AWS-Geschäftsführer Martin Geier im Interview „Amazon kann Systemhäuser sehr wettbewerbsfähig machen“

Redakteur: Michael Hase

Auch Cloud-Anbieter sind auf Partner angewiesen. Martin Geier, Geschäftsführer bei Amazon Web Services (AWS), stellt im Gespräch mit IT-BUSINESS die Channel-Strategie des Unternehmens vor. Nach seinen Worten hat AWS keine Berührungsängste gegenüber klassischen Systemhäusern.

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Martin Geier, Deutschland-Chef von Amazon Web Services (AWS), möchte die Kernkompetenz des Cloud-Anbieters mit dem deutschen IT-Channel teilen.
Martin Geier, Deutschland-Chef von Amazon Web Services (AWS), möchte die Kernkompetenz des Cloud-Anbieters mit dem deutschen IT-Channel teilen.
(Bild: Amazon Web Services)

Auf dem AWS Summit im Mai haben Sie die Public Cloud als „Mainstream“ bezeichnet. Viele Ihrer Kunden sind Startups, während das Gros der deutschen Wirtschaft nach wie vor auf inhouse betriebene IT-Systeme setzt. Ist Ihre Einschätzung nicht etwas zu euphorisch?

Ich habe den Begriff „Mainstream“ bewusst gewählt. Inzwischen nutzen die unterschiedlichsten Unternehmen unsere Services, und zwar für unterschiedlichste Anwendungsfelder. Darunter sind viele Startups, die gar nicht auf die Idee kämen, eine eigene IT-Infrastruktur aufzubauen. Wir sehen aber immer mehr traditionelle Unternehmen wie etwa Kärcher, die mit neuen, innovativen Services auf unsere Plattform gehen. Dann gibt es arrivierte Unternehmen wie die Software AG, die die Zukunft ihres Geschäfts auf die Cloud ausrichten. Der Anbieter setzt die Transition von On Premises zu Software as a Service (SaaS) mit AWS um. Schließlich haben wir Kunden wie Kempinski, die für sich entschieden haben, dass der Betrieb einer IT-Infrastruktur nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört. Alle Applikationen der Hotelkette laufen mittlerweile bei uns in der Cloud.

Der Bitkom hat Anfang des Jahres eine Studie vorgelegt, wonach viele deutsche Unternehmen wegen der NSA-Affäre ihre Public-Cloud-Projekte zurückgestellt haben. Macht sich diese Zurückhaltung im Geschäft von AWS bemerkbar?

Nein, wenn ich unser Geschäft über die vergangenen Jahre betrachte, dann ist die Nachfrage von Monat zu Monat gewachsen. Kunden in Deutschland informieren sich aber sehr genau darüber, wie und wo ihre Daten in der Cloud verarbeitet werden. Dazu beraten wir und unsere Partner sie eingehend. In einem Shared-Responsibilty-Modell sorgen wir für die Sicherheit der Infrastruktur und klären zugleich unsere Kunden darüber auf, was sie selbst tun müssen, damit die Systeme, die sie darauf installieren, geschützt sind und deutschem Datenschutzrecht genügen. Wenn man sich ein solches Setup anschaut, dann erkennt ein Chief Security Officer sehr schnell, dass der Unterschied zum Betrieb auf der eigenen Infrastruktur gar nicht so groß ist: Applikationen lassen sich in der Cloud genauso sicher nutzen wie On Premises. Außerdem spielt die Lokation eine große Rolle. AWS hat das Geschäft weltweit in zehn Regionen aufgeteilt und kann Kunden garantieren, dass ihre Daten den Rechtsraum der EU nicht verlassen.

AWS betreibt die Infrastruktur für die EU-Region in Dublin. Würde nicht ein deutsches Rechenzentrum die Sicherheitsbedenken vieler Kunden hierzulande zerstreuen? Wie konkret sind die Planungen dazu?

Natürlich würden sich viele unserer deutschen Kunden über ein solches Rechenzentrum freuen, keine Frage. In der Vergangenheit hat AWS die Regionen sukzessive erweitert: Im Herbst 2012 kam Australien und Ende 2013 China hinzu. Bei Amazon ist es Tradition, den Kunden genau zuzuhören. Wenn sie uns sagen: „Ein Rechenzentrum in xy würde für uns einen Vorteil bedeuten.“, dann fließen solche Anregungen in unsere Pläne ein. Das ist Teil unseres Innovationsprozesses. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass es künftig weitere Regionen geben wird.

Warum Partner für AWS wichtig sind, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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