Teile der Organisation sind aufgedeckt Umsatzsteuer-Karussell: Die Hintermänner sitzen in Belgien

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Harry Jacob / Harald Jacob

Der Prozess in Augsburg hat gezeigt: Organisiert und gesteuert wurde das Umsatzkarussell von Belgien aus. Die „Gründer“, Cedric G. und Paul H. sind einschlägig bekannt. Sie suchten sich Mitstreiter vor Ort, darunter die ebenfalls führenden Köpfe Hassan E. und Olivier P. Die Beteiligten in Deutschland kamen dagegen zum Teil ohne ihr Wissen mit der kriminellen Bande in Kontakt – und machten noch weiter mit, als sie langsam erkannten, was gespielt wurde.

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Für die Beschuldigten in Augsburg gab es durchwegs Haftstrafen – die eigentlichen Köpfe des Umsatzsteuerkarussells saßen aber nicht auf der Anklagebank.
Für die Beschuldigten in Augsburg gab es durchwegs Haftstrafen – die eigentlichen Köpfe des Umsatzsteuerkarussells saßen aber nicht auf der Anklagebank.
(Bild: VIT-Archiv)

Erst klang es wie ein unglaubliches Angebot. Dann fühlte es sich an wie Weihnachten. Irgendwann aber kamen die Zweifel, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Und am Ende stand die Gewissheit, dass man in kriminelle Machenschaften verstrickt war. So oder ähnlich lauteten die Schilderungen von einigen der Angeklagten, die sich wegen Umsatzsteuerbetrugs vor dem Landgericht in Augsburg verantworten mussten. Wie konnte es dazu kommen?

Neulinge im Visier

Der IT-Channel hat heutzutage die Kostenstruktur fast immer fest im Griff. Da nur noch Mini-Margen erzielt werden können, muss alles extrem effizient ablaufen. Für Neulinge in dem Geschäft eine schwierige Situation: Als „kleine Lichter“ ohne Historie und ohne große Umsätze bekommen sie in der Regel keine guten Konditionen. So ist man stets auf der Suche nach neuen Lieferanten, bei denen vielleicht doch noch ein Quäntchen besser eingekauft werden kann – egal, ob man als Systemhaus für Endkunden tätig werden will oder sich als Trader versucht.

Die Organisatoren des Umsatzsteuer-Karussells pflegten viele Bekanntschaften in der Branche. Die sorgten dafür, dass ihre Firmen als interessante Lieferanten bei möglicherweise geeigneten Partnern im IT-Channel bekannt wurden. So konnten sie immer wieder neue Firmen in ihr Karussell einspannen, die zunächst gar nicht wussten, mit wem sie sich eingelassen haben.

Angebot und Nachfrage aus einer Hand

Die Masche, die das Umsatzkarussell anwandte, funktionierte relativ einfach: Zunächst wurden potenzielle Kandidaten angesprochen, ob sie nicht Interesse an einem neuen Lieferanten hätten. Diese stellten sich als Trader vor, die immer mal wieder interessante Deals anzubieten hätten. War der Kontakt hergestellt, gab es das erste Angebot, dass Ware – zum Beispiel CPUs – in einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Preis geliefert werden könnte. Innerhalb weniger Tage meldete sich dann plötzlich ein potenzieller Kunde, der „zufällig“ genau die angebotene Ware in der verfügbaren Menge suchte und auch mit dem geforderten Preis einverstanden war.

Damit nicht genug: Um die Geschäftsverbindung auch ohne auffällig niedrige Preise wirklich lukrativ zu machen, gab es auch noch Warenkreditlinien und Zahlungsziele oben drauf. Faktisch konnte eine Firma den Deal somit ohne eigenes Geld machen, denn die Ware wurde geliefert und konnte direkt weiterverkauft werden, bezahlt werden musste aber erst, nachdem der Abnehmer seinerseits das Geld schon überwiesen hatte.

Eine junge Firma, die gerade versucht, auf dem Markt Fuß zu fassen, kann so ein Angebot wohl kaum ausschlagen. Dass Angebot und Nachfrage aus einer Hand gesteuert wurden, war in diesem Moment auch nicht erkennbar. Misstrauisch wurden die Beteiligten aber irgendwann doch, als sich diese „Zufälle“ häuften. Letztlich gaben alle Angeklagten zu, dass es irgendwann den Punkt gegeben hatte, an dem sie wussten, dass sie Teil einer mehr oder minder festen Handelskette sind und diese wohl zum Zwecke des Umsatzsteuer-Betrugs eingerichtet worden war.

Auf den folgenden Seiten finden Sie weitere Details über die Arbeitsweise der Umsatzsteuer-Betrüger

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