Definition Was ist Digitale Souveränität?

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Digitale Souveränität beschreibt die selbstbestimmte Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit von Individuen, Organisationen und Staaten im digitalen Raum, einschließlich der vollen Kontrolle über eigene Technologien, Infrastrukturen und Daten.

Deutschland und Europa stehen vor der Aufgabe, digitale Souveränität nicht nur politisch zu fordern, sondern mit konkreten Maßnahmen und Investitionen umzusetzen, um unabhängiger von externen Anbietern zu werden.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Deutschland und Europa stehen vor der Aufgabe, digitale Souveränität nicht nur politisch zu fordern, sondern mit konkreten Maßnahmen und Investitionen umzusetzen, um unabhängiger von externen Anbietern zu werden.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Im Kern geht es beim Konzept der Digitalen Souveränität um die autonome Handlungsfähigkeit im digitalen Raum sowie die eigenständige Gestaltung digitaler Technologien und IT-Infrastrukturen. Dies schließt insbesondere die vollständige Kontrolle über eigene und anvertraute Daten ein.

Das Konzept umfasst zwei wesentliche Säulen:

  • 1. Technologische Souveränität: Sie bezieht sich auf die Unabhängigkeit und Kontrolle über technische Infrastrukturen, Systeme und Schlüsseltechnologien. Diese umfasst die Fähigkeit, kritische digitale Infrastrukturen eigenständig zu entwickeln, zu betreiben und weiterzuentwickeln.
  • 2. Datensouveränität: Diese Dimension zielt darauf ab, dass sowohl individuelle Nutzer als auch Organisationen die volle Kontrolle über ihre Daten behalten und kompetent, sicher sowie nach eigenen Wertvorstellungen im digitalen Raum agieren können.

Europäische Perspektive und Strategie

Im Jahr 2020 wurde das Streben nach Digitaler Souveränität offiziell zum Hauptziel der digitalpolitischen Agenda der Europäischen Union erklärt. Seitdem ist das Konzept in zahlreichen politischen Dokumenten und Regulierungsinitiativen verankert worden. Die europäischen Bestrebungen haben sowohl eine interne als auch eine geopolitische Dimension: Europa möchte einen eigenständigen dritten Weg etablieren – neben dem marktliberalen US-amerikanischen und dem staatszentralistischen chinesischen Modell.

Digitale Souveränität bedeutet aktiv eigene Innovationen voranzutreiben und Standards zu setzen. (Bild:  Canva / KI-generiert)
Digitale Souveränität bedeutet aktiv eigene Innovationen voranzutreiben und Standards zu setzen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Der europäische Ansatz zielt darauf ab, durch eine werte- und menschenorientierte Digitalpolitik einen alternativen normativen Rahmen zu schaffen, der auch für andere Länder attraktiv sein kann.

Zentrale Elemente dieser Strategie sind:

  • Förderung von Datenschutz und digitalen Grundrechten
  • Entwicklung eigener digitaler Schlüsselkompetenzen und -technologien
  • Schaffung eines regulatorischen Rahmens für einen fairen digitalen Wettbewerb
  • Stärkung der europäischen Cybersicherheitskapazitäten
  • Förderung von Open-Source-Lösungen und offenen Standards

Aktuelle Herausforderungen für die IT-Branche

Die IT-Branche sieht sich mit mehreren zentralen Herausforderungen konfrontiert, die den Diskurs um Digitale Souveränität prägen:

Cloud-Infrastrukturen und Datensouveränität

Die dominante Stellung amerikanischer Hyperscaler im Cloud-Markt stellt europäische Unternehmen vor grundlegende Fragen der Datenkontrolle. Initiativen wie GAIA-X, 8ra oder EuroStack versuchen, eine europäische Alternative zu etablieren, die höhere Datenschutzstandards und mehr Transparenz bietet. Die Praxis zeigt jedoch, dass der Weg zu einer wirklich souveränen europäischen Cloud-Infrastruktur steinig ist. Unternehmen müssen bisher noch abwägen zwischen der Leistungsfähigkeit globaler Anbieter und den Vorteilen lokaler Datensouveränität.

Abhängigkeiten in der Lieferkette

Die Corona-Pandemie und geopolitische Spannungen, sowie damit verbundene Zölle, haben die Fragilität globaler IT-Lieferketten offengelegt. Besonders deutlich wurde dies bei der Halbleiterknappheit, die zahlreiche Branchen traf. IT-Unternehmen evaluieren nun intensiv ihre Lieferketten und entwickeln Strategien zur Risikominimierung. Dies umfasst die Diversifizierung von Zulieferern, Near-Shoring-Initiativen und verstärkte Investitionen in lokale Produktionskapazitäten.

Software-Unabhängigkeit

Die Abhängigkeit von proprietärer Software großer internationaler Konzerne ist ein weiterer Brennpunkt der Diskussion. Open-Source-Ansätze gewinnen in diesem Kontext an Bedeutung. Deutschland und Europa investieren gezielt in Open-Source-Lösungen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und mehr Flexibilität zu gewinnen. Für Unternehmen bedeutet dies eine Neubewertung ihrer Software-Strategie und möglicherweise eine verstärkte Hinwendung zu offenen Standards und Schnittstellen.

KI als Schlüsselfeld für digitale Souveränität

Besondere Bedeutung kommt dem Bereich der Künstlichen Intelligenz zu. Die Bundesregierung hat das erklärte Ziel, Deutschland zu einem führenden KI-Standort zu entwickeln.

Für die IT-Branche bedeutet dies sowohl Verantwortung als auch Chance. Die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Systeme, die europäischen Werten und Regularien entsprechen, könnte zu einem Alleinstellungsmerkmal werden. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, im globalen Wettlauf um KI-Innovation nicht den Anschluss zu verlieren.

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