Für Mittelstand, Industrie und europäische Souveränität Telekom eröffnet KI-Fabrik Made in Germany

Von Sylvia Lösel 6 min Lesedauer

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Die erste KI-Fabrik Deutschlands entstand in Rekordzeit. Die Telekom eröffnete sie jetzt in München. Warum dieser europäische Ansatz vor allem für den industriellen Mittelstand entscheidend ist und welche Anwendungen bereits laufen.

KI in Rekordzeit: Die Telekom hat die KI-Fabrik gemeinsam mit Nvidia und dem Datacenter-Partner Polarise in nur sechs Monaten aufgebaut.(Bild:  Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)
KI in Rekordzeit: Die Telekom hat die KI-Fabrik gemeinsam mit Nvidia und dem Datacenter-Partner Polarise in nur sechs Monaten aufgebaut.
(Bild: Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)

„Es gibt jetzt keine Ausreden mehr.“ Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom, nimmt mit diesem Statement bei der Eröffnung der ersten KI-Fabrik in Deutschland auch den Mittelstand in die Pflicht. Denn es gehe darum, aus dem Industrie-Knowhow und den vorhandenen Daten nun der Vorreiter bei Industrial KI zu werden. Der erste Schritt ist seit gestern gemacht. In nur sechs Monaten realisierte die Deutsche Telekom zusammen mit 35 weiteren Unternehmen die erste KI-Fabrik für die Industrie.

„Wir reden nicht, die Telekom macht”, sagt Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom. „Wir investieren in KI. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann.“(Bild:  Vogel IT-Medien)
„Wir reden nicht, die Telekom macht”, sagt Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom. „Wir investieren in KI. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann.“
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„Man sieht, was geht, wenn alle wollen“, so der CEO. „Wir investieren in KI, in den deutschen Standort und in Europa. Unsere KI-Fabrik in München ist die Basis für innovative Geschäftsmodelle, für die Industrie, Startups und den Staat – und für Souveränität. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann.“ Nicht nur die Politik habe sehr schnell vieles möglich gemacht. Auch die Zusammenarbeit mit den einzelnen Unternehmen habe sensationell gut funktioniert. „Vielleicht hat die europäische Industrie bislang zu wenig kooperativ agiert“, sagt Höttges. Das müsse sich ändern, denn wer europäische Souveränität wolle, der müsse kooperativ denken und handeln.

34 von 35 Partnern aus Europa: Souveräner KI-Stack Made in Germany

Die neue KI-Fabrik ist nicht nur in Rekordzeit entstanden, sie ist auch ein (fast) reines europäisches Projekt. Von den 35 beteiligten Unternehmen, sind 34 aus Europa. Einzige Ausnahme: Nvidia. Ansonsten liest sich die Liste der beteiligten Unternehmen wie das Who’s who der europäischen Industrie: SAP, Siemens, Schneider Electric, Quantum Systems, Wandelbots – um nur einige zu nennen. Auf diese Art und Weise konnte ein komplett souveräner KI-Stack aufgebaut werden – von der Connectivity über das Data Center und Security bis hin zum Application Layer und der Integration für Kunden.

50 Prozent mehr KI-Rechenleistung für Deutschland – Fokus auf Mittelstand

T-Systems-Chef Ferri Abolhassan erklärt Hintergründe zur KI-Fabrik. Sie ist die Basis für den „Deutschland Stack“, den die Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellt.  (Bild:  Vogel IT-Medien)
T-Systems-Chef Ferri Abolhassan erklärt Hintergründe zur KI-Fabrik. Sie ist die Basis für den „Deutschland Stack“, den die Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellt.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Mit dem Start der KI-Factory erhöht sich die KI-Rechenleistung, die für Deutschland zur Verfügung steht, um 50 Prozent. Das macht die Dimensionen deutlich. 30 Prozent der Kapazität sei bereits „gebucht“, so Dr. Ferri Abolhassan, Vorstandsmitglied der Deutsche Telekom und CEO T-Systems, in seiner Keynote. Nun geht es darum, auch die anderen 70 Prozent auszulasten. Und hier ist das Commitment ganz klar in Richtung deutschem Mittelstand. Die deutsche Volkswirtschaft habe genau dort ihre Stärken, wo KI künftig ihre größte Wirkung erzielt: im Maschinenbau, in der Fertigung, in der Logistik, in der Robotik.

