Europäische Datensouveränität Punkt und Gigaset bringen Mobilgeräte „Made in Europe“

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Ein Schweizer Hersteller und ein deutscher Traditionsbetrieb bündeln ihre Kräfte: Punkt und Gigaset wollen künftig Mobiltelefone in Europa produzieren. Die Initiative zielt auf mehr digitale Unabhängigkeit – und sendet ein Signal in Richtung Big Tech.

Punkt und Gigaset starten Kooperation für Mobilgeräte „Made in Europe“ – mit Fokus auf Datensouveränität und digitaler Unabhängigkeit.(Bild:  Andrei - stock.adobe.com / KI-generiert)
Punkt und Gigaset starten Kooperation für Mobilgeräte „Made in Europe“ – mit Fokus auf Datensouveränität und digitaler Unabhängigkeit.
(Bild: Andrei - stock.adobe.com / KI-generiert)

Mit der neuen Partnerschaft zwischen Punkt und Gigaset rückt ein lange diskutiertes Ziel der europäischen Digitalpolitik näher: die technologische Souveränität im Mobilfunk. Der Schweizer Hersteller Punkt, bekannt für seine auf Datenschutz und Reduktion ausgelegten Geräte, kündigt an, künftige Mobiltelefone gemeinsam mit dem in Bocholt ansässigen Hersteller Gigaset zu fertigen.

Gigaset bringt dabei eine automatisierte Fertigungslinie, strenge Testverfahren und eine laut eigenen Angaben deutlich unterdurchschnittliche Retourenquote in die Kooperation ein. Die Produktion erfolgt nach Unternehmensangaben ausschließlich mit grünem Strom. Als Betriebssystem kommt eine Software des Schweizer Anbieters Apostrophy zum Einsatz, der laut eigenen Angaben mit europäischen Cybersicherheits-Experten kooperiert und keine Daten monetarisiert.

Die Initiative greift ein zentrales politisches Anliegen auf: den Aufbau eines digitalen Binnenmarkts, der nicht auf die Infrastruktur oder Plattformen dominierender US-amerikanischer oder asiatischer Anbieter angewiesen ist. Die EU hatte in ihrer Digitalstrategie mehrfach betont, dass kritische Infrastrukturen und Geräte künftig in Europa entwickelt und gefertigt werden sollten. Punkt und Gigaset möchten genau diese Lücke adressieren – zunächst im Nischenmarkt, aber mit Signalwirkung.

Signal gegen Intransparenz und Importabhängigkeit

Laut Unternehmensangaben richtet sich das erste Mobilgerät sowohl an Privat- als auch an Geschäftskunden. Technische Details wurden bisher nicht veröffentlicht. Auch bleibt offen, ob das Gerät mit den marktüblichen App-Stores kompatibel sein wird oder ein proprietäres Ökosystem etabliert werden soll.

Die Positionierung als europäische Alternative zu Big Tech ist ein zentrales Narrativ der Ankündigung. Nutzer sollen wieder Kontrolle über ihre Daten erhalten, versprechen die Beteiligten. Beide Unternehmen sprechen von einer „nativen Vertrauenskette“, die durch die Kombination von europäischer Hardwarefertigung, datenschutzorientierter Software und transparenten Lieferketten entstehen soll.

Das erste „Made in Europe“-Mobilgerät von Punkt wird voraussichtlich ab dem 4. Quartal 2025 erhältlich sein.

Unklar bleibt aber bislang, in welchen Ländern das Gerät verfügbar sein wird, über welche Vertriebskanäle es vermarktet werden soll und ob es in bestehende Unternehmensinfrastrukturen integrierbar ist.

Dass Apostrophy laut eigener Aussage bereits Erfahrung mit über 100 Millionen Smartphones im Markt habe, könnte auf eine gewisse Skalierungskompetenz hinweisen – ebenso wie die Zusammenarbeit mit VTech, dem Mutterkonzern von Gigaset.

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