Bürokratische Pflichten sind für den industriellen Mittelstand zu einer erheblichen Belastung geworden, die auch Investitionen auszubremsen droht. Und der Berg der Anforderungen an die Unternehmen wächst stetig weiter.
Die Kosten für Bürokratie sind bei mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauern ähnlich hoch wie die jährlichen Forschungsausgaben.
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In einer aktuellen Studie des IfM Bonn im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA nennen die Betroffenen bereits 375 verschiedene Regelungen allein auf Bundesebene, die sie zu erfüllen haben.
De facto ist die Belastung jedoch etwa doppelt so hoch, weil in der Praxis noch rechtliche Vorgaben auf Landes- und kommunaler Ebene sowie auf EU-Ebene bestehen. Und aus Brüssel sind mit Regulierungsvorhaben wie der EU-Taxonomie, dem europäischen Lieferkettengesetz oder der CSR-Richtlinie weitere umfangreiche direkte und indirekte Belastungen absehbar.
Dieser wissenschaftliche Tiefenschnitt hat für das beispielgebende kleine Unternehmen das Ergebnis gebracht, dass rund drei Prozent des Umsatzes jährlich durch die Erfüllung der direkten bürokratischen Pflichten gebunden werden. Dies sind bei einem Umsatz von 23,5 Millionen rund 705.000 Euro – und umgerechnet auf die Beschäftigungskosten zehn in Vollzeit arbeitende Mitarbeiter.
Damit sind die allein vom Bund ausgelösten Bürokratiekosten ähnlich hoch wie die jährlichen Forschungsausgaben eines Mittelständlers im Maschinen- und Anlagenbau und annähernd so hoch wie der durchschnittliche Bruttogewinn in der Branche. Kommen noch mehr Bürokratiebelastungen hinzu, droht eine weitere Verringerung der Marge und damit auch eine Schwächung der Investitionen.
Bei dem größeren Unternehmen mit einem Umsatz von 239,5 Millionen Euro in zwei untersuchten Betriebsstätten liegen die Kosten für den direkten bürokratischen Aufwand der Regelungen auf Bundesebene bei einem Prozent (2,48 Millionen Euro). Dies entspricht zugleich den Kosten für die Beschäftigung von 40 vollzeitbeschäftigten Mitarbeitern.
„Die Kostenbelastung ist für die kleineren Unternehmen höher, da sich ihre Fixkosten auf geringere Produktionsmengen verteilen“, so Prof. Dr. Friederike Welter, Präsidentin des IfM Bonn und Professorin an der Universität Siegen. Ein besonderer Fokus der Politik sollte daher ihrer Meinung nach auf dem Bürokratieabbau in den KMU liegen.
Auch kleine Unternehmen sind jetzt schon indirekt betroffen
„Dabei müssen auch die indirekten Kosten mitbedacht werden“, sagt Welter weiter. „So sind zwar kleine und mittlere Unternehmen formal nicht vom kürzlich in Kraft getretenen Lieferkettengesetz betroffen. Viele von ihnen müssen ihren Großkunden aber Daten und Informationen zur Verfügung stellen, damit diese ihren neuen Pflichten nachkommen können.“ Die dafür nötige Datenerhebung, -aufbereitung, und -kommunikation erzeuge schon jetzt zusätzliche Bürokratielasten bei den KMU.
„Die bürokratische Belastung für Unternehmen ist bereits jetzt immens und sehr personalintensiv“, ergänzt Henrik Schunk, VDMA-Vizepräsident und Vorsitzender des Kuratoriums der Impuls-Stiftung. Aus der EU würden weitere überbordende Berichtspflichten drohen, bei denen auch Schwellenwerte den kleinen und mittelständischen Unternehmen nichts nützen würden.
„Was wir brauchen, ist ein Moratorium sowie Praxischecks, damit die Politik die Auswirkungen der geplanten Gesetze besser einschätzen kann“, fordert der VDMA-Vizepräsident. „Außerdem ist eine zügige Digitalisierung der Verwaltung dringend geboten, um den Unternehmen zum Beispiel die Datenübermittlung an die Behörden zu erleichtern.“
Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal MM Maschinenmarkt.
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Stand: 08.12.2025
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