„Diese Industriedaten – das sind Vorteile, die wir endlich in digitale Führungsstärke übersetzen müssen.“ Das bedeutet: Wir müssen die Infrastruktur besitzen, und die Software-Plattformen, auf denen industrielle KI entsteht, trainiert und betrieben wird. Sonst bleiben wir Anwender – und andere entscheiden über unser technologisches Schicksal.

Mittelstandsfreundliches Pricing gegen Hyperscaler-Dominanz

Man wolle das Pricing so gestalten, dass dieses Offering auch für den Mittelstand attraktiv sei und sich so von den Hyperscalern abheben, die oft nur für Großkunden interessante Packages anböten. Dass dafür der Preis für die Energiekosten ein Knackpunkt ist, das gibt Höttges unumwunden zu. Und appelliert deshalb auch gleich an die bei der Eröffnung vertretenen Politiker: „Wir brauchen einen Industriestrompreis für Rechenzentren“, bekräftigt auch Bayerns Ministerpräsident Söder und gibt die Aufgabe zur Etablierung eines europäischen Energiepreises an die europäische Politikebene weiter.

KI ist der Rettungsanker für die Industrie, ist Höttges überzeugt. Nachdem man den Zug bereits bei der Cloud und beim Thema „unstrukturierte Daten“ verpasst habe, muss man nun bei der Industrie-KI punkten. Die hierfür notwendigen „strukturierten Daten" wären in den Unternehmen vorhanden. Diesen Schatz gelte es nun zu heben. „Dafür haben wir nun die Voraussetzungen geschaffen.“

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Diese Anwendungen laufen bereits in der KI-Fabrik:

Mehrere Unternehmen nutzen die KI-Rechenkapazitäten ab sofort. Beispielsweise kombiniert der Münchner Anbieter Agile Robots künstliche Intelligenz mit Robotik und bringt sein KI-Fundament in die Industrial AI Cloud ein. Oder PhysicsX – ein Unternehmen, das sich auf technische Simulation spezialisiert hat, um die Entwicklungszeit von Produkten und Produktteilen verkürzen. Die KI-Fabrik ist mit den bisherigen Kunden bereits über ein Drittel ausgelastet. Link hier

Datensouveränität als Wettbewerbsvorteil – Politik unterstützt KI-Offensive

„Wir reden nicht, die Telekom macht”, betont Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom. Bisher nutzen viele Unternehmen KI zurückhaltend, weil sie den Abfluss ihrer Daten außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums fürchten. Dadurch entgehen ihnen Kostenvorteile mit entsprechend (negativen) Auswirkungen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.

„Damit die Investitionsoffensive gelingt, brauchen wir beides – öffentliche und private Investitionen. Für die öffentlichen Investitionen haben wir die Voraussetzungen geschaffen und arbeiten jetzt daran, dass mit Tempo investiert wird“, sagt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. „Ich konnte mich heute in beeindruckender Weise davon überzeugen, dass auch die privaten Investitionen anlaufen. Für mich ist besonders wichtig: Technologieführerschaft muss der Kern des künftigen Geschäftsmodell Deutschlands sein. Hier wurde ein wichtiger Pflock für das deutsche und europäische KI-Ökosystem gesetzt. Davon profitieren nicht nur innovative Unternehmen, das stärkt auch die digitale Souveränität.“

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Die Zahlen der KI-Fabrik Made in Germany

