländlichen Regionen.

Allein über zusätzliche Funkstandorte lassen sich diese Spitzen laut GSMA nur mit hohem Investitionsaufwand abfangen. Weitere, zusammenhängende Frequenzblöcke im Mittelband gelten daher als wichtigster Hebel, um Kapazität bereitzustellen.

Die Studie fordert, dass bis 2030 mindestens 2 GHz Mittelbandspektrum pro Land tatsächlich in Betrieb sind, nicht nur regulatorisch geplant. Daraus leitet die Branche ab, dass zusätzlich zum heutigen Portfolio 1 bis 3 GHz im Bereich zwischen etwa 3,8 und 8,4 GHz nutzbar gemacht werden sollten. Als Kandidaten nennt die GSMA unter anderem:

  • Erweiterungen rund um das bestehende 3,5-GHz-C-Band
  • Bereiche zwischen 4,4 und 4,99 GHz
  • Teile des oberen 6-GHz-Bands

Oberes 6-GHz-Band im Fokus Europas

In Europa gewinnt das Spektrum von 6,425 bis 7,125 GHz an Bedeutung. Die Radio Spectrum Policy Group (RSPG) der EU hat jüngst empfohlen, im oberen Teil des Bandes rund 540 MHz zwischen 6,585 und 7,125 GHz vorrangig für den Mobilfunk zu reservieren. Die verbleibenden 160 MHz im unteren Abschnitt sollen zunächst als Schutzstreifen dienen und erst nach der Weltfunkkonferenz WRC-27 weiter definiert werden.

Mobilfunkbetreiber und die GSMA werten diese Linie als wichtigen Baustein für eine 6G-Roadmap in Europa. Verbände aus Festnetz- und Energiewirtschaft sowie aus dem WLAN-Umfeld kritisieren dagegen, dass damit zu wenig zusammenhängendes Spektrum für Wi-Fi 7 übrigbleibt. Sie verweisen darauf, dass ein Großteil des heutigen Datenvolumens in Haushalten und Unternehmen über WLAN abgewickelt wird.

Für die Endgerätehersteller bedeutet die Debatte, dass sie mittelfristig mit einem stärker fragmentierten Mittelbandspektrum rechnen müssen. Funk-Frontends und Antennendesigns müssen 3,5-GHz-Bänder, das obere 6-GHz-Band und weitere Kandidaten effizient abdecken, während gleichzeitig WLAN im gleichen Spektrum koexistiert. Auch auf Netzseite steigt die Komplexität, weil 4G, 5G und künftige 6G-Funktionen parallel in denselben Bereichen betrieben werden sollen.

Druck auf Regulierer bis zur WRC-27

Die GSMA sieht die aktuelle Dekade als Entscheidungsfenster. Die Ergebnisse der Studie sollen Regulierungsbehörden und Regierungen bis zur Weltfunkkonferenz 2027 leiten, auf der weitere Bänder für das künftige IMT-2030-System und damit für 6G verhandelt werden. Neben zusätzlichen Frequenzzuweisungen steht dort auch die Frage im Raum, wie lange bestehende Fest- und Satellitendienste bestimmte Bereiche noch exklusiv nutzen können.

Dieser Artikel erschien zunächst auf unserem Partnerportal https://www.elektronikpraxis.de/

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