Lockmittel Musik-Clipping Tobit wandelt auf Apples Spuren

Redakteur: Katariina Hoffmann-Remy

Der Anbieter von Kommunikationssoftware Tobit ist augenscheinlich wild entschlossen, den eMail- und Messaging-Markt aufzumischen. Mit einem Marketing-Sturm will man dem Bekanntheitsgrad des Herstellers auf die Sprünge helfen. Davon profitieren nicht zuletzt die Tobit-Reseller.

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Wer weiß schon, was von einem Produktrelease zu erwarten ist, noch bevor man die Marketingbroschüren durchgearbeitet hat? Anders verhält es sich mit der aktuellen Version 10 des Kommunikationsservers »David« der Firma Tobit. Hier erschließt sich das Top-Feature auch dem Unbedarften schon beim ersten kurzen Blick auf die Verpackung: »Schön neu«, sagt ein Label auf der Box – was will man mehr? Angesichts des sonst recht trockenen Habitus der IT-Branche kann einem dies ein Grinsen entlocken. Tatsächlich war die Nachfrage nach dem Produkt, möglicherweise aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung, überraschend hoch, meinte ein Tobit-Referent. Die Verpackungen wären jedenfalls zwischenzeitlich ausgegangen.

Firmengründer Tobias Groten soll bei der skurilen Kennzeichnung seine Hand im Spiel gehabt haben. Daran hat auch keinen Zweifel, wer den ehemaligen Softwareentwickler – »ein bunter Hund«, so ein Tobit-Partner – einmal im Vortrag erlebt hat. Sein Firmenjubiläum begeht Tobit deshalb nicht unpassend mit dem Slogan »20 Jahre Tobit anders«.

»Anfixen« erwünscht

In die nächsten 20 Jahre startet Tobit mit dem Ehrgeiz, in Apples Fußstapfen zu treten – zumindest in Bezug auf die Vorgehensweise des amerikanischen Großkonzerns hinsichtlich der Kundengewinnung. So wie Apple mit den Produkt-Rennern iPod und iTunes bisher wenig Apple-affine Anwender zum Kauf weiterer Apple-Produkte verführen mag, will auch Tobit Kunden »anfixen«. Die Droge ist dabei ein Stück Software namens Clipinc. Mit ihrem Preis von 9,99 Euro handelt es sich dabei nicht um ein typisches Fachhandelsprodukt. Aber Clipinc hat das Zeug dazu, Kunden für Tobit-Produkte zu begeistern und sie dauerhaft »an die Nadel« zu nehmen.

2003 gelauncht, hob das Produkt, mit dem sich Songs kostenlos und dabei ganz legal aus dem (Internet-)Radio oder vom stationär am PC angeschlossenen Radioempfänger kopieren lassen, 2006 mit der Anbindung an nunmehr 577 IP-Sender so richtig ab. Die Anzahl der geclippten Songs pro Tag liegt laut Tobit bei rund 25 Millionen. Der Clou: Die serverbasierte Software ermöglicht es Fachhändlern, in ein kleines Fensterchen auf der Oberfläche von Clipinc freundliche (Werbe-)Botschaften einzubetten oder diese zu Veranstaltungen einzuladen und somit den Kontakt mit dem User zu halten. Außerdem müssen sich Clipinc-User zugleich als Tobit-Club-Mitglieder registrieren.

Das Fax lebt

Als weitere Einstiegsdroge wird ein Produkt eingesetzt, dass eigentlich schon tot sein könnte. Kaum zu glauben, aber »Faxware«, das Produkt, mit dem Tobit groß geworden ist und sogar international erfolgreich war, wird auch in Zeiten der aussterbenden Faxgeräte weiterhin gekauft. Statt das Produkt einzustampfen, hat Tobit deshalb Faxware 10 ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein Produkt, dass neben der Faxfunktionalität auch das Flaggschiff des Unternehmens, den David-Server 10 enthält. Die dreimonatige Nutzungsmöglichkeit erlischt, sofern der Kunde sich wider Erwarten nicht von David hat begeistern lassen.

Videoclips erobern die Welt

Auch ansonsten weiß Tobit seine Kunden zu ködern. Die im »Club Tobit« registrierten Anwender – derzeit rund 300.000 – bekommen Anwendertipps und andere Informationen neuerdings auch in Gestalt von kurzweiligen Videocasts und in Form von Life-Streams, die zur Interaktion einladen, über RSS-Feeds zugestellt. Tobit denkt noch weiter und stellt seinen Kunden die Frage: Warum sollte zum Beispiel ein Türenhersteller seine Kunden, Niederlassungen und Vertreter mit langweiligen Broschüren quälen, wenn doch ein kleiner Videofilm viel anschaulicher sein kann? Ausgeliefert würde dieser natürlich am besten über das David-Infocenter. Das David-Infocenter wird zur CeBIT um eine Funktionalität erweitert, mit dem iTunes-User Podcasts wie RSS-Feeds abrufen können. Damit ist Tobit wieder bei Apple, dem Vorbild in Sachen Kundengewinnung.

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