  • Die Infrastruktur basiert auf rund 10.000 Nvidia-Blackwell-GPUs, darunter Nvidia DGX B200 Systeme und Nvidia RTX PRO Server GPUs, die auf moderner Nvidia-Technologie basieren, und eine Rechenleistung von bis zu 0,5 ExaFLOPS liefern. Damit könnten alle 450 Millionen EU-Bürger gleichzeitig einen KI-Assistenten bzw. Chatbot nutzen.
  • 6 Monate von der Idee zum Launch
  • 5.000 Quadratmeter
  • 1 Milliarde Investitionssumme
  • 50 % Erhöhung der KI-Rechenleistung in Deutschland
  • SAP liefert die SAP Business Technology Platform und Anwendungen – inklusive moderner KI-Technologien. Damit werden höchste Standards bei Datenschutz, Sicherheit und Verlässlichkeit garantiert.
  • 0,5 Exaflops Compute-Power
  • 4 x 400-GB-Glasfaseranbindungen
  • 20 Petabyte Speicher

Nachhaltigkeit im Tucherpark: Rechenzentrum mit Abwärmenutzung und Eisbach-Kühlung

Für die KI-Fabrik wurde im Rahmen der laufenden Revitalisierung des Tucherparks, eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte ein ehemaliges Rechenzentrum mit einer Fläche von etwa 10.700 qm entkernt und grundlegend modernisiert. Ausgestattet mit Glasfaseranbindung und modernster Technik.

Das Rechenzentrum wird vollständig aus erneuerbaren Energien betrieben. Es ist auf höchste Energieeffizienz ausgelegt. Die Abwärme wird in Zukunft das gesamte Quartier Tucherpark mit Wärme versorgen. Ein modernes Kühlkonzept setzt auf Kühlung des Rechenzentrums durch Wasser des nahegelegenen Eisbachs. Die Industrial AI Cloud fügt sich damit in die Nachhaltigkeitsstrategie der Telekom ein.

Partnerökosystem aus Industrie, Forschung und Start-ups

5 Fakten zur KI-Fabrik der Telekom.(Bild:  Deutsche Telekom)
5 Fakten zur KI-Fabrik der Telekom.
(Bild: Deutsche Telekom)

Rund um die Industrial AI Cloud wächst ein breites Ökosystem aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups. Industriepartner können beispielsweise digitale Zwillinge von Fabriken und Anlagen aufbauen, Fertigungsprozesse simulieren oder Robotik- und Qualitätsprüfungsanwendungen entwickeln. Start-ups nutzen die Nvidia-KI-Plattform, um die Bereitstellung neuer KI-Dienstleistungen auf den Markt zu beschleunigen. Forschungseinrichtungen erhalten Zugang zu souveräner Hochleistungsrechenpower für ihre Projekte.

Die Industrial AI Cloud steht ab sofort Kunden aus Industrie, Start-ups, Forschung und öffentlichem Sektor zur Verfügung. Unternehmen können Rechenleistung und Plattformdienste flexibel nach Bedarf buchen – von Pilotprojekten bis hin zu unternehmenskritischen Produktionssystemen.

KI-Fabrik der Telekom

Das ist der Deutschland-Stack

Die KI-Fabrik ist die Basis für den sogenannten „Deutschland Stack“, den die Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellt: Die Telekom-Tochter T-Systems verantwortet die Infrastruktur- und Plattformebene inklusive T Cloud. SAP liefert darauf aufbauend die Business Technology Platform und leistungsfähige Fach- und KI-Anwendungen. Dieser „Tech-Baukasten“ stellt alle technischen Elemente bereit, die Kunden für ihre Cloud-Transformation brauchen. So lassen sich branchenspezifische Lösungen etwa für öffentliche Einrichtungen, innere Sicherheit, Industrie sowie Mittelstand schnell, sicher und regelkonform umsetzen. Mit dieser Partnerschaft decken Telekom und SAP von der physischen Infrastruktur bis zur Software alles ab, was Unternehmen für moderne KI-Anwendungen brauchen – Experten sprechen von einem Stack. Damit können über die reine Rechenleistung hinaus Beratung entlang der konkreten Bedürfnisse der Kunden erfolgen.

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