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Kahlschlag im Devil-Management
Zum Selbstverständnis von Nedfield gehört auch, dass man »über die Holding den Tochterunternehmen proaktive Unterstützung unter anderem bei Strategie und Geschäftsführung bietet.«
An der Devil AG hat Nedfield nun demonstriert, dass dies auch die komplette Machtübernahme bedeuten kann — ohne jedoch gleichzeitig die Verantwortung übernehmen zu wollen. Denn momentan ist der bisherige Devil-CEO Axel Grotjahn zwar offiziell seines Amtes enthoben, der neue Gesandte der holländischen Konzern-Zentrale, Joost Bruyn, allerdings noch nicht als CEO inthronisiert, so dass bis auf weiteres Axel Grothjahn zusammen mit seinem Kollegen Torsten Matthies bis auf weiteres die Geschäfte führt. Nedfield lässt also die Muskeln spielen, und Devil lebt im Vakuum.
Dabei ist doch die Nedfield AG nur Stiefmutter des Braunschweiger Grossisten.
Wo ist die echte Devil-Mutter abgeblieben?
Denn leibliche Eigentümerin der Devil AG ist noch immer die Tulip Beteiligungs GmbH. Der bisherige Geschäftsführer dieses Unternehmens Rakob Releof (Jip) van den Berg wurde abberufen. Der neue Mann an der Spitze dieser Gesellschaft heißt jetzt Mark Elbertse. Finanzvorstand ist weiterhin Carsten Schmelzer, der sich bis vor wenigen Monaten mit Axel Grotjahn die Geschäftsführung der Devil AG teilte.
Mark Elbertse ist seit Mitte 2002 Vorstandsvorsitzender und CEO der Nedfield NV (früher Tulip BV) sowie seit 27.1.2009 Geschäftsführer der Tulip Computers Deutschland GmbH, der Tulip Technology Deutschland GmbH und der Tulip Immobilien Verwaltungs GmbH.
Andere mutmaßen, es gebe diese Beteiligungsgesellschaft, die bis dato fast alle Devil-Anteile gehalten hat, gar nicht mehr. Beteiligungsgesellschaften dieser Art werden in der Regel gegründet, um den Börsengang von Firmen besser organisieren zu können, wie ihn die Nedfield-Holding auch für Devil geplant hatte. Ein Ende der Beteiligungsgesellschaft würde demnach bedeuten, dass Nedfield den Traum vom Devil-Börsengang vorerst beerdigt hat, was angesichts der Finanzmarktlage kaum verwunderlich wäre.
Darüber aber schweigt sich Nedfield aus — so viel zur Bedeutung von Kommunikation und Transparenz.
Im Zugriff Hollands
Ein Ende der Börsenträume allein würde jedoch nicht den massiven Eingriff der Konzernmutter in das Geschäft der deutschen Distributionstochter erklären, die nach eigenen Angaben profitabel und mit grünen Ertragszahlen arbeitet und gemessen an der gesamtwirtschaflichen Lage gute Umsätze tätigt. Auch zu diesen Punkten schweigt das Nedfield-Management.
Denn nicht nur wurde die Devil-Geschäftsführung gekippt, sondern auch der sechsköpfige Aufsichtsrat neu zusammengestellt. Als einziger deutscher Vertreter wurde Wolfe W. Diener berufen, Mitbegründer von Trade2B. Wolfe begann seine Laufbahn als freiberuflicher Berater, wechselte dann zu McKinsey & Company, wo er als strategischer Berater und Projektleiter Prozessprojekte sowie Merger-Projekte innerhalb der Konsumgüter-, Bau-, Chemie- und der Energieindustrie sowie im Handel durchführte.
Auch zu den Hintergründen dieser Neubesetzung schweigt man bei Nedfield.
Lesen Sie auf der folgenden Seite mehr über die Geheimnisse der Konzernstrategie rund um Devil, 2L und First Flash.
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